Geschenk des Ewigen

Auf die Zeit warten

Jedes Werden in der Natur, im Menschen, in der Liebe muss abwarten, geduldig sein, bis seine Zeit zum Blühen kommt. (Dietrich Bonhoeffer)

Zoom
Urs Eugster
«Diese Kolumne lesen? Nein danke, dazu habe ich keine Zeit!» Halt! Einspruch! Schon im Wort «kEINE» steckt eine! Also, «Ich habe leider keine Zeit» ist ein Satz, über den ich mich, je älter ich werde, immer mehr ärgere, denn er stimmt einfach nicht. Ich kriege ja jeden Tag wieder frische neue 24 Stunden davon geschenkt, bin jedes Jahr Sekunden-Millionär! Ohne eine Leistung zu erbringen, ohne sie kaufen und auskaufen zu müssen, einfach so, unverdient, bis ich das «Zeitliche segne».

Trotz dieses Wissens jage ich gehetzt der Zeit nach, probiere sie einzufangen, zu fassen, gar zu sparen. Physik und Technik shreddern die Zeit in Milli-, Mikro- Nano-, Pico-, Femto- und Atto-Sekunden. Überall finden wir Uhren: am Handgelenk, auf dem Handy, unten rechts am Computer und am Backofen, denn wir wollen wissen, «welche Zeit geschlagen hat»!

Zeit gibt es nicht...

Doch mit unseren Uhren messen wir keine Zeit, sondern getaktete Bewegungen. Vielleicht liegt darin ja auch das Zeit-Geheimnis: Zeit gibt es nicht, sondern sie entsteht aus Bewegung. Ein Gedanke, der mir gefällt, der sich auch in unserem sprachlichen Umgang mit dem Wort Zeit finden lässt. Die Zeit, sie fliesst und verrinnt, mal kriecht sie und dann jagt sie dahin.

...sie entsteht und geschieht

Die Zeit ist ein Geschenk des Ewigen, etwas, was ich nicht besitzen und halten soll, aber etwas, von dem ich mich zu etwas mitbewegen lassen kann. So gesehen wäre der Ausspruch «ich habe keine Zeit» eigentlich sehr weise. Ich habe sie nicht, ich lasse sie an mir geschehen. Wenn ich keine Zeit habe, so muss ich auf sie warten, geduldig sein und gespannt darauf hoffen, dass sie kommt und dann, von Gott her, etwas an und mit mir tut. So kriegt der Ausspruch «das Zeitliche segnen» für mich eine neue Bedeutung, etwas was ich jeden Tag neu machen sollte und nicht erst am Ende des Lebens.

Gott segne deine Lesens-und Lebenszeit! Er schenke dir Zeit, auf sie zu warten.

Datum: 25.02.2013
Autor: Urs Eugster
Quelle: EGW

Anzeige

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Die Kraft eines einfachen Gebets
Manchmal weiss man nicht, wie ein Gebet beginnen soll, zum Beispiel in einer schwierigen Situation. Nun gewährt der bekannte Pastor und Autor Max...
SZ-Gastbeitrag
Norbert Blüm liest der Gesellschaft die Leviten. In einem Gastbeitrag in der Süddeutschen Zeitung bemängelt der ehemalige Bundesarbeitsminister das...
Suizidgefahr
«Tote Mädchen lügen nicht» ist der Titel einer Fernsehserie. Sie dreht sich um den Selbstmord einer fiktiven Highschool-Schülerin. Doch die...
Ältere Menschen freisetzen
Viele Menschen sehnen sich nach der Pensionierung. Die einen wollen Gott dienen, andere den Lebensabend geniessen. Der Pionier Heinz Strupler...

Werbung

Adressen

CGS ECS ICS

Werbung

Livenet Service