Protestanten in Russland unter Druck
Die «St.-Andrew’s Anglican Church», die der «Church of England» angegliedert ist, gab kürzlich bekannt, dass sie aufgrund bestimmter rechtlicher Anforderungen derzeit keine Gottesdienste durchführen kann.
«Die Verwaltung der St.-Andrew’s-Kirche bedauert, Ihnen mitteilen zu müssen, dass in den kommenden Wochen keine Gottesdienste stattfinden werden, da es an Personen fehlt, die gemäss dem russischen Recht zur Durchführung autorisiert sind», erklärte die Kirche.
Darüber hinaus erklärte die Kirchenleitung, dass «die ‘Diözese Europa’ der ‘Church of England’ nicht befugt ist, russische religiöse Organisationen zu verwalten oder religiöse Aktivitäten auf dem Gebiet Russlands durchzuführen».
Kirche wurde 1825 gegründet
Die Erklärung folgt auf Vorwürfe von Pastor Canon Arun John. Der gebürtige Inder wurde im Dezember 2024 zum Kaplan von St. Andrew’s ernannt und wirft einigen Gemeindemitgliedern vor, «unrechtmässig die Kontrolle über Verwaltung und Finanzen der Kirche übernommen» zu haben. «Diese Gruppe hat ausserdem versucht, dem ernannten Kaplan die Erteilung eines Visums zur Rückkehr nach Russland zu verwehren, um auf diese Weise die Funktionsweise von St. Andrew’s zu kontrollieren.»
Die Kirche St. Andrew’s wurde 1825 gegründet, ihr Kirchengebäude wurde 1885 geweiht. Das Eigentum wurde 1920 von den Kommunisten beschlagnahmt und bis 1991 für säkulare Zwecke genutzt, bevor es 1994 offiziell zur Anglikanischen Gemeinschaft zurückkehrte. Ob der Eigentumsstreit und die Aussetzung der Gottesdienste miteinander in Zusammenhang stehen, ist unklar.
Strenge Auflagen
Die russische Regierung übt seit Langem eine strenge Kontrolle über religiöse Organisationen aus und geht landesweit gegen nicht-registrierte Gemeinden vor.
Experten zufolge wird der Schutz der russisch-orthodoxen Kirche als im Einklang mit den «nationalen strategischen Interessen» stehend wahrgenommen.
Die meisten Russen gehören dieser Kirche an, die eine dominierende Rolle in der russischen Gesellschaft spielt. Nur etwa 1,3 Prozent der russischen Bevölkerung sind Protestanten.
Putin verschärfte Gesetz
Im vergangenen Jahr verboten russische Gerichte weitere Baptistengemeinden, die dem Rat der Kirchen der Baptisten angehören. Den Gemeinden in Timaschjowsk, Armavir und Tuapse wurde der Betrieb untersagt, sofern sie ihre Aktivitäten nicht bei den Behörden melden.
Im Jahr 2016 unterzeichnete der russische Präsident Wladimir Putin ein Gesetz, das strengere Beschränkungen dafür vorsah, wann religiöse Gruppen – einschliesslich evangelische Gemeinden – predigen oder missionieren dürfen. Dies führte zu mehreren Anklagen gegen protestantische Kirchen.
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Datum: 03.02.2026
Autor:
Michael Gryboski / Daniel Gerber
Quelle:
Christian Today / gekürzte Übersetzung: Livenet