Apologetik für Kinder

Wie wissen wir, ob es die Wahrheit ist?

Wie können Kinder die Wahrheit verstehen? (Symbolbild)
Wenn Kinder fragen, ob wir «richtig» glauben – und warum andere anders denken –, beginnt Apologetik im Kinderzimmer. Sie hilft, Zweifel ernst zu nehmen, Glauben zu verstehen und «bärenstark» zu werden in einer Welt voller Meinungen.

Auf dem Weg zu Freunden kommen mein Sohn (6) und ich am grossen Mormonentempel mit goldenem Engel vorbei. Seit mein Junge sprechen kann, fragt er mir Löcher in den Bauch und natürlich will er wissen, was dies für ein imposantes Gebäude ist. «Das ist der Mormonentempel, also eine Art Kirche … aber nicht so eine, wie wir hingehen». Es fällt mir nicht ganz leicht, das kindgerecht zu erklären. «Also, glauben diese Leute an einen falschen Gott?» «Nun, sie glauben schon auch an Jesus, aber sie glauben noch andere Dinge als wir – anders als es in der Bibel steht.» «Warum glauben sie es dann? Warum glauben Leute etwas Falsches?» «Natürlich denken sie nicht, dass es falsch ist, sie denken, sie glauben das Richtige.» «Aber es ist nicht das Richtige, oder?» «Nein.» Einige Tage später ruft mir mein Sohn mit der Zahnbürste im Mund aus dem Badezimmer zu: «Mama, wenn wir meinen, dass wir das Richtige glauben und andere glauben etwas anderes, aber meinen auch, es sei das Richtige – wie wissen wir dann, ob wir wirklich richtig glauben?» Ich bin etwas perplex. Da muss ich (die Pfarrerin!) grad echt überlegen, was ich sagen soll. Ja, warum weiss ich eigentlich, dass ich «richtig» glaube?!

Kann ich mein Kind vor glaubensfeindlichen Einflüssen schützen?

Wir alle und auch schon unsere jungen Kinder werden mit kritischen Fragen an unseren Glauben konfrontiert. Sei es durch Personen, die einer anderen Glaubensrichtung angehören, durch Bilderbücher, Filme, Social Media, die zeitgenössisches Gedankengut (z. B. es gibt keine absolute Wahrheit) transportieren, durch die Evolutionslehre im Biologieunterricht und durch irgendwelche Ideologien, die mal penetrant, mal ganz dezent für sich Werbung machen. Wenn wir Antworten auf diese Fragen finden, führen sie dazu, dass unser Glaube an Fundament gewinnt, dass er tiefer, fester, überzeugter wird. Und es führt im besten Fall dazu, dass wir sprachfähig werden und auch erklären können, warum wir glauben, was wir glauben. Bleiben Antworten aus, erlebt der Glaube eine Erosion und es bleibt im besseren Fall die «für-mich-stimmt-das-halt-so-Insel», die man nicht wegdiskutieren kann – und im schlechteren Fall gar nichts.

Heute hat mein Sohn eine gute Frage gestellt. Morgen werden seine Fragen noch komplexer sein. Vielleicht wird er sie aber gar nicht stellen. Wie wird er damit umgehen, dass es zwischen dem, was man «in der Welt» so lernt und dem christlichen Glauben Widersprüche gibt? Werde ich Antworten haben? Und werde ich aufmerksam genug sein, um auch die nichtgestellten Fragen zu hören? Oder anders gefragt: Kann ich mein Kind vor glaubensfeindlichen Einflüssen schützen? Ja! Aber nicht, indem ich es von all dem abschirme, sondern indem ich Antworten parat habe und es lehre, biblisch zu denken, Dinge zu analysieren, Lügen zu durchschauen und richtige Schlüsse zu ziehen. Das ist nicht einfach. Denn damit muss ich mich ja zuerst selber auseinandersetzen, und das strengt an! Nach Tagen voller bewältigter Wäsche- und Geschirrbergen, von hier nach dort Eilen, um die Zufriedenheit aller Familienmitglieder und Haustiere der ferienabwesenden Nachbarn zu gewährleisten, fällt es mir abends manchmal schwer, die richtige Zahnbürste zu erwischen (tja, sorry, Schatz!) – geschweige denn zwischen Richtig und Falsch, Gut und Böse, Wahrheit und Lüge in einer überaus komplexen und vielschichtigen Welt zu unterscheiden.

Aber ich will den Glauben meines Kindes – ja, der jungen Generation überhaupt – nicht ungeschützt den Strömungen der Welt überlassen. Ich will biblische Inhalte vermitteln und dazu auch Gründe, weshalb es logisch und richtig ist, der Bibel als Gottes Wort zu vertrauen. Es wird nicht immer gelingen. Ich werde Fehler machen und nicht immer die richtigen Antworten parat haben. Aber ich möchte mein Bestes geben. Ich weiss, dass auch mein grösster Einsatz meinem Sohn und niemandem sonst die Entscheidung abnimmt, die schlussendlich jeder für sich allein treffen muss: Will ich Jesus nachfolgen oder nicht? Aber ich will, dass mein Sohn ein paar Dinge weiss:

  • Der Glaube steht nicht im Widerspruch zur Wissenschaft. Gott und die Bibel sind durchaus logisch begründbar. Glaube ist nicht bloss eine spirituelle Erfahrung, die man als seriöser Naturwissenschaftler oder Historiker nun mal nicht ganz ernst nehmen kann.
  • Auch wenn der Postmodernismus, der Relativismus, der Pluralismus etwas anderes behaupten: es gibt absolute Wahrheit. In der Bibel ist sie sogar personifiziert in Jesus Christus.
  • Ob ich Gott, seine Liebe und seine Macht fühle, sind nicht der Massstab dafür, ob es tatsächlich so ist oder nicht. Der Emotionalismus behauptet allen Ernstes, dass meine Gefühle nicht lügen können.
  • Die Bibel ist nicht ein beliebiges Buch, sie ist Gottes Wort und als solches meinem Verstand übergeordnet. Nicht ich beurteile die Bibel, sondern sie beurteilt mich.

Den Glauben auf diese Weise zu verteidigen heisst «Apologetik». Eine theologische Disziplin, die hierzulande meines Erachtens zu wenig praktiziert wird. Ich bin der Überzeugung, dass Apologetik gerade auch für unsere Kinder relevant ist.

Und übrigens: mein Sohn hat sich die Antwort auf seine Frage, nachdem er die Zahnpasta ausgespuckt hatte, gleich selbst gegeben: «Gell, aus der Bibel können wir wissen, wie Gott ist und ob das, was wir glauben, richtig oder falsch ist?». Da war ich nochmals perplex. Hat ihm das jemand gesagt? Oder war das gerade eine Offenbarung des Heiligen Geistes?

Möge Gott unsere junge Generation mit seiner Wahrheit füllen! Und falls er mich dazu brauchen kann, will ich bereit sein.

Dieser Beitrag erschien zuerst im «wort+wärch», das Magazin des Evangelischen Gemeinschaftswerks. Anfragen für Predigten und Seminare zu diesem Thema an: gabi.jacobi@egw.ch 

Buch zum Thema:
Bärenstark - Hilary Morgan Ferrer

Zum Thema:
Livenet-Talk mit Helmut Kuhn: Apologeticum: Lernen, den Glauben zu begründen  
Ideen-Austausch: Livenet-Talk zu Apologetik: Bereit für gute Antworten
Christlicher Experte: Nahtod-Erfahrungen haben eines gemeinsam 

Datum: 23.02.2026
Autor: Gabi Jacobi
Quelle: wort+wärch (EGW)

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