LäbesKunst Festival

Eine Oase im Musik-Krieg

An den Posten wurde gemalt, mit Wörtern jongliert und Bilder und Gefühle in Knetmasse gedrückt. Im vordern Teil der Kapelle des EGW Unterlangenegg waren nebst der festen Bandformation alle Festivalteilnehmenden eingeladen mitzutun; spontan zu singen oder ein Instrument zu spielen. Beim Workshop konnte man gespannt sein, wie wichtig die Musik für den Gemeindebau sein sollte. Aber ist denn die Situation in den Kirchen wirklich so dramatisch, dass von einem Krieg gesprochen werden muss? Musik fürs Gemüt und gegen die Teufel
LäbesKunst Festival 2018
An verschiedenen Kreativ-Posten wurde gewerkelt.
Tänzerinnen mit Fahnen

Ruedi Freiburghaus, selber Musiker, Pfarrer der Gast-Gemeinde und ehemaliger Auslandmissionar zeigte die Bedeutung der Musik einerseits anhand historischer Begebenheiten, andererseits mit heutigen Gemeindemodellen auf.

Er sprach von einem Krieg, der in den Kirchen tobe. Und tatsächlich erhitzen sich immer wieder die Gemüter, wenn es um die Frage geht welche Lieder an einem Gottesdienst gesungen werden sollen; und welche nicht.

Dazu zitiert er Luther als geübten Sänger und Lautenspieler, der ebenfalls auf das Gemüt hinweist: «Denn wir wissen, dass die Musik auch den Teufeln zuwider und unerträglich sei. Und ich sage es gleich heraus und schäme mich nicht, zu behaupten, dass nach der Theologie keine Kunst sei, die mit der Musik könne verglichen werden, weil allein dieselbe nach der Theologie solches vermag, was nur die Theologie sonst verschafft, nämlich die Ruhe und ein fröhliches Gemüte.» und «So predigt Gott das Evangelium auch durch die Musik.»

Im Musikkrieg braucht es Orte des Friedens

Das EGW Unterlangenegg erlebte selber, wie die Gemeinde wiederbelebt wurde und auch neue Besucher anzog. Als Orte, wo der Krieg um die Musik nicht tobt und dieser Friede Menschen berühren kann, beschrieb Ruedi Freiburghaus die Szenerie.

So schuf das EGW Unterlangenegg zum Beispiel ein Musikatelier wo experimentiert und neue Musiker und SängerInnen ausgebildet und integriert werden. Das Atelier hat sich in der Vergangenheit als eines der «wirksamsten missionarischen Gefässe» der Gemeinde erwiesen.

Den Gastgebern des Festivals ist im Kirchen-Alltag weiterhin wichtig: «Zeit in Gottes Gegenwart verbringen, Prophetisches und für Kranke beten», was Freiburghaus in einem schriftlichen Portrait erwähnt.

Ihr Stellenwert der Musik zeigt sich auch indem sie 2017 eine musikalische Mitarbeiterin anstellten.

Weitere Schweizer Friedensorte

Auch die FEG Wettingen und die Gellertkirche Basel räumen der Musikarbeit einen speziell wichtigen Platz ein. Sie erwähnte der Theologe Ruedi Freiburghaus als weitere Beispiele. So ist bemerkenswert, dass der neue Abend-Gottesdienst in der Gellertkirche, der besonders auf die aktuelle Zeit und den heutigen Lebensstil zugeschnitten ist, am meisten Leute anzieht und so zu einer Belebung und zu Wachstum geführt hat.

Besonders interessant ist eine gewisse Aussenwirkung. Also ist die Musik nicht nur Selbstbeweihräucherung, sondern dient auch Menschen ausserhalb der Kirche und strahlt eine bedeutende Anziehungskraft aus.

Dies steht im Gegensatz zu den Kritikern der modernen Anbetungs-Kultur, die darin nur selbstbezogenen Eigennutz sehen.

Der Festival-Vers: Micha, Kapitel 4, Vers 2 (nach Luther) … und viele Heiden werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinauf zum Berge des HERRN gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir in seinen Pfaden wandeln! Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.

Wir stehen in einer Zeit, in der Kreativ-Formen mehr Platz in der christlichen Gemeinde einnehmen – wohl eher zurückfordern, nachdem mit «Nur das Wort» der Reformation alles was nicht in Worte gefasst war, verbannt wurde.

Das LäbesKunst-Festival schuf eine spürbare Freiheit für viele Ausdrucksformen, und es wurden zaghafte und beflügelte Schritte in kreatives Neuland gewagt.

Es bleibt nun offen, was nach Hause und in den Alltag weitergetragen wird. Persönliche Freisetzung und Auftanken ist jedenfalls passiert: Lachen, Tanzen, Tränen flossen, Freude sprühte!

Zur Webseite:
EGW LäbesKunst

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Datum: 14.11.2018
Autor: Roland Streit
Quelle: Livenet

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