NT-Wörterbuch

Apostel

Ein Apostel ist ein berufener und ermächtigter Vertreter Gottes und Verkündiger des Evangeliums

Ein Gesandter hat die Aufgabe, Beziehungen herzustellen von Land zu Land. Dazu muss er von höchster Stelle ermächtigt sein, er muss eben die Sendung (Mission, Apostolat) haben. Man kann nicht Botschafter sein auf eigene Faust. Das Gegenteil des Gesandten ist der Volontär, der etwas unternimmt, weil er es will. Er mag noch so eifrig, er mag ein Genie sein, das macht ihn durchaus nicht zum Gesandten.

Beziehungen von oben nach unten, von der Gottheit zur Menschheit, entstehen noch nicht dadurch, dass sie hier unten gewollt werden. Ein ganzes Heer religiöser Helden, die mit unerhörtem Ernst Christen sein wollen, oder religiöser Genies wiegt noch nicht einen Apostel auf. Aber wo auch nur einer eine göttliche Sendung hat, da sind die Beziehungen zwischen Himmel und Erde hergestellt.

Christus ist »der« Apostel; er sendet die Zwölf

In den letzten Jahrhunderten vor Christi Geburt werden keine göttlichen Boten gesandt. Die unmittelbare Verbindung ist aufgehoben. Das wird ganz anders, sobald Jesus kommt. Er hat eine Sendung mit unbeschränkter Vollmacht. Darum heisst er »der« Apostel (Hebr. 3,1), das heisst: der, durch den überhaupt erst der volle Kontakt zwischen Gott und Menschheit zustande kommt.

Christus hat eine so umfassende Vollmacht, dass er seinerseits Menschen ernennen kann zu Vertretern (Trägern) der Gotteswelt hier unten. Das sind seine Apostel. Er stellt ihren Auftrag dem seinen gleich: »Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch« (Joh. 20,21).

Apostel im weiteren Sinne

Die Bezeichnung »Apostel« wird im Neuen Testament auch in einem allgemeineren Sinn gebraucht von Abgesandten und Sendboten der Gemeinden (2. Kor. 8,23; Phil. 2,25; vielleicht auch Röm. 16,7). Ja, schliesslich muss jeder, der predigen will, von Christus gesendet sein (Röm. 10,15).

Gerade weil das Apostelamt so wichtig ist, ist in der Christenheit von den Aposteltagen an bis heute darum gestritten worden (»Sie sagen, sie seien Apostel, und sind's nicht«, Offb. 2,2; 2. Kor. 11,13). Darum muss ein Apostel auch, wie jeder Gesandte, Zeichen und Beglaubigung seines Apostolats vorweisen können (1. Kor. 9,1 f.; 2. Kor. 12,12; Gal. 2,8).

Christus hatte nicht nur zwölf Apostel. Das Neue Testament zeigt uns Apostel in allen Gemeinden (Eph. 4,11; 1. Kor. 12,28), Männer, die ermächtigt sind, die vorhandenen Beziehungen zwischen Christus und den Gemeinden aufrechtzuerhalten oder neu anzuknüpfen. Das Apostolat ist in diesem Sinn nicht eine ausserordentliche Einrichtung, die zu einer bestimmten Zeit nötig war, sondern ein ordentlicher Dienst, der immer nötig ist (wenn auch die zwölf Apostel einzigartige Bedeutung haben). Gibt es keine Apostel, keine bevollmächtigten Gesandten mehr, so sind die Beziehungen zwischen Himmel und Erde abgebrochen.

Wenn es aber heisst, dass die Gemeinde Jesu »erbaut ist auf dem Grund der Apostel und Propheten« (Eph. 2,20), so sind damit die Apostel gemeint, die die Gemeinde durch ihre Verkündigung gegründet haben, und die Propheten, die in ihr das Evangelium predigen, auch noch in der Zeit, in der der Epheserbrief geschrieben ist.

Statt um Aposteltitel zu streiten und sich darüber zu entzweien, sollten die Christen lieber danach streben, zuerst das Zeugnis und den Dienst der Apostel Jesu im Neuen Testament völlig anzunehmen - dann wird es auch wieder mehr vollmächtige Diener und Gesandte in der Christenheit geben.

"Apostel": lateinisch "Missionar", bedeutet Gesandter

Autor: Ralf Luther
Quelle: Neutestamentliches Wörterbuch

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