Wenn der Applaus verstummt

Ex-NFL-Spieler: Ermutiger trotz schwerer Krankheit

Tim Green mit drei seiner Enkel
An einem Tag wird man von Tausenden bejubelt, am nächsten ist man vergessen, erinnert sich Ex-NFL-Spieler Tim Green. Er berichtet, was ihm wahre Identität gegeben hat und wie ihn Gott in seiner ALS-Krankheit trägt.

«Ich hatte das Glück, im Laufe meines Lebens viele Rollen übernehmen zu können – als NFL-Erstrunden-Draftpick bei den Atlanta Falcons, als Nummer 1-Bestseller-Autor der ‘New-York-Times’, als Kommentator, als Ehemann und als Vater», bilanziert Tim Green.

«Doch heute ist das Wichtigste, was ich tue, ganz einfach der Versuch, den Menschen zu dienen, die ich liebe. Meine Lebensaufgabe dreht sich inzwischen um die Familie, darum, anderen zu helfen, und darum, die Zeit und die Gaben, die Gott mir geschenkt hat, zu nutzen, um einen Unterschied zu machen.»

Seine Eltern arbeiteten hart und vermittelten ihm Disziplin und Glauben. «Als Kind träumte ich davon, Football zu spielen und Bücher zu schreiben. Damals erschien es mir überhaupt nicht ungewöhnlich, in der NFL zu spielen und gleichzeitig Bücher zu schreiben. Ich dachte mir: ‘Warum nicht?’ Die Leute lachten, als ich sagte, dass ich das tun wollte... Rückblickend hat mich jeder Schritt auf den nächsten vorbereitet. Gott hat die Geschichte lange bevor ich es wusste gewoben.»

«Erfolg definiert einen nicht»

In der NFL zu spielen, war für ihn also ein wahr gewordener Traum. «Doch es hat mich auch gelehrt, dass Erfolg nicht definiert, wer man ist. An einem Tag wird man von Tausenden bejubelt, am nächsten ist man vergessen. Die wahren Siege finden nicht auf dem Spielfeld statt. Sie liegen im Herzen und in der Seele. Was wirklich zählt, sind Glaube, Familie und die Identität in Christus – nicht ein Trikot oder ein Beruf. Football gab mir eine Plattform, doch Glaube und Familie gaben mir einen Sinn.»

Er war schon immer ehrgeizig und auf der Jagd nach der nächsten Errungenschaft, «doch irgendwann erkannte ich, dass Gott sich nicht für meinen Lebenslauf interessierte. Ihm ging es um mein Herz. All die Rollen, die ich gespielt habe – Sportler, Autor, Kommentator, Anwalt – waren lediglich unterschiedliche Wege zu dienen. Der Wendepunkt kam, als ich verstand, dass es bei meiner Bestimmung nicht um Leistung ging. Es ging darum, ihm Ehre zu bringen und Menschen aufrichtig zu lieben.»

Jeder Atemzug wurde kostbarer

Als bei ihm ALS (eine nicht heilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems) diagnostiziert wurde, brach plötzlich alles zusammen, worauf er sein Leben aufgebaut hatte: Stärke, Ehrgeiz und Erfolg. «Ich musste mich meiner eigenen Sterblichkeit auf eine Weise stellen, die ich nie erwartet hätte. In diesem Moment wurde mir klar, dass Gott mir eine weitere Chance gab – eine Chance, nicht länger das zu sein, was ich einen ‘Undercover-Christen’ nenne.»

Er hatte immer an Gott geglaubt, aber diesen Glauben nicht immer nach aussen getragen. «Die Diagnose zwang mich, mich dem zu stellen, was wirklich zählt: Christus in den Mittelpunkt zu stellen und ihn nicht still im Hintergrund zu halten. Sie machte jeden Tag, jede Beziehung und jeden Atemzug kostbarer und bedeutungsvoller.»

Nicht das Ende der Geschichte

ALS führte ihn in eine Dunkelheit, die er zuvor nie gekannt hatte, in einen Abgrund der Verzweiflung. «Es fühlte sich an, als würde mir alles genommen, was mir wichtig war: Meine Stimme, meine Selbstständigkeit, meine Identität. Ich hatte Gedanken, von denen ich nie geglaubt hätte, sie zu haben, doch Gott begegnete mir genau dort. Eines Morgens wachte ich mit einer Klarheit auf, die nicht aus mir selbst kam, und wusste, dass dies nicht das Ende meiner Geschichte war.»

Er erkannte, dass Gott ihn aus einem bestimmten Grund hiergelassen hatte – vielleicht, um zu zeigen, dass selbst im Leiden seine Güte noch leuchten kann. «Dieser Moment war eine zweite Chance, und ich war entschlossen, sie nicht ungenutzt zu lassen.»

Das Gebet wurde zu einem Ruhen

Die schwersten Phasen kamen nach der ersten Diagnose und dann an dem Tag, an dem er die Tracheotomie (Luftröhrenschnitt) benötigte. «Es war leicht, sich verloren und ängstlich zu fühlen. Was mich geerdet hat, war die Liebe – meine Frau, meine Kinder, meine Familie und die ständige Erinnerung daran, dass Gott mich nicht verlassen hatte. Das Gebet wurde weniger zu einem Bitten und mehr zu einem Ruhen. Frieden zeigte sich in kleinen Momenten – einer gehaltenen Hand, einem Lächeln, einem Sonnenuntergang – Erinnerungen daran, dass Gott noch immer da war.»

Jedes Kapitel seines Lebens hat einen tieferen Halt erfordert als blossen Erfolg. «Wenn der Applaus verstummt, wenn die Karriere endet, wenn der Körper versagt, braucht man ein Fundament, das bleibt. Das ist einer der Gründe, warum mir der Podcast mit meinem Sohn, ‘Nothing Left Unsaid’, so viel Freude bereitet. Er ermöglicht es mir, offen mit Menschen über Gott und die Bedeutung des Glaubens zu sprechen. Die Verbindung zu Gott ist kein Luxus, sie ist überlebenswichtig. Wenn man jung und talentiert ist, kann es sich anfühlen, als erwarte die Welt Perfektion. Doch Gott ruft uns nicht zur Perfektion auf. Er ruft uns zur Treue.»

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Datum: 11.02.2026
Autor: Jesus Calling / Daniel Gerber
Quelle: Jesus Calling / gekürzte Übersetzung: Jesus.ch

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