"Warum die Stadt die Kirchen braucht"

Unter diesem Titel fand am Samstag in Winterthur eine Impulstagung statt. Mitinitiator Hanspeter Schmutz legt hier dar, was Christen ihrer Stadt zu geben haben.

Wenn die Winterthurer Stadträtin Maja Ingold, zuständig für den Bereich Soziales, in Oberwinterthur unterwegs ist, trifft sie laut ihrem Grusswort an der Tagung alle paar hundert Meter auf ein soziales Projekt, das von Christen aufgebaut worden ist. Kein Zweifel: die Christen sind in Winterthur - zumindest im sozialen Bereich - präsent. Und das ist gut so. Schliesslich gibt es - ausser vielleicht in Thun - kaum eine Schweizer Stadt, die eine so hohe Dichte von evangelikalen Christen aufweist.

Transformation…

Der Auftrag, die Stadt Winterthur gemäss christlichen Werten zu transformieren, ist mit dem sozialen Engagement allerdings nicht abgeschlossen. Er hat damit erst begonnen. Denn die Vision vom Reich Gottes meint nicht "nur" das soziale Anliegen, sondern jeden Bereich von Winterthur. Alles beginnt mit einer ganzheitlichen Bekehrung, wie sie in Römer 12,1-2 beschrieben ist. Der persönliche Glaube an Jesus führt zu einer ganzheitlichen Hingabe, einem "lebenden Opfer". So ist biblisch gesehen Gottesdienst gemeint. Und das verlangt nach einer Sinnesänderung, nach neuen Werten und einem entsprechenden Handeln.

…durch einen Dialog über Werte

Stadtentwicklung wird politisch oft als möglichst optimale Raumplanung verstanden. Christen haben einen breiteren Ansatz - nicht zuletzt deshalb braucht die Stadt die christliche Gemeinde. Eine christlich geprägte Transformation bringt drei Prozesse zusammen: die strukturelle Innovation (alles, was gebaut werden kann) mit der sozialen (das Knüpfen eines verbindlichen Beziehungsnetzes) und der Werte-Innovation: Ewige Werte werden begründet und im gemeinsamen Gespräch zu einer Wertebasis zusammengefügt. Das führt zu einem neuen Umgang miteinander und schliesslich zu werteorientierten Projekten, mit dem Ziel, die Stadt ganzheitlich zu entwickeln.

Die Transformation einer Stadt beginnt im Quartier, daneben gibt es auch Massnahmen, die v.a. auf der Ebene der Stadt angepackt werden müssen (z.B. Verkehrsfragen). Im Quartier aber leben die Christen oft völlig unverbunden nebeneinander, oder sie wohnen irgendwo ausserhalb der Stadt. Erst wenn es gelingt, den "Quartierleib" von Jesus Christus wieder zusammenzuführen, kann die Kirche im Quartier ihre von Gott zugedachte Rolle wirksam zur Geltung bringen.

Gemeinde als Zukunftswerkstatt

Die christliche Gemeinde ist dabei ein Schutzraum: Tankstelle, Modell und Zukunftswerkstatt zugleich. Sie soll aber darüber hinaus Kirche für andere werden. Das bedingt die Umkehr zum Nächsten, eine Neuausrichtung des kirchlichen Programms auf die Bedürfnisse des Quartiers, ein konsequentes Arbeiten nach Begabungen und eine ganzheitliche Evangelisation, die an den Fragen der "Aussenstehenden" anknüpft. Wenn es der christlichen Gemeinde zudem gelingt, die Brücke zu den "anonymen Christen" und andern Menschen guten Willens zu schlagen, ist eine breite Grundlage zur Transformation geschaffen. Nun gilt es, bewusst die Konflikte im Quartier auf den Tisch zu bringen und sie im Geiste Christi zu bearbeiten, aber auch an den Segensspuren anzuknüpfen.

Bei der praktischen Umsetzung ist es enorm hilfreich, nach "Babylon", d.h. ins Quartier umzuziehen und dort (gemäss Jeremia) "der Stadt Bestes" zu suchen. Es gilt, zumindest die Bereiche Wohnen und Freizeit (und damit die Kirche) am selben Ort zu einem Lebensmittelpunkt zusammenzuführen, wenn möglich ergänzt durch den Beruf. Das erlaubt es, die Bedürfnisse des Quartiers zu spüren und so zu merken, was genau das Beste für das Quartier ist.

Betroffene zu Beteiligten machen

Der Rest ist normales Change-Mangement: eine Momentanaufnahme (Stärken, Schwächen, Chancen, Risiken) erstellen, aus der Sehnsucht und dem Gebet heraus eine Vision erkennen und von dort her Ziele entwickeln. Der Entwicklungsprozess dazwischen muss auf überschaubare Projekte heruntergebrochen werden; Projekte, die dann ganz nach dem Motto "Betroffene zu Beteiligten machen" Schritt für Schritt umgesetzt werden. Dabei müssen die Christen nicht immer selber Neues auf die Beine stellen, manchmal genügt es, sich in bestehende Projekte dienend einzubringen.

Christen hören jeden Sonntag, welche Werte es braucht, um ihre Stadt (oder ihr Dorf) zu entwickeln. Sie haben den Schlüssel zur werteorientierten Transformation in der Hand. Was hindert sie, ihn einzusetzen?

Werteorientierte Dorf-, Regional- und Stadtentwicklung (WDRS): Mehr auf www.insist.ch

Datum: 28.05.2008
Autor: Hanspeter Schmutz
Quelle: Livenet.ch

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