Eidgenössische Besinnung in Bern

Chouchepain Chabloz
Simon Estes
Prominententisch

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Bern, 20 März 2003 - Am Morgen hatte Bundespräsident Pascal Couchepin zur Vereinigten Bundesversammlung gesprochen und das irakische Regime als mitverantwortlich für die Feindseligkeiten bezeichnet. Durch Massen von protestierenden Schülern kam er am Mittag zur Eidgenössischen Besinnung in den Kursaal. Zur Besinnung, die einmal im Jahr von der christlichen Parlamentariergruppe veranstaltet wird, fanden sich 25 National- und Ständeräte und Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Kultur, Kirchen und Medien ein.

In seinem knappen Grusswort betonte Bundespräsident Couchepin mit Verweis auf die Jugendlichen in der Stadt, dass Friede nicht der einzige Wert sei. Im Blick auf das ethische Thema der Forschung am Menschen, das im Mittelpunkt der Veranstaltung stand, sagte der FDP-Mann, im Dialog, der andere Meinungen respektiere, seien Lösungen zu suchen. Der welsche Bundeshausseelsorger Jean-Claude Chabloz überreichte dem Bundespräsidenten zum Jahr der Bibel ein Exemplar der Heiligen Schrift.

Der weltbekannte Opernsänger Simon Estes trug zur Umrahmung der Veranstaltung im Kursaal Gospelsongs vor. Im Zentrum stand ein Vortrag der Zürcher Medizinethikerin Ruth Baumann-Hölzle vom ‚Institut Dialog Ethik' zum Wert des menschlichen Lebens. Ruth Baumann-Hölzle erkennt im kürzlichen Ja des Ständerats zur Stammzellenforschung (mit Vernichtung von Embryonen) einen Paradigmenwechsel. Dadurch werde menschliches Leben dem Nutzdenken unterworfen. (Eine Zusammenfassung des Vortrags folgt im nächsten Artikel; die ausführliche Fassung des Vortrags dokumentiert Livenet in den nächsten Tagen.)

Der Luzerner SP-Nationalrat Hans Widmer verglich die Forderungen des modernen Fortschrittsglaubens in einem kühnen Bogen mit denen der aztekischen Götter: Auch sie forderten Menschenopfer Nahrung. Mit Verweis auf Bert Brecht sagte Widmer, der Wert des Menschen sei allzuoft der Wert, der sich aus ihm herausholen lasse. Der Luzerner Politiker aktualisierte das Wort von Jesus, der Mensch sei nicht für den Sabbat geschaffen, sondern der Sabbat für den Menschen gemacht: So sei auch die Forschung auf den Menschen auszurichten und nicht der Mensch den Verheissungen der Wissenschaft zu unterwerfen.

Darauf schilderte die Zürcher Ärztin Heidi Wolf, was sie als Mutter eines mongoloiden Kindes an Gutem erlebt hat. Heute würden Föten, an denen man das Down-Syndrom feststelle, regelmässig abgetrieben, sagte sie. Die Tessiner Nationalrätin Chiara Simoneschi-Cortesi (CVP) setzte sich in einem engagierten Votum für die Menschenwürde ein. Der Schaffhauser FDP-Ständerat Peter Briner sprach sich gegen Verbote aus und meinte, Vorgaben, die sich an Werten orientierten, würden weitertragen.

Nach einem gesprochenen ‚Unser Vater' (Simon Estes hatte die Veranstaltung an diesem sonnigen, doch vom Kriegsbeginn überschatteten Tag mit einer gesungenen Fassung eröffnet) bat der orthodoxe Metropolit Damaskinos um den Segen für die Anwesenden.

Datum: 21.03.2003
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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