Kolumne «Selten so gedacht»

Das hier ist nur für die Besten!

Der Superbowl steht vor der Tür: ein Fest der Besten der Besten. In der neuen Livenet-Kolumne berichtet Kolumnist Pascal Götz von eigenen Erfahrungen rund um den American Football.
Football-Team von Pascal Götz 2018
Pascal Götz

Wenn am kommenden Sonntag die Cincinnati Bengals gegen die Los Angeles Rams spielen, dann geht es nicht nur um irgendeinen nationalen Meistertitel. Wer dieses Spiel gewinnt, darf sich mit Recht «World Champion» nennen. Keine andere Liga der Welt kann im Football auch nur ansatzweise mit den Amerikanern mithalten. Leichtgewichte wie in unseren Schweizer Teams haben da keinen Platz. Ein amerikanisches Beispiel: Aaron Donald. Bei seinem Eignungstest für die NFL stemmte er beim Bankdrücken 102kg 35-mal ohne Pause nach oben. Schon mit einem Mal wäre ich persönlich sehr zufrieden.

Früher habe ich selbst American Football gespielt. Für jeden Footballspieler gibt es den einen Tackle, nach dem er das erste Mal Sternchen gesehen hat. In dem Moment fällt eine Entscheidung: Entweder man fasst nie mehr einen Football an oder man wird diesen Sport sein Leben lang nicht mehr los. Bei mir war es Alex, der mich mit seinen gut 100 kg und den damit verpassten Sternchen endgültig zum Footballer gemacht hat. Aber jemand wie Aaron Donald verteilt keine Sternchen. Wenn der mit seinen knapp 130 kg Körpergewicht einschlägt, gibt das einen Vorgeschmack auf das Licht am Ende des Tunnels. Auf dem Level kann ich nicht mithalten.

Ein bisschen träumen

Und doch: Ein bisschen träumen wird ja wohl erlaubt sein! Einmal mitspielen. Nur einmal. Einmal Hollywood. Den entscheidenden Touchdown-Pass fangen. Weltmeister sein. Nur einmal!

Aber nein, es wird alles ein Traum bleiben. Früher war ich bei meinem Verein Stammspieler. 2020 haben wir den Cup der Liga C gewonnen. Für Schweizer Verhältnisse waren wir nicht schlecht. Aber keiner von uns hätte in den USA eine Chance gehabt. Ich war immer zu klein, zu langsam, zu schwach. Und schon bald bin ich wohl auch zu alt. Im Superbowl spielen nur die Besten der Besten. Mich können sie nicht brauchen.

Losers welcome

American Football ist ein Spiegel unserer Gesellschaft: Selbstoptimierung, Umsatzziele, Leistungsdruck. Hier können nur die Besten mithalten. Es gibt aber noch ein anderes Spiel: Das Spiel des Lebens. Hier können wir alle irgendwie mithalten. Manche länger, manche kürzer. Doch egal ob Normalo oder Aaron Donald – irgendwann kommt der Moment, wo man es nicht mehr schafft. Irgendwann im Leben gehören wir alle zu den Verlierern.

Bei Jesus ist es anders. Er sagt: «Wenn du das Gewicht des Lebens nicht mehr stemmen kannst, dann komm zu mir. Ich will dir neue Kraft geben. Meine Stärke zeigt sich am meisten in den Menschen, die schwach sind» (sinngemäss nach Matthäus, Kapitel 11, Vers 28 und 2. Korinther, Kapitel 12, Vers 9). Er hat nicht die Besten der Besten ausgewählt. Nicht die besonders Intelligenten, nicht mal die besonders Religiösen. Team Jesus: die Gescheiterten, die Diskriminierten, die Vergessenen und alle, die zugeben können, dass ihre eigene Kraft irgendwann zu Ende ist. Niemand anders wäre mit so einem Team angetreten. Jesus schon. Und mit diesem Team hat er gewonnen! Die Welt ist seither nicht mehr dieselbe.

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Datum: 11.02.2022
Autor: Pascal Götz
Quelle: Livenet

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