Laut BBC-Umfrage

Atheismus wächst in Marokko

Religiöse Enttäuschung macht sich auch in Marokko breit. Laut einer Umfrage ist der Anteil nichtreligiöser Menschen in nur fünf Jahren um zehn Prozent angestiegen.
Hassan-II-Moschee in Marokko

Auch in den grossen islamischen Nationen der Welt wächst der Atheismus. Etwa in Marokko: Laut einer Umfrage ist die Anzahl der Menschen, die sich als nichtreligiös oder atheistisch bezeichnen, in nur fünf Jahren um zehn Prozent gewachsen. «Knapp 15 Prozent der Bevölkerung identifiziert sich als nicht-religiös, ein Anstieg von weniger als 5 Prozent 2013», heisst es in dem Bericht zur Umfrage, die von der BBC in Auftrag gegeben und von der Marktforschungsgruppe Arab Barometer durchgeführt wurde.

In so konservativen und religiösen Gesellschaften wie Marokko sei der Atheismus aber immer noch ein Tabu, und werde deshalb von den Medien als Thema gemieden, erklärte Autor Youssef El Kaidi in einem Artikel des Onlinemagazins «Inside Arabia» zu dem Thema.

Enttäuschung und schwindendes Vertrauen

Die schnell steigende Zahl der Atheisten lässt sich laut muslimischen Gelehrten auf die Enttäuschung der Menschen zurückführen, die dem Arabischen Frühling folgte, sowie die gescheiterten Bemühungen der jungen Menschen, die damals auf den Strassen Demokratie, Gerechtigkeit, Menschenrechte und Chancengleichheit forderten, erklärt El Kaidi. Gleichzeitig führten «andere muslimische Intellektuelle das Phänomen zurück auf die Unfähigkeit des traditionellen religiösen Diskurses, die Erwartungen der modernen globalen Bürger anzusprechen», so El Kaidi weiter.

In der BBC-Umfrage wird zudem deutlich, dass die Abnahme der religiösen Identität parallel läuft zum schwindenden Vertrauen in die religiösen Leiter. Dieses fiel von 45 Prozent im Jahr 2013 auf 25 Prozent im Jahr 2018.

Anonyme Kritik im Internet

Da die Kritik des Islam in Marokko nach wie vor per Gesetz verboten ist, nutzen viele nationale Kritiker die Sozialen Medien, um sich – oft auch mit Hilfe von Pseudonymen – gegen den Islam auszusprechen und ihrer Enttäuschung Luft zu machen. Aufgrund der gesamten Situation hat rund 40 Prozent – mehr als jeder Dritte – den Wunsch geäussert, das Land zu verlassen. Wunschziel bei einer Auswanderung ist bei den meisten Europa.

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Datum: 06.11.2020
Autor: Evangelical Focus / Rebekka Schmidt
Quelle: Evangelical Focus / Übersetzt und bearbeitet von Livenet

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