Über den Glauben reden

Die EMK will ihre Sprachfähigkeit wieder finden

«Wie können wir verständlich davon sprechen, was Erlösung heisst?» Diese Frage stellte sich die Jährliche Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) vergangene Woche in Münsingen. Sie diskutierte und genehmigte ein Projekt, das einen Prozess in Gang setzen soll. Mit theologischer Grundlagenarbeit und im Dialog mit Partnern sollen die Gemeinden aus der Praxis die Sprachfähigkeit über zentrale Glaubensinhalte wieder finden.
Theo Schaad
Stefan Moll
EMK

Was bringt der Glaube an Jesus Christus? Was können wir von Gott erwarten? Wodurch zeichnet sich ein erlöster Mensch aus? Was ist Sünde und wie wird sie überwunden? Auf solche Fragen haben kirchlich aktive Menschen rasch eine Antwort bereit. Was ist aber mit den Menschen ausserhalb des kirchlichen Umfelds? Versteht Frau Oberholzer am Kiosk diese Antworten? Kann Herr Wortuba als Informatik-Ingenieur etwas damit anfangen?

«Scheinbare Leerformeln»

«Viele Aussagen über die Erlösung durch Jesus Christus scheinen Leerformeln geworden zu sein: inhaltlich richtig – aber kaum mit dem realen Leben zu verbinden», sagte der EMK-Pfarrer Stefan Moll aus Zofingen am Dienstag (19. Juni 12), als er das neue Projekt der EMK vor den Medien vorstellte. Es gehe dabei nicht einfach um «richtige» Glaubensaussagen. Kirche und Gemeinden sollen entdecken, «welche Sprache den Menschen wirklich hilft, sich auf den Weg mit Jesus Christus einzulassen».

Dabei betonte Moll, dass es zu kurz gedacht sei, Sprache auf Redewendungen, Sprachbilder, Beispiele oder Metaphern zu reduzieren. Das Projekt definiere die Sprache ganz umfassend. Im geplanten Prozess würden Orte, Erfahrungen, Rituale und Zeugnisse geteilt, «in denen das Evangelium als befreiende Kraft erfahren wird». Zu Recht habe in der Diskussion vor der Jährlichen Konferenz eine Spitalpfarrerin der EMK angemerkt, dass Sprache mit dem Hören beginne.

Das Projekt ist zweigleisig geplant, wie Theo Schaad, ehemaliger Geschäftsleiter des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes und pensionierter EMK-Pfarrer, gestern als Mitinitiant ausführte. Eine Gruppe von Theologen soll dafür theologische Grundlagenarbeit leisten. Rund fünf sogenannte Praxisfelder – zum Beispiel Kirchgemeinden, Arbeitszweige oder Spitalpfarrämter – werden vorerst ihre bisherigen Erfahrungen und Erkenntnisse in diese Grundlagenarbeit einbringen.

Veränderungsprozess auslösen

Der Dialog zwischen Praxis und Theologie soll dafür sorgen, dass «nicht einfach ein weiteres Papier entsteht», sondern ein Veränderungsprozess ausgelöst wird. Die Erkenntnisse der Theologengruppe werden wiederum in den Praxisfeldern auf ihre Tauglichkeit getestet und dann andern zur Verfügung gestellt. Bis in einem Jahr sollen die Feinplanung des Projekts stehen und die Praxisfelder ausgewählt sein.

An der Jährlichen Konferenz, so berichtet Moll, hätten mehrere Vertreter möglicher Praxisfelder spontan ihr Interesse bekundet mitzumachen. Dies zeige doch, dass das Projekt in der Kirche ankomme.

Datum: 22.06.2012
Autor: Barbara Streit-Stettler
Quelle: Livenet / EMK

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