Bürgermeisterin abgesetzt

Erdogan verstärkt Repression gegen Christen

Die Christen in der Türkei waren bisher vom türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan gegen vermeintliche Feinde verschont geblieben. Nun richtet sich sein Staatsapparat gegen die christlichen Aramäer.

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Recep Tayyip Erdoğan
Die christliche Bürgermeisterin der Stadt Mardin wurde am Wochenende abgesetzt und montags unter Hausarrest gestellt. In Urfa wurde gleichzeitig die letzte Kirche der Stadt, der syrisch-orthodoxe Peter-und-Pauls-Dom, vom Staat beschlagnahmt. Der Fortbestand des von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Klosters Mor Gabriel wird nach den ersten Repressalien von 2009 nun ganz in Frage gestellt.

Unbequem und mutig

Mit der erst 27-jährigen Fabronia Benno (türkisch «Akyol») verliert die Türkei ihre einzige christliche Bürgermeisterin. Damit wurde auch ihre mutige Stimme zum Schweigen gebracht, die sie in den letzten drei Jahren für die Rechte der Aramäer und anderen diskriminierten Christen erhoben hat. Sie warf dem Regime Erdogans vor: «Die türkische Politik will keine Christen im Land!». Sie klagte auch die Kumpanei zwischen Ankara und der Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) an: «Ich habe mit eigenen Augen gesehen, dass die türkische Regierung den IS unterstützt.»

Dramatische Geschichte der Christen in der Osttürkei

Dem türkischen Genozid an den Armeniern im Ersten Weltkrieg waren auch viele aramäische Christen zum Opfer gefallen. An ihrer Spitze Bischof Flavianus Michael Malke aus einem Dorf bei Mardin. Er wurde Ende August 1915 bewusstlos geschlagen, dann aufgehängt. Nach Kriegsende zog im August 1920 der Frieden von Sèvres die Grenze zwischen der Türkei und dem von Frankreich verwalteten Syrien so, dass Mardin, Urfa, die Region Tur Abdin und andere christliche Zentren in die französische Zone kamen. 1919 konnte das zerstörte Kloster Mor Gabriel wieder von Mönchen bezogen und instandgesetzt werden.

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Lage der Türkei und Schwarzen Meer.
Doch der Frieden von Lausanne 1923 gab den Türken diese Gebiete zurück, ohne den Schutz der «syrisch-orthodoxen» Aramäer festzulegen, wie das zugunsten der übrig gebliebenen armenischen und griechischen Christen der Fall war. Die Lage verschlechterte sich so, dass bald der Sitz ihres Patriarchen von Mardin ins syrische Homs und weiter nach Damaskus verlegt werden musste. 95% des Landbesitzes der Christen wurden enteignet.

Christen unerwünscht?

Als Folge dieser und anderer Schikanen flohen die meisten Syrisch-Orthodoxen nach Schweden und in die Schweiz, nach Holland, Deutschland und Österreich. Nur etwas mehr als 2'000 harren in diesem seit Aposteltagen christlichen Bergland aus. Das Kloster Mor Gabriel ist zu ihrem religiösen und kulturellen Rückhalt geworden, «damit der christliche Glaube und die Muttersprache Jesu, das Aramäische, nicht aussterben», sagt der Verwalter der uralten Abtei, Kyriakos Ergün. Er ist vor ein paar Jahren von Deutschland heimgekehrt, hat seine Frau aus der Schweiz nachgeholt, weil sich die Lage der Christen unter Erdogan zunächst zu verbessern schien. Nach den letzten Zwangsmassnahmen gibt es für ihn aber keinen Zweifel mehr: «Wir Christen sind hier unerwünscht!»

Zum Thema:
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Datum: 24.11.2016
Autor: Fritz Imhof/ Heinz Gstrein
Quelle: Livenet

Kommentare

In diesem Land gibt es kein Leben für Christen und bald gibt es auch in Europa kein Leben mehr für Christen. Weiter Tayyip so, ein Esel aus dem Dorf der den intellektuellen zeigt wie Politik gemacht wird.

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