«Zahl wird sprunghaft ansteigen»

Praktische Schritte gegen Menschenhandel an der Grenze

Die meisten der Flüchtenden aus der Ukraine sind Frauen und Kinder, die einem erhöhten Risiko von Gewalt, Ausbeutung und Missbrauch ausgesetzt sind. Christliche Organisationen treten aktiv dagegen an.
Ukrainische Flüchtlinge kommen in Berlin an.

Nach der bereits vierwöchigen russischen Invasion in der Ukraine sind bisher über drei Millionen Menschen aus dem Land geflohen. Laut UN-Generalsekretär Antonio Guterres «ist der Krieg für Räuber und Menschenhändler keine Tragödie. Er ist eine Gelegenheit. Und Frauen und Kinder sind das Ziel. Sie brauchen bei jedem Schritt Sicherheit und Unterstützung.»

Lauren Agnew, Referentin für Menschenhandel bei der christlichen Hilfsorganisation CARE, stimmt zu, dass «diese Banden die Unsicherheit der Flüchtlinge ausnutzen und der Krieg für sie eine Geschäftsmöglichkeit ist, um Profit zu machen und Menschen nach Europa zu bringen». Und sie warnt: «Im Laufe der Zeit wird die Zahl der Flüchtlinge, die von Menschenhändlern ausgebeutet werden, in kriminelle Banden verwickelt sind oder Zwangsarbeit und häusliche Sklaverei leisten müssen, sprunghaft ansteigen.»

«Menschenhandel versteckt sich hinter einem freundlichen Gesicht»

Das European Freedom Network (EFN) ist eine christliche Organisation, die in enger Zusammenarbeit mit der Europäischen Evangelischen Allianz gegen Menschenhandel und kommerzielle Ausbeutung in Europa kämpft. Das EFN hat einige praktische Empfehlungen veröffentlicht, um Flüchtlinge, die die Grenzen überqueren, vor den Taktiken der Menschenhändler zu warnen.

«Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass nicht jeder, dem Sie begegnen, ehrlich ist. Menschenhandel versteckt sich hinter einem freundlichen Gesicht und macht Menschen in prekären Situationen und Umständen falsche Versprechungen», betont das EFN auf seiner Webseite.

Praktische Empfehlungen gegen die Taktiken von Menschenhändlern

Diese praktischen Tipps gibt das EFN auf Flugblättern, die auf Ukrainisch, Ungarisch, Polnisch, Russisch und Slowakisch an der Grenze verteilt werden und die den Flüchtlingen helfen sollen, sicher zu bleiben:

  • Schützen Sie Ihren Ausweis und geben Sie niemandem Ihre Dokumente, auch nicht zur sicheren Aufbewahrung.

  • Geben Sie niemandem Ihr persönliches Telefon.

  • Lassen Sie sich, wo immer Sie sind, in den Datenbanken der örtlichen Behörden oder Organisationen registrieren.

  • Wenn Sie mit jemandem reisen, den Sie nicht kennen, machen Sie ein Foto von der Person und dem Fahrzeug und schicken Sie es an eine Person Ihres Vertrauens.

  • Wenn Sie sich für eine andere als die von NROs, Kirchen oder Vereinen bereitgestellte Unterkunft entscheiden, informieren Sie unbedingt die örtlichen Behörden und teilen Sie ihnen mit, wo Sie unterkommen werden.

  • Im Falle eines Notfalls, einer verdächtigen Person oder eines Problems benachrichtigen Sie sofort die nächste Polizeistation oder die örtlichen Behörden.

Zusätzlich zu diesen Empfehlungen enthalten die Flugblätter Informationen, Webseiten und Telefonnummern für die jeweiligen Länder, wo sich Flüchtlinge registrieren lassen sollten; damit hilft das EFN denen, die an den Grenzen arbeiten oder Flüchtende transportieren und unterbringen, damit sie betreut und vor Menschenhändlern geschützt werden.

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Datum: 24.03.2022
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Evangelical Focus / European Freedom Network

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