Am Ende des Lebens

«Der Glaube trägt»

Für Berti Burkhardt (88) gehören Spannungen zum Leben. Gott hat die Heimleiterin nie im Stich gelassen; er steht ihr auch im Alter bei.
Berti Burkhardt

Das «Kronbühl» in Wittenbach bei St. Gallen war ein Heim für mehrfach behinderte Kinder mit privater Trägerschaft. Ich habe es 1951-79 geleitet. Lange Jahre hatten wir keinen Lift; wer nicht gehen konnte, den trugen wir die Treppe hoch. Wir sorgten für 40 bis 50 Kinder; gegen Ende meiner Zeit waren 30 im Rollstuhl. In der Schule machten wir kleine Gruppen, damit jedes auf seine Rechnung kam.

Spenden statt IV

Am Anfang hatte ich für 40 bis 45 Kinder 18 Angestellte. Bis 1960 blieben die Kinder das ganze Jahr bei uns. Damals gab es keine Invalidenversicherung. Wir mussten jährlich etwa 80‘000 Franken sammeln, um die Löhne zu zahlen. Frauen gingen von Tür zu Tür und baten um Spenden. Vor der IV-Finanzierung bauten solche Heime auf den Glauben der Betreiber. Die Löhne waren tief. Zwischen Limmat und Rhein gab es nur eine Handvoll Schulheime. Als die IV zu zahlen begann, konnte ich den Eltern zumuten, ihre Kinder in den Ferien nach Hause zu nehmen.

Feste

Feste gehörten zu den Höhepunkten. Jedes Jahr veranstalteten wir ein Herbstfest. Einmal führten wir den «Schellenursli» auf. Alle packten mit an und bereiteten eine Woche lang vor - eine grosse Freude für die Kinder.

Der Glaube hat mir viel geholfen. Ich traf mich mit gläubigen Mitarbeiterinnen morgens zum Beten. Einigen konnte ich manches anvertrauen, und sie beteten dafür. Ich hatte Freude an der Arbeit und wusste: Gott hat sie mir gegeben. Nie zweifelte ich daran, wollte nie aufgeben. Spannungen, Lasten und Anfechtungen gehören zum Leben. Ich war unverheiratet.

Überall, wo Leute zusammenwirken, gibt es Auseinandersetzungen. Doch wir hatten einen guten Geist im Haus - wie in einem Kibbuz*. Ich bin sehr dankbar dafür. Einige Beziehungen pflege ich heute noch. Kürzlich waren drei Ehemalige da.

Dankbar

Dass ich mit 88 noch geistig gesund bin, erfüllt mich mit grosser Dankbarkeit. Es ist erstens ein Gnadengeschenk Gottes. Auch Gläubige erkranken an Alzheimer. Stehe ich morgens auf, danke ich Gott zuerst für die Gesundheit und dass ich mich zu den anderen Pensionären begeben kann.

Was mich trägt? Der Glaube. Wenn ich Nöte und Anfechtungen habe, kann ich Gott vertrauen. Ich kann mich auf das Wort Gottes berufen, auf seine Zusagen in der Bibel. Als Christen wissen wir, was wir haben. Das ist ganz sicher. Ich habe mir eine Jahresbibel gekauft. 2010 will ich die ganze Bibel durchlesen. Es macht mich glücklich, sie zu lesen und mir Gedanken zu machen. Und es stärkt mich.

* ländliche Gemeinschaftssiedlungen in Israel mit gemeinsamem Eigentum

Datum: 29.03.2010
Autor: Peter Schmid
Quelle: Jesus.ch

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