Talk zur Brandkatastrophe

Irmela Moser: «Jetzt müssen wir alles geben, was wir haben»

Irmela Moser im Livenet-Talk
An der Tragödie von Crans-Montana war das Care Team des Kantons Bern mit acht Personen im Akut-Einsatz. Die Leiterin, Pfr. Irmela Moser, erzählt, wie ihr Team die Situation erlebt hat und zeigt auf, was für uns im Umgang mit Betroffenen wichtig ist.

«Es war eine ganz traurige, traurige Geschichte!» Irmela Moser hat schon einiges an Katastrophen miterlebt, aber die hier geht ihr sichtlich an die Emotionen. Ihr Care Team war ab Freitag in Crans-Montana im Einsatz: «Hier geht es nicht um Leben oder Tod, sondern darum, wie die Menschen eine solche Tragödie verarbeiten können.» Care Teams werden für die «psychosoziale Notfallversorgung» in der Akutphase nach einem Ereignis aufgeboten.

Hätte ich mehr machen können?

In Crans-Montana wurde ein zentraler Anlaufpunkt eingerichtet. Das Care Team kümmerte sich um Personen, die dem Feuer-Inferno entkommen konnten. «Hätte ich mehr machen, mehr retten können?» ist eine häufige Frage, die sie hören mussten – «eine normale Reaktion», so Irmela Moser: «Man reagiert mit allem, was man hat und kann. Adrenalin ist da und man sagt sich `Ich muss mehr machen`, aber das passt nicht mehr zur Realität.» Menschen verarbeiten solche Extrem-Ereignisse ganz unterschiedlich, so Moser: Die einen müssen reden, die anderen ziehen sich zurück. Wichtig bei der Verarbeitung sei auch das Umfeld: Familie, Jugendgruppen – Gemeinschaft sei besser als dass man allein ist. Auch von den Medien erwartet sie, dass sie berichten, informieren, Mitgefühl wecken – aber dann auch mal Ruhe geben.

«Langzeit-Verarbeitung kommt erst noch»

Moser ruft dazu auf, dass man, soweit möglich, zwei Dinge, auseinanderhält: die Trauer um das Geschehen – und die Aufarbeitung, einschliesslich der Schuldfrage. «Hier gilt die Unschuldsvermutung. Wir haben die Aufarbeitung delegiert; vertrauen wir den juristischen Organen und richten wir nicht!»

Wichtig in der Verarbeitung sei die Bereitschaft, zuzuhören und mit den Betroffenen innerlich Schritte zu gehen. Und zwar nicht nur jetzt, sondern vielleicht für lange Zeit, besonders wenn es um die Begleitung Betroffener gehe. «Einige Opfer werden ihr Leben lang dran sein. Die Langzeit-Verarbeitung kommt erst noch auf uns zu.»

Glaube als wichtige Ressource

Die Care Teams arbeiten weltanschaulich neutral, aber Moser macht deutlich: Das Gebet und der Glaube sind eine wichtige Ressource, so ein Geschehen zu verarbeiten. «Vor allem ein reifer Glaube, der weiss, dass Gott trotzdem da ist.» Moser weiter: «Unser Glaube ist auch gemeinschaftlicher Glaube, er bettet mich ein. Mein Leid kann mitgetragen werden.» Der Hinweis von Bundesrat Parmelin auf das Gebet war für sie ein «starker Moment: Er zeigt, dass die Schweiz noch ein christliches Land ist, in dem die Werte tief verankert sind – nicht gegen andere, sondern inklusiv.»

Die Arbeit der Care Teams selbst ist im christlichen Weltbild verankert. Ein Auszug aus dem offiziellen Jahresbericht 2024: «Was ist das Fundament des Care Teams? Das Fundament besteht aus Solidarität, Begegnung und Präsenz in den dunklen Momenten des Lebens.  Diese drei bilden die Grundwerte des Care Teams. Sie sind gleichsam ein Echo auf das Gesetz Christi, das vielmehr eine Aufforderung zur Liebe ist. Jesus macht es zum Mittelpunkt unserer Fähigkeiten und Fertigkeiten: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.»

Talk-Moderator Flo Wüthrich weist auf den nationalen Tag der Trauer am 9. Januar hin, wo um 14 Uhr die Glocken läuten und die Kirchen und Freikirchen offen sind. Dieser Tag könnte für das Care Team auch der Zeitpunkt sein, wo die «Akutphase» abgeschlossen und ihre Arbeit damit im Grossen und Ganzen beendet ist, findet Irmela Moser zum Abschluss.

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Datum: 08.01.2026
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet

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