Jeremy Hunt
Deutlich wie nie

«Verfolgung gegen Christen ist nahe am Genozid-Level»

Klare Worte aus einem Bericht des britischen Aussenministers Jeremy Hunt: «Die Verfolgung gegen Christen ist nahe am Genozid-Level.» In manchen Regionen erreiche sie «das Ausmass der internationalen Definition der UNO für Völkermord». So deutlich hat sich kein westeuropäischer Politiker in diesem Jahrtausend (und zuvor erst recht nicht) geäussert. Bis im Sommer des laufenden Jahres soll der Schlussbericht folgen.

Jeder dritte Mensch leidet unter religiöser Verfolgung und am stärksten unter Druck stehen die Christen. Dies dokumentiert der Zwischenbericht des britischen Aussenministers Jeremy Hunt, der hier eingesehen werden kann. Einer der Gründe, warum das Thema nicht zur Sprache komme, sei die politische Korrektheit.

Und das, obschon die Auswirkungen längst verheerend sind. Akte des Völkermords würden zum Exodus führen. Das Christentum ist davon bedroht, im Nahen Osten «ausgelöscht» zu werden, schreibt der anglikanische Bischof Philip Mounstephen, der mit dem Verfassen des Berichts beauftragt worden ist.

Entspricht der UN-Definition von Völkermord

Die Untersuchung zeigt auf, dass Christen in den Palästinensischen Gebieten weniger als 1,5 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Und im Irak sank die Anzahl von 1,5 Millionen anno 2003 auf inzwischen unter 120'000.

Die anti-christliche Verfolgung weitet sich aus und wird zunehmend härter, hält der Bericht fest. Und weiter: «In einigen Regionen nähert sich das Ausmass und die Art der Verfolgung der internationalen Definition von Völkermord, wie er von der UNO beschrieben wird.»

Bereits vor einigen Monaten hatte Jeremy Hunt angekündigt, dass Grossbritannien bei der Verfolgung von Christen genauer hinschauen wolle (Livenet berichtete).

Regierungen «eingeschlafen»

Gerade befindet sich Jeremy Hunt auf einer einwöchigen Afrikareise, über den Zwischenbericht äusserte er sich in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Er sagt, er denke, dass die Regierungen, was die Christenverfolgung anbelangt, «eingeschlafen» seien, dass nun aber sein Bericht und die Anschläge in Sri Lanka «alle mit einem enormen Schock geweckt haben».

Auf der Webseite des Aussenministeriums hält Jeremy Hunt flankierend zur Aussendung fest: «Es gibt nichts, das mittelalterlicher ist, als jemand wegen seiner Religion zu hassen. Die Tatsache, dass das zunimmt, sollte uns schockieren.»

Minderheiten gehen vergessen

Unbeholfen sei Westeuropa bei diesem Thema teils wegen der kolonialistischen Vergangenheit. In der Atmosphäre der politischen Korrektheit gingen die Christen, die verfolgt werden, vergessen. Und in den entsprechenden Ländern gehören sie oft wirtschaftlich zu den Ärmsten ihrer Gesellschaft.

Angemerkt sei, dass die ersten Christen im Iran, Afghanistan, Indien und Sri Lanka auf den Apostel Thomas, den Jünger von Jesus Christus, zurückgehen, der diesen Erdteil ungefähr anno 52 nach Christus erreichte – lange vor der Kolonialisierung durch die Briten.

Im Sommer 2019 soll der Schlussbericht veröffentlich werden. Ausserhalb Westeuropas ist man schon länger sensibel für dieses Thema. So etwa in Ungarn, wo die Regierung das Thema an die Öffentlichkeit gebracht hat.

Zum Thema:
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Datum: 07.05.2019
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet / BBC / gov.uk / kath.net