«Echte Hoffnung vermitteln»

So können Christen auf Asylsuchende zugehen

Nach Europa strömen viele Asylanten mit christlichen Wurzeln. Das theologische Seminar ISTL und das Werk MSD ermutigen dazu, ihnen zu begegnen und darüber hinaus auch den Kontakt zu Muslimen zu suchen. Christoph Schum (ISTL) und Silvio Zanella (MSD) recherchierten bei einem Pastor in Süditalien, wie er dies in verschiedenen Zentren bereits lebt.
(ganz links) Christoph Schum vom ISTL, (Mitte) Flüchtlinge in Süditalien und (ganz rechts) Silvio Zanella vom MSD.
Silvio trifft Flüchtlinge
Hütte

«Auffallend ist, dass viele Asylbewerber keinen christlichen Hintergrund haben», beobachtete Christoph Schum vom Leitungsteam des theologischen Seminar ISTL. «Als Schweizer machten wir die Erfahrung, dass Menschen mit einer anderen Religion oft kein Interesse an Jesus haben. Wir dürfen diese Erfahrung nun aber nicht auf die Asylbewerber überwälzen.»

Sowohl bei seinem Besuch in Italien wie auch in anderen Fällen erkannte Schum: «Viele Muslime sind so enttäuscht von den Entwicklungen durch IS, Al-Schabab, Boko-Haram, Al Kaida und wie sie alle heissen, dass sie bereit sind, über alles nachzudenken. Dazu kommt, dass Jesus selbst Flüchtling war und mehrere Jahre in Ägypten lebte. Aus der Sicht eines Asylanten ist Jesus eine ernst zu nehmende Botschaft.» Dies weil er erstens selbst Asyl gesucht habe und zweitens echte Hoffnung vermitteln könne. «Zudem ist er Gottes Sohn und deshalb sowieso prädestiniert, eine Antwort zu geben», ergänzt Schum und verweist dabei auf Johannes, Kapitel 14, Vers 6: «Niemand kommt zum Vater denn durch mich.»

Interesse am Erleben

Auch in Sizilien interessierte sich selten ein Muslim für eine theologische Abhandlung. «Aber die meisten hatten grosses Interesse zu hören, wie wir Jesus als Erretter, Erlöser und als Gott erleben.»

Christoph Schum erinnert sich an einen Austausch: «Ich sprach mit einem Algerier, der als Asylsuchender kam und heute als Übersetzer arbeitet. Er ist Muslim. In den Gottesdienst wollte er nicht kommen. Wir dachten, dass er nichts von Gott wissen wollte. Wir sprachen länger mit ihm über das Leben und die Kultur. Wir erzählten, wie wir Gott erleben und dass wir Nachfolger von Jesus sind. Weiter erzählten wir, dass wir manchmal in Hauskreisen darüber nachdenken und in der Bibel lesen. Und das faszinierte ihn, er zeigte Interesse. Wäre uns dies in Zürich widerfahren, hätten wir diesen Mann gleich zu uns in den Hauskreis einladen können.»

Gute Beziehungen möglich

Es ist möglich, mit Asylbewerbern ein gutes Beziehungsnetz zu haben. Solchen, die an Gott glauben, kann man helfen, in einer Kleingruppe Fuss zu fassen. «Und Personen, die ihn noch nicht kennen, haben durchaus Interesse daran, zu hören, was wir mit Gott erleben und wer Jesus ist. Dafür braucht es ein Herz, das bereit ist, Hilfsgüter zu schenken oder sie einzuladen. Und es braucht Mut, zu erzählen, was wir mit Jesus erleben», erklärt Christoph Schum.

In Süditalien mit dabei war Silvio Zanella, der bei «MSD Schweiz» für die evangelistischen Einsätze verantwortlich ist. «Ich habe Flüchtlinge sehr auf dem Herzen», so Zanella. «Es war sehr inspirierend. Sizilien ist für Tausende die Türe zu Europa. In dem Moment, wo sie kommen, sind sie offen für das Evangelium. Je länger sie da sind, desto schwieriger könnte es werden. Ich denke, es hat für sie eine grosse Kraft, wenn sie noch frisch in der für sie neuen Welt sind.»

Raus aus der Sackgasse

Womöglich kann die Problematik nicht gelöst werden, «aber wir haben die Aufgabe, ihnen die Botschaft zu bringen. Es ist eine Chance, für die europäischen Kirchen, zusammenzukommen und mit vereinten Kräften das Evangelium weiterzugeben.»

Laut Silvio Zanella merkt man die Hoffnungslosigkeit, die manche haben. «Sie kommen mit grossen Träumen und denken, dass alles gut wird. Ich hatte viele Gespräche mit solchen, die seit Jahren da sind. Am liebsten würden sie zurückgehen, aber sie können nicht.» Sie sind hier, um Geld heimzusenden. «Die Träume und Hoffnungen waren da, aber solange sie Geld senden, wird dieser Strom nie aufhören. Diese Problematik ist eine endlose Spirale», beobachtete Zanella. «Die Politik wird da nie eine Lösung haben, deshalb ist es wichtig, als Christen die wahre Hoffnung zu vermitteln.»

Über ISTL
Das theologische Seminar ISTL (International Seminary of Theology and Leadership) bildet eine neue Generation von Pastoren, Jugendpastoren, Evangelisten und Missionaren aus. Solides theologisches Arbeiten, gelebter Glaube und die Dringlichkeit der Evangelisation bilden unverzichtbare Werte im Studium. ISTL feiert zurzeit das 10 jährige Jubiläum mit dem Leitgedanken: 10 Jahr Innovation – sind nicht genug.

Zur Webseite:
Webseite ISTL
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Missionswerk msd

Zum Thema:
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ISTL-Einsatz in Süditalien: Wäre Jesus heute öfter im Asylzentrum? 
Aktion 3,16: Mit kreativen Aktivitäten auf Johannes 3,16 hinweisen
ISTL-Studientag: Gemeindeleiter sind Kulturarchitekten

Datum: 07.07.2016
Autor: Daniel Gerber
Quelle: Livenet

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