Mangalwadi auf St. Chrischona

«Durch Luther wurde der Westen zu einer denkenden Zivilisation»

Was haben Toleranz, Menschenwürde und das Selbstbestimmungsrecht der Völker gemeinsam? Inspiriert wurden diese wichtigen Ideen des Westens alle von einem Buch: der Bibel. So lautet die Kernthese des indischen Theologen und Philosophen Vishal Mangalwadi. Am Dienstagabend legte er seine biblische Kulturgeschichte auf dem Chrischona-Campus vor 250 Zuhörern dar – und zeigte eine Lösung für aktuelle Krisen des Westens.

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Vishal Mangalwadi vor dem vollbesetzten Saal auf dem Chrischona-Campus
Mangalwadis zentrale These dreht sich um die Bedeutung der Bibel als das «Buch der Mitte» (so lautet auch der Titel von Mangalwadis eigenem Werk zum Thema). «Luthers Übersetzung des Neuen Testaments hat die Welt verändert: Dadurch wurde der Westen zu einer denkenden, lesenden Zivilisation», erklärte der Professor für Praktische Theologie aus Allahabad, Indien. Aus der Bibel sei etwa die Idee der Gleichwertigkeit von Mann und Frau als Geschöpfe Gottes abgeleitet worden. Das scheine aus westlicher Sicht selbstverständlich. In Indien jedoch sind die Menschen von Hindu-Lehre und Kastensystem geprägt. Dort herrsche die Ansicht vor, dass Männer und Frauen nicht gleichwertig geschaffen wurden.

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Vishal Mangalwadi
Was passiert mit dem Teppich, wenn man den Faden zieht?

Es ist dieser spannende Blick von aussen, der Mangalwadi zu einem interessanten Redner macht. Zudem überzeugte er durch freie Rhetorik und bildhafte Vergleiche. Die westliche Zivilisation verglich er beispielsweise mit einem Teppich, bei dem der Faden gezogen wird. «Der Westen hat seine Seele amputiert. Er weiss nicht mehr, wie er gross geworden ist», sagte Mangalwadi. Weil der indische Theologe die Bibel als wichtige Inspirationsquelle des Westens sieht, bedauert er umso mehr deren Bedeutungsverlust.

Wie der Westen aus seinen Krisen findet

Als Herausforderungen für den Westen nannte Mangalwadi sowohl Säkularismus als auch Islamismus. Um ihnen zu begegnen, brauche die westliche Welt eine erneute Reformation auf der Grundlage der Heiligen Schrift. Mangalawadi ist überzeugt: Wenn die Bibel weiter das «Buch der Mitte» wäre, würde der Westen besser aus den aktuellen Krisen finden – etwa in Griechenland, in der Ukraine und im Nahen Osten.

Während des Vortragsabends am Dienstag konnte Vishal Mangalwadi seine Thesen nur andiskutieren. Dennoch inspirierte er viele seiner Zuhörer. Stellvertretend dafür ein Theologiestudent des Theologischen Seminars Chrischona (tsc): «Mangalwadi ging den Weg von der Grundsatztheologie zum einzelnen Menschen – und wieder zurück: Faszinierend!»

Zum Thema:
Verbreitung des Evangeliums: Bibelübersetzer retten Kultur
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Bibel prägend für Kultur in Europa

Datum: 18.06.2015
Autor: Markus Dörr
Quelle: Chrischona International 2014

Kommentare

Es ist immer wieder spannend, wie Menschen von weiter her das sagen müssen, was einige schon immer sagen. Aber dem "Propheten im eigenen Land" wird nicht viel geglaubt. Ich finde Herrn Mangalwadi's Aussagen genial. Wir müssen wieder vermehrt zu unseren Werten und Wurzeln finden. Eine "Reformation" - oder "Erweckung" - wie auch immer man das nennen will brauchen wir dringend. Leider sind die Tendenzen oft sehr in eine andere Richtung. Wir müssen uns wieder an Gottes Herz und Wort nahen und ihm den ersten Platz geben - nicht den "Gepflogenheiten" der Gesellschaft nachgeben.

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