Talk mit Stefan Fuchser

Neue Kirchen braucht unser Land

Stefan Fuchser ist Geschäftsführer von kichengründung.ch
In der Schweiz braucht es neue Gemeinden, doch die Gründungen dauern lange und sind kräfteraubend. Deshalb will Stefan Fuchser und der Verein «Kirchengründung Schweiz» Pioniere unterstützen.

Neue Gemeinden sollen entstehen – davon ist Stefan Fuchser überzeugt. Und deshalb unterstützt er Gemeindegründer in der Schweiz. Im Livenet-Talk spricht er mit Flo Wüthrich über seine Leidenschaft, verschiedene Gemeindeverständnisse und den neugegründeten Verein «Kirchengründung Schweiz».

«Kirchengründung Schweiz»

Von der Viva Kirche ist Stefan als Regionalleiter angestellt. Daneben ist er Coach und Berater für Gemeindegründung. «Im Laufe der Jahre habe ich mit einem Team von Leitern aus verschiedenen Verbänden einen Verein mit dem Namen 'Kirchengründung Schweiz' aufgebaut.» Nach vier Jahren Vorbereitungsarbeit wurde 2023 der Verein gegründet. «Wir wollen Kirchenverbände und Kirchengründer ermutigen, unterstützen und schulen, damit sie wissen, wie Kirchen aufgebaut werden können.» Der Verein betreibe auch Forschung, um an das Ziel, alle Gesellschaftsschichten in der Schweiz mit dem Evangelium zu erreichen, zu gelangen und damit neue Gemeinden entstehen können.

Zwei unterschiedliche Ansätze

Stefan spricht von grundsätzlich zwei verschiedenen Ansätzen, wie Gemeindegründung verstanden wird. Als erstes erwähnt er «die Metapher des Hauses»; hier geht es um Gründen, Bauen und Entwickeln. Es wird geplant und umgesetzt.

Dem gegenüber erwähnt Stefan den organischen Ansatz, welcher mit der Pflanze veranschaulicht wird. Bei einer Pflanze muss darauf geachtet werden, dass sie genug Erde, Licht und Wasser hat und dann wird sie selbst wachsen. Entsprechend spreche man von Gemeindepflanzung und achte dann darauf, wie sie sich entwickelt – der Fokus liege darauf, Gottes Wirken zu erkennen und zu begünstigen.

Mit diesen zwei Bildern illustriert Stefan die zwei verbreiteten Ansätze in der Gemeindegründung. «Es sind zwei unterschiedliche Philosophien, wie Kirchen gegründet und entwickelt werden können.» Doch welche Art ist besser?

Ansätze nicht gegeneinander ausspielen

«Es gibt für beide Ansätze Vor- und Nachteile», sagt Stefan. «Man kann die beiden Formen nicht gegeneinander ausspielen.» In der Vergangenheit hätte man dies getan, doch heute nicht mehr. Stattdessen stellt er eine Durchmischung der beiden Ansätze fest.

«Grundsätzlich gibt es bei beiden Modellen Vorteile. Das attraktionale Modell hat den Vorteil, dass viele Menschen wiederum viele Menschen anziehen.» Ein guter Event habe Anziehungskraft, die Qualität von Worship, Message und Kinderprogrammen spreche an. «Auf der anderen Seite gibt es das missionale Modell, welches sagt, dass nicht zuerst etwas Attraktionales gemacht werden muss.» Stattdessen gelte es zu erkennen, wo Gott bereits wirkt und dann muss dieses Wirken unterstützt werden. Beide Ansätze hätten etwas Positives und in der Praxis würden sie sich oft vermischen.

Gemeindegründung braucht einen langen Atem

«In der Schweiz braucht es erfahrungsgemäss zwischen acht und fünfzehn Jahre, bis man von der Aufbauphase in die Entwicklungsphase der Gemeinde kommt.» Stefan spricht von Gemeinden, die mehr als 20 Jahren brauchten, um sich zu etablieren. Es braucht viel Zeit, um das Vertrauen von Menschen, die sich für Glaubensfragen interessieren, zu gewinnen.

Weil Gemeindegründung einen solch langen Atem braucht, ist Stefan von der Wichtigkeit einer guten Begleitung überzeugt. In den «learning communities», wie die Lerngruppen für Gemeindegründer genannt werden, treffen sich Pioniere mit unterschiedlichem Background. Manche wollen attraktionale Kirche bauen, andere eine missionale, organische. Das gelte es respektieren. «Wir wollen helfen, damit sie mit ihren Überzeugungen weiterkommen.»

Letztlich muss Jesus Menschen entzünden

Im Talk erläutert Stefan, wie er und sein Team Pioniere begleitet. Kurz stellt er die verschiedenen Tools vor, welche dabei verwendet werden. Besonders in den ersten zwei Jahren der Gründungsphase seien Gründer sehr dankbar für diese Begleitung. Stefan möchte auch über längere Zeit hinaus Coaching, Ermutigung und Schulung anbieten können. Hierzu sind einige neue Tools in Entwicklung.

In allem Bestreben soll aber das Wichtigste nicht aus den Augen verloren werden. Deshalb wird auch gleich zu Beginn des Livenet-Talks eine Aussage aufgegriffen, welche Stefan am Ende einer Veranstaltung rausgerutscht sei. «Letztlich können wir uns noch so bemühen: Wenn nicht Jesus Menschen entzündet, dann können wir es vergessen!» Stefan räumt ein, dass wir durchaus etwas aus eigener Kraft machen können, «doch dann hat es keine nachhaltige Wirkung».

Sehen Sie sich hier den Talk mit Stefan Fuchser an:

 

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Datum: 16.02.2024
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

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