Ökumene der Märtyrer

Christen und Jesiden entdecken Gemeinsamkeiten

Es ist längst aufgefallen, dass Jesiden in Syrien und Irak ebenso heftig vom IS bekämpft werden wie die Christen. Bei allen Unterschieden gibt es zwischen den beiden Religionen auch Gemeinsamkeiten. Ein Grund, dass Jesiden in Europa bereits den Kontakt zu Kirchgemeinden suchten.

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Evangelischer Gottesdienst mit Jesiden in Senden (Nordrhein-Westfalen)
Die Jesiden seien wie die Drusen und Mandäer eine der drei nahöstlichen Mischreligionen mit altorientalischen, frühchristlichen und islamischen Elementen, wie der Orientalist und Publizist Heinz Gstrein auf Anfrage feststellt. Zur Verwandtschaft mit dem Christentum schreibt er: «Bei den Jesiden finden sich auch Spuren von Einflüssen des ostsyrischen Christentums, so die Anschauung von einem 'Seelenschlaf' zwischen Tod und Jüngstem Gericht oder die Siebenzahl der Mysterien (Sakramente).» Manche Religionswissenschafter stellten die Jesiden daher in ihrem Verhältnis zur Kirche auf eine ähnliche Stufe mit Mormonen oder Zeugen Jehovas. In Kurdistan habe es in den 1890er-Jahren auch enge Kontakte zu den aramäischen Christen gegeben.

Unerwartete Solidarität eines griechisch-orthodoxen Bischofs

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Der Bischof von Serres legt selbst Hand an bei der Übergabe von Lebensmitteln an gestrandete Jesiden.
Andererseits teilen die Jesiden das Schicksal muslimischer und christlicher Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien, die in Griechenland gestrandet sind. Hier zeigt nun die orthodoxe Kirche eine besondere Solidarität gegenüber den hier blockierten rund 500 Jesiden, die sich vor einer Rückführung in die Türkei Erdogans fürchten. Gstrein hat dazu recherchiert: «Nach der Auflösung des Grenz-Lagers Idomeni Ende Mai wanderten die Jesiden – meist Frauen und Kinder sowie junge Männer – von einem griechischen Zwischenlager zum anderen. Erst am 4. August wurden sie endgültig in einem ehemaligen Tabaklager südlich von Serres im griechischen Mazedonien untergebracht. Da es ihnen auch dort weiter am Nötigsten fehlte, ergriff Metropolit (=Bischof) Theologos Apostolides von Serres die Initiative. Persönlich brachte er mit seinen Helfern Lebensmittel, hygienische Produkte und vor allem Trinkwasser zu den Jesiden. Und er stellte ihre weitere tägliche Versorgung durch die 'Apostolische Diakonie' seines Bistums sicher. Im lokalen Fernsehen sagte er dazu: 'Die Stunde ist gekommen zu beweisen, dass wir wahrhaft Christen sind!'»

Die Jesiden und ihr Hintergrund

Zum Hintergrund und zur Geschichte der Jesiden schreibt der Orientwissenschafter Gstrein: «Die Jesiden sind ihrer Herkunft nach Kurden, die ihre alte, vorislamische zarathustrische Religion bewahrt haben. Diese war durch den Gegensatz eines Lichtgottes und des bösen Herrschers der Finsternis gekennzeichnet. Dieser 'Dualismus' wurde später unter dem Einfluss der islamischen Mystik monotheistisch zu einem allmächtigen Gott und seinem Widersacher als dem gefallenen Engel 'Melek Taus' (Engel Pfau) gewandelt.

Die Jesiden lehnen jede Bekehrung Andersgläubiger ab, als Jesidi wird man nur von einer jesidischen Mutter geboren. Kontakte zwischen amerikanischen und Schweizer Missionaren des 19. Jahrhunderts und den Jesiden im Osmanischen und Persischen Reich haben daher auch zu keinen Bekehrungen geführt, sehr wohl aber zur Bekanntmachung ihrer Glaubenswelt und ihres religiösen Brauchtums beigetragen. Die Jesiden waren immer wieder Verfolgungen durch ihre islamische Umwelt ausgesetzt, besonders im 19. Jahrhundert und jetzt wieder durch den Islamischen Staat (IS)».

Auf der Suche nach Kontakten

Als Flüchtlinge in Europa suchten einige Jesiden jetzt Kontakt zu christlichen, besonders evangelischen Gemeinden, zum Beispiel im westfälischen Senden. Dort finden sogar gemeinsame Wortgottesdienste mit Einbezug jesidischer Gebete und mit Fürbitten für die verfolgten Christen und Jesiden im Irak statt.

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Datum: 13.08.2016
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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