Mehr Pfunde, weniger Dollars: Alarmierende Fettleibigkeit in den USA

In den USA ist der Anteil der normalgewichtigen Baby Boomers innert zwanzig Jahren auf die Hälfte abgesackt: von über 70 auf etwa 36 Prozent. Die Zahl der Übergewichtigen und Fettleibigen in dieser Generation ist dagegen explodiert. Eine Studie zeigt den Zusammenhang mit Einkommens- und Vermögensverhältnissen auf.

Im Jahr 1981 machten Übergewichtige und Fettleibige in den USA noch einen Fünftel aus, 2000 bereits zwei Drittel! Jay L. Zagorsky von der Ohio State University hat das Datenmaterial zu jungen Baby Boomers (um 1960 geboren) analysiert und gezeigt, dass Schwarze und Hispanics deutlich überproportional Übergewicht zulegten.

Insgesamt war im Jahr 2000 jeder vierte Baby Boomer fettleibig; er weist einen BMI-Wert über 30 auf. Für den Body Mass Index wird das Gewicht durch die Körpergrösse (m) im Quadrat geteilt. Übergewichtig (BMI über 25) waren weitere 37 Prozent!

Dramatische Vermögensunterschiede

Das Durchschnittsvermögen der Fettleibigen ist bloss halb so gross wie das der normalgewichtigen Babyboomer. Allerdings rührt dies nicht von den Ausgaben für Food her: Normalgewichtige geben für Nahrungsmittel nämlich etwas mehr aus als Übergewichtige – sie achten offensichtlich auf ihre Güte.

Zagorsky zeigt in seiner statistischen Studie, die in einer Fachzeitschrift übers Altern erschien, dass mit zunehmendem Alter die höheren Vermögen sich bei tieferem BMI einstellen. 1985 lag das höchste Durchschnittsvermögen bei den Babyboomern mit einem BMI von 22. Fünfzehn Jahre später hatten jene mit BMI 17 am meisten auf der hohen Kante. Nicht nur Fettleibige, sondern auch Übergewichtige fallen deutlich ab.

Auf dem Arbeitsmarkt im Nachteil

Übergewichtige haben zudem mehr Mühe, auf dem Arbeitsmarkt zu reüssieren und gutbezahlte Stellen zu finden. Zagorsky rechnet vor, dass Frauen mit jedem zusätzlichen BMI-Punkt pro Jahr durchschnittlich 313 Dollar weniger verdienen, Männer 161 Dollar.

Und er meint berechnet zu haben, dass mit jedem BMI-Punkt das Vermögen (net worth) im Schnitt 1000 Dollar tiefer liegt. Ob allerdings reicher wird, wer viel abnimmt (wie die deutsche Ärztezeitung online die Studie auf den Punkt brachte), darf man bezweifeln.

Übergewichtige erben weniger

Selbst überrascht scheint der Forscher von den Zahlen zu sein, welche Vermögensunterschiede primär aufs Erben zurückführen: Nach den verfügbaren Zahlen erben Unter- und Normalgewichtige deutlich häufiger und mehr. (So umfangreich das US-Datenmaterial ist – das Gewicht der Eltern erfasst es nicht.)

Zagorsky hält fest, dass Übergewicht nicht nur die Gesundheit schädigt, sondern auch dem persönlichen Wohlstand abträglich ist. „Junge Baby Boomers scheinen nicht nur die Gene ihrer Eltern zu empfangen, sondern auch ihren Reichtum.“

Die Studie in der Zeitschrift ‚Research on Aging’
http://roa.sagepub.com/cgi/reprint/26/1/130

Quelle: Livenet / ROA

Datum: 11.07.2005
Autor: Peter Schmid

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