«Single Bells»

Weihnachten – für Alleinstehende gar nicht so einfach!

Immer mehr Menschen betrachten sich selbst als Singles. Doch besonders an Weihnachten haben Kirchen und Gemeinden sie kaum auf dem Schirm. Dann dreht sich scheinbar alles um Familien.
Ein Mann allein an Weihnachten

Immer mehr Menschen betrachten sich selbst als Singles. Doch besonders an Weihnachten haben Kirchen und Gemeinden sie kaum auf dem Schirm. Dann dreht sich scheinbar alles um Familien.

«Zusammen ist man weniger allein» heisst ein Buch bzw. Film aus Frankreich. Darin raufen sich ein paar skurrile Personen zusammen und finden am Schluss ihr grosses oder kleines Glück. Doch das ist in der realen Weihnachtszeit gar nicht so leicht. Soll Carina (57) sich auch dieses Jahr wieder bei ihren Eltern einladen, so wie die letzten Jahre nach dem Tod ihres Mannes? Basti (25) lebt zwar in einer WG, doch die ist an Weihnachten bis auf den Studenten leer. Jörg (43) ist Krankenpfleger und arbeitet über die Feiertage in Hamburg, seine Familie wohnt in Köln. Heimfahren lohnt sich nicht. Betty (36) ist alleinerziehende Mutter von zwei lebendigen Kleinkindern. Allein ist sie über die Feiertage bestimmt nicht, aber vielleicht einsam. Wie kann Kirche all diesen verschiedenen Menschen begegnen, die als gemeinsamen Nenner haben, dass sie Singles sind?

Eine vielfältige Gruppe

Statistisch sind Singles schwer zu fassen, denn wer sich beim Zählen nur auf Unverheiratete und Geschiedene beschränkt, greift zu kurz. Manche Paare wohnen getrennt in ihren eigenen Wohnungen, dafür werden Alleinerziehende in der Regel zu den Familien gezählt – das passt also vorne und hinten nicht. Tatsache ist jedoch, dass die Zahl der Alleinstehenden genauso wie die der Menschen, die sich selbst als Singles empfinden, permanent ansteigt. Momentan liegt sie je nach Region in Deutschland oder der Schweiz bei 50 Prozent. Und so vielfältig wie die Singles sind auch ihre Wünsche, Vorstellungen und Hoffnungen.

Allein ist nicht unbedingt einsam

Es ist eine Binsenweisheit, dass nicht alle, die allein sind, sich dabei einsam fühlen. Andersherum leiden manche Familienmenschen gerade über die Feiertage an ihren Angehörigen, denen sie sich kaum entziehen können. Manch eine Station im Krankenhaus ist deshalb an Weihnachten extra gut besetzt. «Ich muss leider arbeiten», kann auch eine willkommene Ausrede sein. Allerdings ist das aufs Ganze gesehen sicher die Ausnahme. Feiertage und gerade die Tage über Weihnachten gehören traditionell zu den Zeiten, wo die meisten Menschen Anschluss und Gemeinschaft suchen. Oder wo sie sich bewusstwerden, dass dieser Anschluss nicht automatisch da ist.

Mal etwas Neues ausprobieren

Wer selbstverständlich in den Kreis seiner Familie eintaucht, der hat hier leicht reden: «Die Singles können doch einfach etwas zusammen unternehmen.» Klar, das tun auch schon viele. Doch es bleibt die Schwierigkeit, dass alles geplant werden muss. Hier können Kirchen und Gemeinden hilfreich einspringen, indem sie Angebote bereithalten – am besten von und nicht für Singles.

  • Was in Pandemiezeiten, wo nicht beliebig viele Haushalte zusammenkommen können, für viele schon normal geworden ist, sind Online-Treffen. Vom gemeinsamen Kochen übers Essen bis hin zum gemütlichen Plausch lässt sich auch über Zoom, Skype & Co Freundschaft leben und Nähe erfahren.
  • Eine gute Möglichkeit ist auch das Engagement für andere, zum Beispiel mit einer Weihnachtsfeier für Obdachlose oder ein Besuch im Gefängnis.
  • Wo steht übrigens geschrieben, dass Singles warten müssen, bis man sie einlädt. Viele Familien – gerade mit älteren Kindern oder ohne – lassen sich auch gern einladen.

Ein Patentrezept kann es nicht geben. Aber die Botschaft von Weihnachten ist schliesslich, dass es Gott vor Sehnsucht nach den Menschen nicht im Himmel gehalten hat. Wenn Menschen heute eine ähnliche Energie und Fantasie aufbringen, um Wege zueinander zu finden – damit zum Beispiel Singles die Feiertage positiv erleben können –, dann finden sich gangbare Wege für Menschen wie Carina, Basti, Jörg, Betty und viele andere.

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Datum: 13.12.2021
Autor: Hauke Burgarth
Quelle: Livenet

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