Social Freezing

Entsteht bald ein Milliarden-Wunschkinder-Markt?

«Die Reproduktionsmedizin ist zum Big Business mutiert, das blühende Laborlandschaften hervorbringt.» So beschreibt der Publizist Jürgen Liminski ein neues Phänomen und fordert dazu eine breite Diskussion.
 

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Der deutsche Publizist Jürgen Liminski äussert sich im Pressedienst des Instituts für Demografie, Allgemeinwohl und Familie aus Anlass der Woche für das Leben, die vom 29. April – 6. Mai von den katholischen und evangelischen Kirchen in Deutschland durchgeführt wird.

Ein neuer Milliardenmarkt für die Repromedizin

Demnach entsteht laut dem Marktforschungsinstitut «Allied Marketing Research» in Portland bis 2020 ein Markt für die Reproduktionsmedizin im Umfang von 21,6 Milliarden Dollar. In den USA soll es laut einer andern Quelle bereits über 100 Samenbanken und 481 Reproduktionskliniken geben. Ihre Angebotspalette ist viel breiter geworden als zur Zeit von Louise Brown, die als erstes «Retortenbaby» mit IVF geboren wurde. Heute können künftige Eltern ihr Baby mit Gentests auf über 400 vererbbare Krankheiten testen lassen. Dazu werden Arrangements für Leihmutterschaften bis hin zur Geschlechtsselektion angeboten.

Das Kind aus dem Labor zur rechten Zeit

Seit Herbst 2014 bezahlen Facebook und Apple ihren weiblichen Angestellten bis zu 20'000 Dollar, wenn sie ihre Eizellen einfrieren und den Kinderwunsch aufschieben, um in jungen Jahren zuerst die Karriere zu verfolgen. Das Sozial Freezing könnte in Zukunft auch der Zeugung ohne Sex dienen. Mittels «Social Freezing» würden gemäss der vom verstorbenen Chemiker Carl Djerassi, Männer und Frauen in fruchtbaren Jahren ihre Spermien und Eizellen einfrieren lassen. Später  wenn sie den passenden Partner gefunden und ihre berufliche Karriere hinreichend vorangetrieben hätten – könnten sie sich damit im Labor befruchten lassen. Djerassi gilt als Vater der Antibaby-Pille.

Ein Thema für die Woche des Lebens

Auch wenn sich die Geburtenzahlen zumindest in der Schweiz in den letzten Jahren wieder verbessert haben, so wird sich gemäss Prognosen, wie sie etwa der Zukunftsforscher Sven Gabor Janszky abgibt, das Phänomen späte Familien weiter verstärken. Weil die Qualität der menschlichen Ei- und Samenzellen über die Jahre abnimmt, kann es für Eltern Sinn machen, die Chance, ein gesundes Kind zu bekommen, zu verbessern, indem auf Sozial Freezing zurückgegriffen wird. Jürgen Liminski meint dazu: «Inwiefern solche Methoden noch menschlich sind und ob überhaupt das Diktat des Marktes auch diese Bereiche des Lebens besetzen sollte, sind nur zwei von vielen Fragen, die in der Woche des Lebens kritisch debattiert werden sollten.»

Zum Thema:
Wichtiges Abstimmungsthema: «Grenze zur Menschenzüchtung wird überschritten»
Eizellen einfrieren? «Nein, unsere Kinder verdienen unsere besten Jahre!»
Klares Ja zu FMedG: Liberale Regelung der PID in der Schweiz deutlich angenommen

Datum: 27.04.2017
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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