Pfingsten

Der Heilige Geist – die grosse Unbekannte?

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Fünfzig Tage nach Ostern und zehn Tage nach Auffahrt feiert die Kirche das Pfingstfest. Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche. An Pfingsten geht es um den Geist Gottes, der auch als «Wind Gottes» bezeichnet wird. Wer ist das? Kann man ihn spüren oder hören oder verstehen?

Vom Geist Gottes ist schon bei der Schöpfung die Rede. Er schwebte über der noch wüsten Erde wie ein brütender Vogel. Er wird hebräisch «ruach elohim» genannt und ist weiblich. «Elohim» heisst Gott, «ruach» Hauch, Atem, Wind, vom leisen Lüftchen bis zum heftigen Sturmwind. Das schliesst Dynamik und Urgewalt ein. Das Tätigkeitswort dazu bedeutet: luftig, geräumig, weit sein. Für mich heisst es: Es wird mir weit, ich bekomme Erleichterung. Im Alten Testament befähigt «ruach» einzelne Menschen, im Auftrag Gottes für das Volk Israel zu handeln, Feinde zu vertreiben, zu regieren, Worte Gottes zu sagen und handwerkliche Tätigkeiten durchzuführen.

Da wird etwas bewegt

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«Ruach» wird sich auch auf den erwarteten Retter legen: «Auf ihm wird der Geist der Herrn ruhen, der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist des Wissens und der Furcht des Herrn. Und er wird nicht richten nach dem, was seine Augen sehen, und nicht entscheiden nach dem, was seine Ohren hören: Den Machtlosen wird er Recht verschaffen in Gerechtigkeit, und für die Elenden im Land wird er einstehen in Geradheit» (Jesaja, Kapitel 11, Verse 2-4).

Das wird der Heilige Geist durch Jesus und nach Pfingsten durch uns tun. Das haben Menschen ohne Gott ereichen wollen. Wie viele politische Systeme haben das Paradies auf Erden versprochen! Wie viele Beziehungen werden mit grossen Erwartungen begonnen und scheitern. Da kann man resignieren, oder aber um diesen Geist bitten. Er gibt das, was wir brauchen, für uns und andere. Als Jesus getauft wird, kommt der Geist wie eine Taube auf ihn. Er leitet ihn in all seinem tun. Wenn Jesus handelt, müssen Krankheit und Tod weichen. Wenn er spricht, gehorchen ihm Wind und Wellen. Man spürt die Kraft der «ruach elohim».

Erst als Jesus sich freiwillig in die Hand seiner Feinde gibt, können sie ihn wie geplant töten. Aber der Tod kann ihn nicht halten. Jesus lebt! Vierzig Tage erscheint er immer wieder den Menschen, die ihn als Messias erkannt haben, erklärt ihnen alles. Dann kehrt er zurück in den Himmel.

Aber er lässt sie nicht allein. 120 Frauen und Männer müssen noch zehn Tage erwartungsvoll warten. Da kommt der Heilige Geist auf sie, sichtbar durch feurige Zungen.

Plötzlich so unerschrocken!

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Er macht aus zaghaften Menschen begeisterte, unerschrockene Zeugen für Jesus und seine Erlösung. Er setzt sie in Bewegung, gibt ihnen Kraft und verschiedene Begabungen zum Aufbau der Gemeinde. Er lässt die Frucht des Geistes, die Liebe, wachsen. Und er führt in die Freiheit. Das ist das Überraschende: Die feste Bindung an Gottes Geist durch Jesus Christus macht frei! Es ist Freiheit, verbunden mit Liebe.

Pfingsten ist die Geburtsstunde der Kirche: Das sind Menschen, die Jesus als Herrn und Gott erkannt haben. Sie finden durch den Geist Gottes zu ihrer Persönlichkeit und zu ihrer Berufung. Sie lernen, im Hören auf diesen Geist das Wort Gottes zu verstehen und entsprechend zu handeln. Um diesen Geist kann man Gott bitten, und man kann sich immer wieder von ihm erfüllen lassen. Dann kann er die Gemeinde gestalten, Verhältnisse ändern, neue Hoffnung geben. Lassen Sie sich davon anstecken!

Zum Thema:
Dossier Heiliger Geist
Pfingsten: Warum wir den Heiligen Geist brauchen
Glaube ganz praktisch: Wie man vom Heiligen Geist erfüllt wird
Pfingsten: Fünf verdrehte Sichtweisen auf den Heiligen Geist

Datum: 04.06.2017
Autor: Dagmar Rohrbach
Quelle: Sonntagsblatt des «Berner Oberländer»

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