Soziale Bankformen

«Ich will nicht dem Mammon dienen»

Hans-Nissen Andersen, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Darlehnsgenossenschaft (EDG) in Kiel, will nicht dem «Mammon» dienen: «Die reine Maximierung des Ertrages ist nicht der vernünftige Weg.»

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Bankchef Hans-Nissen Andersen
Für Andersen sei es ein grosser Unterschied, ob seine Bank mit redlich verdientem Geld oder mit unmoralisch eingesetztem «Mammon» arbeite. Insofern sei dies kein Widerspruch zu seinem Lieblingsspruch in der Bibel «Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon».

Geld sei nichts Schlimmes, wenn es nicht als Ziel, sondern lediglich als Mittel gesehen werde, fügte Andersen hinzu. Die Zeiten, in denen Ware gegen Ware getauscht wurde, seien vorbei. Jeder Pastor und jeder Sozialarbeiter brauche heutzutage Geld.

Gesundes Verhältnis

Ein gesundes Chancen-Risiko-Verhältnis und die Beachtung von ethischen Grundsätzen bei den Investitionen sei langfristig der richtige Massstab. «Die reine Maximierung des Ertrages ist nicht die sinnvolle Lösung oder der vernünftige Weg.» Das verstärkte Interesse an nachhaltigen Geldanlagen müsse nicht unbedingt zu Lasten der Rentabilität gehen. «Immer mehr Anleger möchten einen Beitrag zu einer nachhaltigen Stabilisierung von Gesellschaft und Wirtschaft leisten».

Dazu würden auch Grossanleger wie Kirchen, diakonische und karitative Institutionen gehören. Diese Institutionen seien besonders daran interessiert, soziale, ökologische und ethische Kriterien im Wirtschaftsgeschehen zur Geltung kommen zu lassen.

Wirtschaft und Kirche

Mit Unterstützung mehrerer niedersächsischer Unternehmer wurde 2011 der Stiftungsfonds «Wirtschaftsethik» der Hans-Lilije-Stiftung gegründet. «Mit diesem Fonds wollen wir Projekte fördern, die Verantwortliche aus Kirche, Theologie und Wirtschaft miteinander ins Gespräch bringen», sagt Christoph Dahling-Sander, Geschäftsführer der Stiftung. Im Einzelnen handelt es sich um gezielte Fortbildungen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen mit wirtschaftsethischen Fragestellungen. «Der Bedarf nach ethischen Reflexionen in der Wirtschaft ist gewachsen», so Dahling-Sander. Die EDG beteiligt sich auch am Fonds der Hanns-Lilje-Stiftung.

Soziale Bankformen

Die Alternative Bank Schweiz (ABS) bezieht schon seit über zwanzig Jahren klare Positionen in Sachen Nachhaltigkeit, Ethik und Steuergerechtigkeit. «Vieles davon wird jetzt bestätigt und von anderen teilweise aufgenommen», sagt SP-Nationalrat Eric Nussbaumer, ABS-Verwaltungsratspräsident.

Die Wirtschaft und der Staat hätten das übergeordnete Ziel, das Gemeinwohl voranzubringen. «Leider haben die Wirtschaftswissenschaften diese Perspektive in den letzten Jahrzehnten arg vernachlässigt. Eigennützige Ziele, die keine Verantwortung für das Ganze übernehmen, führen Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in die Krise», beobachtet Nussbaumer.

Nussbaumer lebt aus einer christlichen Ethik heraus. Diese Wertvorstellungen beinflussen auch seine berufliche Tätigkeit: «Meine christliche Verankerung hat ohne Zweifel meine Haltung in der sozialen Frage geprägt. Damit meine ich die Themen ‚Arm und Reich’ und den Ausgleich von oben und unten.

Auf der christlichen Wertebasis habe ich Erkenntnisse gewonnen für die Grundhaltung gegenüber der Umwelt oder der Schöpfung, wie es in der kirchlichen Sprache heisst. Wie ein roter Faden zieht sich dies weiter und erstreckt sich über Geld- und Wirtschaftsthemen. Somit sehe ich einen Zusammenhang, warum ich als Ingenieur beim Thema erneuerbare Energie angekommen bin oder weshalb ich mich bei der Alternativen Bank für einen verantwortungsvollen Umgang mit Geld einsetze.»

Hinweis: Vortrag in Buchs zum Thema «Wie gelingt es, Geld sicher anzulegen und dabei gleichzeitig eine ökologisch sinnvolle und sozial verantwortliche Welt zu fördern?» Zwei Experten der Oikocredit Suisse und Alternativen Bank Schweiz (ABS) geben Auskunft über Mikrokreditprogramme und ökologisch und soziale Bankformen.

Zum Thema:

Am 10. September 2012: Geld ethisch anlegen in Zeiten der Finanzkrise

Webseiten:
Darlehnsgenossenschaft in Kiel
Hanns-Lilje-Stiftung
Alternative Bank Schweiz

Datum: 29.08.2012
Autor: Bruno Graber
Quelle: Livenet / epd / EDG / ABS

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