Tausende fallen drauf herein

Warnung vor Deepfake-Billy Graham

Im Internet kursieren Fake-Videos von Billy Graham
Pastor und Autor Josh Pauling schlägt Alarm: KI-Deepfakes von Billy Graham und anderen Persönlichkeiten stiften Verwirrung darüber, was wahr ist – aber die Kirche könne Abhilfe schaffen.

In einer Kolumne für «Mere Orthodoxy» berichtet Pauling, wie ihm ein Kirchenmitglied einen Link geschickt hatte, der angeblich eine Predigt von Billy Graham enthielt – stattdessen handelte es sich jedoch um ein KI-Video, das für Klicks erstellt worden war. «Die Stimme klang, soweit ich das beurteilen konnte, wie die eines jungen Graham, aber irgendetwas stimmte nicht», schrieb Pauling. «Vielleicht waren es die Sprachmuster, die Klischees oder die Stimmlage. Zugegeben, ich bin zu jung, um viele von Grahams Predigten gehört zu haben, aber diese hat er nie gehalten.»

Er wurde noch misstrauischer, als `Graham` in dem Video auf eine Erklärung des Vatikans aus dem Jahr 2016 Bezug nahm – Jahre, nachdem Graham aufgehört hatte zu predigen. Er war dann vollends überzeugt, dass es sich um einen Deepfake handelte, als `Graham` zwei weitere verräterische Aussagen machte: «Teilen Sie Ihre Gedanken in den Kommentaren unten mit» und «Dieses Video auf dem Bildschirm ist für Sie».

Leider waren bereits Tausende von Zuschauern auf das Video hereingefallen und glaubten, es sei echt. «Ich scrollte durch die Kommentare, um zu sehen, ob jemand erkannt hat, was es war: eine Täuschung, eine Farce, alles im Namen Jesu», schrieb Pauling. «Es stellte sich heraus, dass dieser YouTube-Kanal, Faith in Action, voller ‚Aufnahmen‘ von Billy Graham war. Waren das alles Deepfakes? War dieser ganze Kanal KI-generiert? Und was war mit den Kommentatoren, die Grahams Predigt überschwänglich lobten? Hatten sie die eindeutigen Hinweise nicht bemerkt? Waren sie auch Bots? Beim Durchsehen der Kommentare fiel mir ein weiteres verräterisches Detail auf. Der YouTube-Kanal antwortete auf scheinbar jeden Kommentar mit der Standardphrase: `Gott segne Sie!`»

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Billy Graham Evangelistic Association (BGEA) ihre Anhänger vor Deepfakes von Graham gewarnt, der 2018 verstorben ist. Die BGEA forderte die Öffentlichkeit auf, nur Predigten aus ihren offiziellen Kanälen zu vertrauen.

7 von 10 Europäern «tief besorgt» über falsche Inhalte

Dazu passt die Meldung, dass in einer neuen EU-Untersuchung 69 Prozent der Europäer «sehr besorgt» über falsche Internet-Inhalte sind. Das «Eurobarometer» vom Herbst 2025 zeigt, dass von allen Ländern Spanien am meisten besorgt ist über Desinformation oder Fake News (85%), gefolgt von Zypern (82%) und Italien (80%), wo fast die gesamte Bevölkerung befürchtet, durch Informationen getäuscht oder manipuliert zu werden, die wahr erscheinen, es aber nicht sind.

In Frankreich (72%) und Kroatien (68%) werden Hassreden (sowohl online als auch offline) als Hauptproblem angesehen, obwohl auch in Italien, Spanien, Polen und Portugal die Besorgnis sehr gross ist.  

Die zunehmende Verbreitung falscher Inhalte in sozialen Medien durch künstliche Intelligenz-Tools (insbesondere Deepfake-Videos, die oft schwer von echten Bildern zu unterscheiden sind) ist das Hauptanliegen der Bürger in den Niederlanden und Finnland (73%), Schweden, Deutschland, Belgien, Dänemark und insbesondere Zypern (84%), Malta und Luxemburg (79%).

Auffallend ist, dass Italien, Griechenland und Spanien am meisten über Fake News besorgt sind (über 70%), während nur wenige Dänen (24%), Schweden (32%) oder Finnen (33%) die Unabhängigkeit der Medien als Problem in ihrem Land ansehen.

Heilmittel gegen falsche Nachrichten

Im anfangs erwähnten Bericht stellt Josh Pauling fest, dass die Kirche ein heilendes Gegenmittel gegen die grassierende Verwirrung über – und Verführung durch – digitale Inhalte sei. «Wenn es eine Institution gibt, die den `alles verdampfenden Kräften der digitalen Moderne` standhalten kann, dann ist es die Kirche, die christliche Lehre und Christus selbst.» Die Inkarnation bedeute, dass leibhaftige Begegnungen in der Kirche durch nichts zu ersetzen sind. Pauling: «Seit 2000 Jahren betont die Kirche die `persönlichen Beziehungen`: untereinander und mit einem `realen` Christus – nicht mit einem Abbild, nicht mit einem Bildschirm, nicht mit einer Reihe von Einsen und Nullen. Nicht mit einem Deepfake, sondern mit dem, was am tiefsten real, lebendig und wahr ist: der Vereinigung mit dem lebendigen Gott, den wir kennenlernen und der uns kennenlernt, den wir lieben und der uns liebt.»

Innerhalb der Kirche, so schliesst er, «werden wir in das göttliche Leben geführt, wo die Menschheit voll und ganz lebendig, ganz auf die Wahrheit ausgerichtet und vollkommen real ist. Und dafür brauchen wir keinen Billy-Graham-Deepfake.»

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Datum: 16.02.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Crosswalk / Europa.eu

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