«Einseitig und unausgereift»

Deutscher Lehrerverbandspräsident: Bildungsplan überarbeiten!

Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, ist unzufrieden mit dem baden-württembergischen Bildungsplan. Der Entwurf sieht vor, dass ab der ersten Klasse Homo-, Bi- und Transsexualität intensiver und fächerübergreifend behandelt werden.

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Josef Kraus
«Ich halte den Entwurf für einseitig und völlig unausgereift», sagte Kraus in einem Interview mit idea. Es sei daher richtig, dass die Landesregierung ihn nun überarbeiten wolle.

Vorausgegangen waren Proteste. Fast 200'000 Bürger unterschrieben eine Petition gegen die Akzeptanz sexueller Vielfalt im Bildungsplan. Kraus plädiert zwar dafür, dass sexuelle Orientierungen in der Schule altersgerecht besprochen werden und dafür Toleranz vermittelt wird: «Aber alternative sexuelle Orientierungen dürfen nicht zum Leitprinzip werden.» Die Sexualerziehung gehöre zum Kernbestand des elterlichen Erziehungsrechts. Er wünsche sich deshalb von den Schulen eine zurückhaltende Herangehensweise. Eltern dürfe nicht das Gefühl vermittelt werden, dass eine einseitige Einflussnahme stattfinde.

Schon Erstklässler fragen nach Gott

Kraus unterstrich ferner die Bedeutung des Religionsunterrichts. In diesem Fach bündele sich die Werteerziehung: «Es fragt nach Gott, der Menschenwürde, dem Sinn des Lebens, der Herkunft und der Zukunft des Menschen und dem Verhältnis zu anderen Religionen.» Die Frage nach Gott beschäftige schon Erstklässler: «Es ist gut, wenn sie in der Schule eine Antwort darauf erhalten.»

Kinder an der «elektronischen Nabelschnur des Mobiltelefons»

Kraus äusserte sich auch zur Erziehung durch die Eltern. Etwa 15 Prozent täten zu wenig und 15 Prozent zu viel für ihre Kinder. Die einen interessierten sich kaum für ihren Nachwuchs und schafften so die Bildungsverlierer von morgen. Das andere Extrem seien Väter und Mütter, die sich um alles kümmern und ihre Kinder «an der elektronischen Nabelschnur des Mobiltelefons mit Satellitenortung durchs Leben begleiten».

Kraus empfahl Eltern folgende Grundsätze:

  1. Erziehung ist nur sehr begrenzt planbar. Sie braucht einen erheblichen Teil Spontanität.
  2. Erziehung heisst, einen Mittelweg zu finden zwischen Führen einerseits und Lange-Zügel-Geben andererseits.
  3. Wir trauen unseren Kindern zu wenig zu, und wir muten ihnen zu wenig zu. Kinder wollen aber Aufgaben übernehmen, und das sollte man ihnen auch abverlangen, beginnend mit kleinen häuslichen Pflichten wie Schuhe putzen, Zimmer aufräumen, Haustier versorgen und Müll rausbringen.
  4. Eltern brauchen Gelassenheit und Humor, um mit eigenen und fremden Unzulänglichkeiten umzugehen.

Zum Thema:
Baden-Württemberg: Fast 200'000 Unterschriften gegen den Bildungsplan
Massive Christophobie: Was haben die Übergriffe in Stuttgart zu bedeuten?
Dossier «Sexualerziehung»

Datum: 02.04.2014
Quelle: idea

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