Fortpflanzungsmedizingesetz

Professor der Uni-Klinik Bern warnt vor negativen Spätfolgen der PID

Am Sonntag stimmt das Schweizer Stimmvolk über den einfacheren Einsatz der Präimplantationsdiagnostik ab. Professor Urs Scherrer vom Inselspital Bern warnt vor Risiken. Die negativen Spätfolgen könnten zu wenig abgeschätzt werden. Jüngste Studien an der Universitätsklinik Bern zeigen, dass Kinder, die im Labor gezeugt wurden, besondere Risiken tragen, in ihrem späteren Leben an Herzkreislaufkrankheiten und Diabetes zu erkranken.

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Professor Urs Scherrer
Die Risiken für negative Spätfolgen könnten durch den flächendeckenden Einsatz der PID und des Social freezings verstärkt werden, wird Professor Urs Scherrer in einer Mitteilung des Komitees «Nein zu diesem FMedG» zitiert. «Die negativen Spätfolgen für die Gesundheit der betroffenen Kinder können wir heute zu wenig abschätzen», warnt der Kardiologe.

Gesundheitliche Folgen werden erst in Jahrzehnten sichtbar

Jüngste Studien von Scherrer und seinem Team am Inselspital Bern weisen auf mehrfache Risiken der künstlichen Befruchtung (assistierte Reproduktionsmedizin, ART) hin. So führt die ART zu einem gehäuften Auftreten von Schwangerschaftsvergiftung, Frühgeburten und niedrigem Geburtsgewicht – Komplikationen, die mit einem deutlich erhöhten Risiko für die betroffenen Kinder verbunden sind, im späteren Leben an Herzkreislauferkrankungen (Hypertonie, Herzinfarkt, Schlaganfall) oder Diabetes zu erkranken.

Ebenfalls führt die künstliche Befruchtung zu vorzeitiger Arteriosklerose, Insulinresistenz und einem erhöhten Risiko für bestimmte kindliche Krebsformen. Einige dieser Schädigungen können sogar an künftige Generationen weitervererbt werden.

Die Risikofaktoren können zwar bereits heute nachgewiesen werden. Die gesundheitlichen Spätfolgen für die betroffenen Personen werden jedoch wegen fehlender Langzeitstudien erst in 20 bis 30 Jahren sichtbar. «Zum heutigen Zeitpunkt erweist sich die unterstützte Reproduktions­medizin jedoch als ein wichtiger Risikofaktor für die langfristige Gesundheit mit möglicherweise erheblichen sozioökonomischen Folgen», so Prof. Scherrer.

«Flächendeckender Einsatz der PID schwer zu rechtfertigen»

«Wer das fundamen­tale medizinische Prinzip ernst nimmt, zukünftigen Kindern keinen Schaden zuzufügen, für den ist der flächendeckende Einsatz der PID zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu rechtfertigen», bilanziert Scherrer.

Scherrer fordert, dass die Medizin erst verstehen muss, wie die assistierte Reproduktionsmedizin die Merkmale des menschlichen Organismus verändert und wie sie das zukünftige Krankheits­risiko erhöht. Dann müssten die Verfahren entsprechend verbessert und ihre langfristige Sicherheit etabliert werden. «In der Zwischenzeit sollten wir die assistierte Reproduktionsmedizin und ihre erweiterten Verfahren wie die PID sparsam und zurückhaltend anwenden», plädiert Scherrer. Er empfiehlt daher ein klares Nein zum revidierten FMedG. 

Zur Webseite:
FMedG- Nein.ch
Reproduktionsmedizin: Gestresster Embryo 
Gast-Kommentar zur In-Vitro-Fertilisation: Die Natur austricksen
Botschaft des Bundesrats zum FMedG (7. Juni 2013)
Fortpflanzungsmedizin: «Do no harm!» - Stellungnahme von Prof. Urs Scherrer (S. 11)

Zum Thema:
FMedG-Abstimmung vom 5. Juni: Stellungnahme der SEA: «Ein Gesetz ohne Vernunft und Mass»
«Präinflationostik»: Kirchenbund lässt Kinder die PID erklären  
Referendum steht: Rund 60'000 Unterschriften gegen das FMedG eingereicht 
Wichtiges Abstimmungsthema: «Grenze zur Menschenzüchtung wird überschritten» 
Ethiker Frank Mathwig: «PID sollte verboten bleiben» 

Datum: 30.05.2016
Autor: Florian Wüthrich
Quelle: Livenet

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