Umworbene christliche Wähler in den USA

Religiöse Organisationen

Der Weg ins Weisse Haus führt über die Stimmen der bibelorientierten konservativen Christen. Die Evangelicals stellen etwa ein Viertel der Wählerschaft und werden daher intensiv umworben – auch von Barack Obama.

Der demokratische Präsidentschaftskandidat will religiöse Organisationen an der Bekämpfung sozialer und gesellschaftlicher Missstände im Land beteiligen. Die Regierung könne Amerikas Probleme von Umweltschäden bis zur Armut nicht alleine lösen, sagte Obama am Dienstag beim Besuch einer karitativen Organisation in Zanesville im Bundesstaat Ohio, einem der acht vermutlich wahlentscheidenden Staaten.

Staatliche Gelder auch für religiöse Gruppen

Er wolle als Präsident ein «Büro für glaubensbegründete und nachbarschaftsorientierte Partnerschaften» einrichten, sagte Obama. Regierungsgelder sollten religiöse und gemeinnützige Gruppen stärken, die vielerorts gute Arbeit leisteten. Präsident Bush habe zwar vor Jahren versprochen, mit diesen Gruppen zu arbeiten, aber zu wenig Mittel eingesetzt und kirchliche Verbände zu parteipolitischen Zwecken auszunutzen versucht.

Laut der New York Times will Barack Obama bis zum Wahltag im November etwa 1’000 Veranstaltungen speziell für religiöse Wähler durchführen. Obamas demokratische Partei steht für die Beibehaltung der freien Abtreibung ein und befürwortet eheliche Rechte für homosexuelle Paare, was bibelorientierte Christen abstösst.

Obama: Gläubige US-Politiker müssen…

Obama hatte 2006 vor einer christlichen Konferenz religiöse Einflüsse im öffentlichen Leben der USA, deren Verfassung Staat und Religion trennt, positiv bewertet. Grosse Gestalten der US-Politik wie Lincoln, Dorothy Day und Martin Luther King seien nicht nur vom Glauben motiviert gewesen, sondern hätten auch religiös argumentiert, sagte Obama damals in einer viel beachteten Rede. „Zu sagen, dass Männer und Frauen ihre ‚persönliche Moral’ nicht in politische Debatten einbringen sollten, ist eigentlich absurd; unserem Gesetz ist Moral per definitionem eingeschrieben; viel davon hat seine Grundlage in der jüdisch-christlichen Tradition”.

…rational argumentieren

Allerdings distanzierte sich der aufstrebende Politiker, der bis 2008 der theologisch liberalen United Church of Christ angehörte, in jener Rede von Christen, die die Bibel für Gottes Wort halten. Er sagte, religiös motivierte Menschen hätten ihre Anliegen in allgemeingültige Werte umzumünzen und müssten sich der rationalen Debatte stellen. Ein Verbot der Abtreibung könne nicht einfach mit dem Verweis auf Gottes Willen gefordert werden, sondern es müsse ein Argument dafür geben, das auch anders- und areligiösen Menschen einleuchte.

McCain: konservativ genug?

Dem republikanischen Kandidaten John McCain fehlt die Unterstützung von James Dobson, einem der einflussreichsten Vertreter der konservativen Evangelikalen. Im ‚Bible Belt’ im Südosten der USA machte im Winter Mike Huckabee dem Senator aus Arizona das Leben schwer. Darum wird spekuliert, ob McCain mit der Wahl seines Vize die Evangelicals an sich binden will. Mit einem Besuch beim greisen Billy Graham, der turmhoch über allen christlichen Autoritäten steht, versuchte er zu punkten.

Ein Manifest fordert Kampf mit Augenmass

Bekannte Vertreter der konservativen Christen haben sich gegen die Vereinnahmung durch die Politik-Strategen gewehrt. Im Mai formulierten sie ein Manifest, um der Wahrnehmung eines evangelikalen Blocks entgegenzutreten. Darin stellen sie den Glauben an Jesus Christus, den Herrn und die Verpflichtung, ihm nachzufolgen, über politischen Aktivismus. Das Manifest ruft auch zur Selbstkritik auf und wendet sich gegen Positionsbezüge, welche die Polarisierung des öffentlichen Lebens noch verstärkten. Prompt wurde es von bekannten Wertkonservativen wie Richard Land und Albert Mohler von den Südlichen Baptisten als zu schwach und zweideutig bewertet…

Links zum Thema:
Das evangelikale Manifest
John McCain bei Billy Graham
Editorial von Christianity Today zum Thema
Mehr zum Thema bei Christianity Today

Quelle: Livenet / Christianity Today

Datum: 04.07.2008

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