«Perfect Citizen»

USA planen Cyber-Überwachung

Die US-Regierung hat unter dem Namen «Perfect Citizen» ein umfassendes Überwachungsprogramm gestartet, um kritische Infrastruktur-Systeme wie das Stromnetz oder die Flugsicherung vor Cyber-Attacken zu schützen. Der US-Rüstungskonzern Raytheon hat sich einen bis zu 100 Millionen Dollar schweren Vertrag für die Umsetzung gesichert, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf Insider.
AKW: Hier muss auch die Cyber-Sicherheit passen. (Foto: pixelio.de, Kurt Michel)

Das für die National Security Agency (NSA) entwickelte System soll mithilfe von Sensoren in Netzwerken vor ungewöhnlichen Cyber-Aktivitäten warnen. «Intrusion Prevention ist extrem wichtig bei kritischer Infrastruktur. Es ist wohl am besten, wenn eine Regierung in dieser Hinsicht Standards einführt und eine aktive Rolle spielt», meint Sean Sullivan, Security Advisor bei F-Secure, im Gespräch mit pressetext. Er bezweifelt, dass die Schutzmassnahme gegen Cyber-Angriffe ein grosses Risiko für die Privatsphäre darstellt.

Infrastruktur-Sicherheit

Hintergrund von Perfect Citizen ist, dass die US-Regierung sicherstellen will, dass für die nationale Sicherheit wichtige Infrastruktur auch virtuell möglichst gut abgesichert ist. Damit setzen sich unter der Obama-Administration Cybersicherheits-Bemühungen fort, die noch unter George W. Bush ins Leben gerufen wurden. Ihre Bedeutung unterstrich 2008 der damalige US-Heimatschutzminister Michael Chertoff mit der Aussage, dass «Cyberattacken so verheerend wie 9-11» sind.

Dass staatlich vorangetriebene Cyber-Verteidigungssysteme für kritische Bereiche sinnvoll sind, ist Sullivan zufolge unbestritten. Dabei geht es nicht nur um aktive Hacker-Angriffe. «Man bedenke, wie schnell sich Conficker ausgebreitet hat. Solch ein Wurm kann wieder auftreten. Man stelle sich nur vor, wenn dieser kritische Infrastruktur befällt», erklärt der Experte. Eben diese soll in den USA Perfect Citizen schützen.

Kaum Eingriff in die Privatsphäre

Das neue Überwachungssystem ist besonders für grosse, meist schon ältere Computersysteme gedacht, die U-Bahnen, die Flugsicherheit oder auch Atomkraftwerke steuern. Diese Systeme wurden vielfach erst nachträglich mit dem Internet verbunden, um sie leistungsfähiger zu machen. «Solche Systeme sind meist sehr spezialisiert und erlauben kaum persönliche Nutzung», meint Sullivan. Dementsprechend ist das Risiko für die Privatsphäre von Usern gering. Theoretisch denkbar sei eher, dass unerwünscht Insider-Informationen über Unternehmen gesammelt werden, so der Experte.

Einem Militärvertreter zufolge wird das Perfect-Citizen-System jedenfalls keinen grösseren Einschnitt in die Privatsphäre darstellen als die von der Öffentlichkeit bereits geduldeten Verkehrs-Überwachungskameras. Nach offiziellen Angaben können Unternehmen auch nicht zur Teilnahme gezwungen werden. Als Kooperations-Ansporn wird freilich betont, dass die gesammelten Daten auch genutzt werden können, wenn die NSA bei der Aufklärung von Angriffen auf ein Unternehmen helfen soll.

Datum: 12.07.2010
Quelle: pte online

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