Das Commitment

Das entscheidende Bindemittel für Paare

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Wenn zwei Menschen sich über Jahrzehnte treu bleiben und ein Paar bleiben, das sich immer noch liebt, steht dahinter eine Beziehungsqualität, die von Paarforschern neuerdings «Commitment» genannt wird.

In der Schweiz wurde das Commitment-Konzept von Guy Bodenmann, Professor für Klinische Psychologie an der Universität Zürich mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche und Paare/Familien, eingeführt. Commitment kann mit «Verbindlichkeit» oder «Treue» übersetzt werden, doch eignet sich laut Bodenmann der englische Begriff besser, um ihn mit der Idee zu füllen, die dahinter steckt. Gegenüber dem Magazin INSIST erklärte Bodenmann das Konzept und die Wirkungen. Wir fassen zusammen:

Drei Säulen des Commitments

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Guy Bodenmann
«Die klassische Form ist das 'kognitive Commitment', welches sich zum Beispiel im Eheversprechen ausdrückt, bei dem sich die Partner lebenslangen Beistand versprechen, also eine verbindliche Zusicherung machen. Das 'emotionale Commitment' bezeichnet den exklusiven emotionalen Bezugspunkt, also den Wunsch der Partner, sich emotional nahe zu sein, weil sie sich lieben. Der Partner ist die Person, die einem am nächsten steht. Die dritte Form ist das 'sexuelle Commitment', also die sexuelle Treue gegenüber dem Partner, die sexuelle Exklusivität mit dieser Person.» Idealerweise sind bei einem glücklichen Paar alle diese Commitments aktiviert.

Das Commitment und der Glaube

Andere Forscher wie zum Beispiel Professor Michael Johnson sprechen vom «moralischen Commitment» – man bleibt dem Partner aus einer moralischen, religiösen Verpflichtung heraus treu. Studien haben ergeben, dass sich Paare, die ihre Ehe ausdrücklich als Versprechen auch vor Gott eingehen, dauerhafter sind. Johnson spricht auch von einem «strukturellen Commitment», wonach sich die Partner treu bleiben, weil es die Umstände wie ein gemeinsames Haus oder gemeinsame Kinder nahelegen. Für solche Paare brächte eine Trennung schlicht zu viele Nachteile mit sich, besonders auch finanzielle. 

Dem Zeitgeist entgegen

Guy Bodenmann ist sich bewusst, dass das Commitment-Konzept nicht gerade dem herrschenden Zeitgeist entspricht: «Tatsächlich scheint Commitment dem Zeitgeist, der auf maximale Selbstverwirklichung und Lebensgenuss bis zum letzten Atemzug aus ist, zu widersprechen. Die heutige Konsum- und Wegwerfmentalität steht dem Commitment diametral gegenüber», räumt Bodenmann ein. Der Gedanke des Commitments beruhe eben «auf einem fairen, ausgewogenem Geben und Nehmen, gegenseitiger Fürsorge und Unterstützung», so der Paarforscher. Commitment bedeute das «situative Zurückstellen eigener Bedürfnisse und eine auf Langfristigkeit angelegte Paarbeziehung.» Das Commitment entspreche «bindungstheoretisch dem Wunsch nach auf Dauer angelegten Beziehungen.»

Das Commitment bei Schicksalsschlägen

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Cover des aktuellen Magazin INSIST
Bodenmann verschweigt nicht, dass das Commitment bei Schicksalsschlägen auf die Probe gestellt werden kann. «Wenn zum Beispiel der Partner an einer Demenz erkrankt oder unfallbedingt behindert wird oder man von seiner Untreue erfährt. Dann drängen sich schwierige Entscheidungen auf.» Gerade in solchen Situationen, wo es um die Frage des Gehens oder Bleibens gehen könne, werde das Commitment relevant.

Ursache für seine Forschung zum Thema Commitment war für Bodenmann die Beobachtung, dass sich immer mehr Paare nach 20 oder 30 Ehejahren scheiden lassen. Ebenso gab ihm eine Studie des Soziologen Paul Amato zu denken, der in einer Studie über Scheidungsursachen feststellte, dass sich bei 26% der untersuchten Scheidungen die Partner scheiden liess, obwohl ihre Beziehung eigentlich zufriedenstellend funktionierte. Er kam zum Schluss, dass wir mehr darüber wissen müssen, was Paare zusammenhält. Er hat zur Stärkung von Paaren auch das Programm «Paarlife» entwickelt.

Dieser Artikel ist im aktuellen Magazin INSIST erschienen.

Zur Person

Guy Bodenmann ist Professor für Klinische Psychologie an der Universität Zürich mit Schwerpunkt Kinder/Jugendliche und Paare/Familien. Der von ihm entwickelte Paarlife- Kurs ist ein international bekanntes Präventionsprogramm für Paare, welches aufzeigt, wie Paare ihre Liebe pflegen und ihre Kompetenzen stärken können. Er ist Ausbildner und Supervisor von Paartherapeuten. Zudem leitet er die Praxisstelle für Paartherapie und die Praxisstelle für Kinder- und Jugendpsychotherapie am Psychotherapeutischen Zentrum der Universität Zürich. Als Forscher engagiert er sich dafür, wissenschaftliche Erkenntnisse in einer gut verständlichen Sprache der breiten Bevölkerung zugänglich zu machen. Ein gutes Beispiel ist das Buch «Was Paare stark macht», das er gemeinsam mit Caroline Fux geschrieben hat.

Zum Thema:
Partnerschafts-Killer: Bevor der Stress euch scheidet...
Kirche und Familie: «Längerfristige Liebe braucht Commitment»
Warum christliche Ehen scheitern: Fünf Dinge, die Sie unbedingt vermeiden sollten

Datum: 09.03.2018
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet / Magazin INSIST

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