Angst vor Eskalation

Religiöse und zivile Leiter rufen zum Frieden auf

Die Tigray Orthodox Tewahedo Church bezeichnete den Verlust von Menschenleben als unerträglich
Religiöse und zivilgesellschaftliche Leiter in Äthiopiens Region Tigray haben angesichts von Zusammenstössen in Teilen der nördlichen Region einen dringenden Friedensappell veröffentlicht und vor einer erneuten humanitären Krise gewarnt.

Der Appell fordert alle Konfliktparteien auf, die Feindseligkeiten unverzüglich einzustellen und den Dialog zu suchen, um weiteres Leid für die Zivilbevölkerung zu verhindern. Die «Tigray Orthodox Tewahedo Church» bezeichnete gemeinsam mit anderen Glaubensvertretern den Verlust von Menschenleben als unerträglich und erklärte: «Das Töten von Brüdern durch Brüder muss aufhören.»

Auch das «Tigray Public Diplomacy Forum» rief zur Rückkehr an den Verhandlungstisch auf und betonte, dass Differenzen durch Dialog und nicht durch Gewalt gelöst werden sollten.

Konflikt noch nicht zu Ende

«Der Weg des Friedens, der im Dialog und im gegenseitigen Respekt verwurzelt ist, ist die einzige Option, die unser Volk und unsere Zukunft schützt», erklärte das Forum in einer Botschaft, die an einen früheren Friedensaufruf vom 1. Februar anknüpfte.

Die jüngsten Appelle erfolgen vor dem Hintergrund von Berichten über sporadische Kämpfe in Teilen der Region Tigray. Obwohl es Anzeichen einer relativen Stabilisierung in südlichen Distrikten gibt, halten die Konflikte andernorts an und tragen zu Unsicherheit sowie humanitären Sorgen bei.

Ziel: Ende der Feindseligkeiten

Die Region, die von 2020 bis 2022 einen verheerenden Krieg zwischen den äthiopischen Bundeskräften und der «Tigray People’s Liberation Front» (TPLF) erlebte, sollte gemäss dem im November 2022 unterzeichneten Pretoria-Friedensabkommen befriedet werden. Ziel dieses Abkommens war eine dauerhafte Einstellung der Feindseligkeiten. Politische Meinungsverschiedenheiten und sporadische Gewalt bedrohen jedoch weiterhin die Stabilität.

Die erneuten Aufrufe zur Zurückhaltung erfolgen, nachdem der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Volker Türk, gewarnt hatte, dass Zusammenstösse zwischen der «Ethiopian National Defence Force» (ENDF) und den «Tigray Security Forces» (TSF) die humanitäre Krise, von der bereits Millionen Zivilisten betroffen sind, verschärfen könnten.

Das Erreichte nicht zunichtemachen

Humanitäre Organisationen äusserten Besorgnis darüber, dass eine Rückkehr zu einem umfassenden Konflikt die Lage einer Bevölkerung weiter verschlechtern könnte, die bereits mit Vertreibung, Ernährungsunsicherheit und unterbrochenen Versorgungsleistungen infolge jahrelanger Kämpfe umgehen müssen.

Die genauen Opferzahlen der jüngsten Gefechte sind nicht unabhängig bestätigt, doch Beobachter betonen, dass selbst begrenzte Kämpfe verheerende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung haben können.

Der erneute Friedensappell spiegelt umfassendere Bemühungen von Akteuren der Zivilgesellschaft in Tigray wider, eine Rückkehr zu grossflächiger Gewalt zu verhindern. Religiöse und zivile Organisationen haben wiederholt zum Dialog statt zum Konflikt aufgerufen. 

Vertreter der Gemeinschaft warnen, dass anhaltende Kämpfe hart erarbeitete Fortschritte früherer Friedensinitiativen – darunter lokale Versöhnungsprozesse und Dialoge unter Beteiligung von Ältesten und regionalen Vertretern – zunichte machen könnten. «Frieden kann nicht mit Gewalt aufgezwungen werden», heisst es in der Erklärung. «Er muss von den Menschen mit Mut, Mitgefühl und gegenseitigem Respekt gewählt werden.»

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Datum: 08.03.2026
Autor: Vincent Matinde / Daniel Gerber
Quelle: Christian Daily International / gekürzte Übersetzung von Livenet

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