Medien und Teenager

Viele Medien vermitteln ein falsches Bild von Sexualität

Medien prägen heute die privatesten Werte. Besonders Heranwachsende sind betroffen. Wer nicht von frühen sexuellen Erfahrungen erzählen kann, droht zum Hinterwäldler zu werden, suggerieren gewisse Medien. Sie zielen damit weit an der Realität vorbei.

Zoom
Bilder prägen: Teenies mit Smartphones.
Mit prophetischem Scharfblick analysierte David Riesman (1909-2002) seinerzeit, wie sich in Konsumgesellschaften ein neuer Charaktertypus durchsetzt: An die Stelle der «Innenlenkung» durch das eigene Gewissen tritt immer mehr die «Aussenlenkung» durch die Meinung der anderen. Massgeblich für das eigene Verhalten wird der Wunsch, akzeptiert und beliebt zu sein. In vielen Lebensbereichen fröne der «aussengeleitete» Typ einem «Lässigkeitskult». Zu Riesmans Zeit war das heutige Cybersex- Angebot noch unvorstellbar. Heute leuchten Medien auch das Privateste aus und prägen Werte um. Davon sind gerade Heranwachsende betroffen, beim Thema Sex ganz besonders die Teenager. Themen sind namentlich frühe sexuelle Erfahrungen und erregende Erlebnisse. Wer nicht von frühen sexuellen Erfahrungen erzählen kann, droht zum Hinterwäldler zu werden. So jedenfalls suggerieren es gewisse Medien.

Die wahre Realität

Wie weit solche Storys von der Lebenswirklichkeit der meisten Jugendlichen entfernt sind, zeigen neue Umfragedaten zu den Beziehungserfahrungen 14- bis 17-jähriger Jugendlicher: Rund zwei Drittel hatte noch keinen Geschlechtsverkehr.* Sexuell aktive Jugendliche sind in diesem Alter in der Minderheit. Ihre «Erfahrungen» machen diese Jugendlichen in der Regel mit einem «festen Partner» des anderen Geschlechts. Die Neigung, «feste» Beziehungen einzugehen, steigt erwartungsgemäss mit dem Alter. Selbst von den 17-Jährigen gab nur ein Drittel an, einen festen Partner zu haben. Der Mehrheit steht diese Lebenserfahrung noch bevor, sie sind damit nicht «spiessig» oder gar zurückgeblieben, sondern entwickeln sich schlicht «normal», wie das Deutsche Institut für Demografie, Allgemeinwohl und Familie (iDAF) in einem Kommentar zur Studie feststellt.

Frühe sexuelle Beziehungen seien kein Indikator für das Lebensglück Jugendlicher, wie dies eine oberflächliche «Sexualaufklärung» oft suggeriere. Vielmehr seien sie häufig ein Versuch, mangelndes Selbstwertgefühl zu kompensieren. Nicht zufällig gingen Kinder aus zerstrittenen Elternhäusern oft frühe Beziehungen ein - sie suchten die schmerzlich vermisste «Nestwärme». Damit überfordern sie häufig ihre Partner, Enttäuschung und Trennung sind die Folge - ein Kreislauf, der sich nicht selten später fortsetzt.

Gegen den Trend kämpfen

Junge Menschen über solche «Verblendungszusammenhänge» aufzuklären und ihnen bessere Wege der Lebensführung aufzuzeigen, sei für Eltern und Erzieher schwierig, räumt das iDAF ein. Sie stellten sich damit der Botschaft von Massenmedien entgegen, die auf kurzfristige Effekte und Äusserlichkeit hin konditionieren. Dennoch: «Wer wirklich erziehen will, muss sich trauen, gegen diese Windmühlen zu kämpfen, auch wenn er dafür als Don Quichotte verspottet wird.»

*Eva-Verena Wendt/Sabine Walper: Sexualentwicklung und Partnerschaften Jugendlicher: Ergebnisse einer repräsentativen Befragung von 14-17-Jährigen, S. 62-81, in: Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation, Heft 1/2013)

Zum Thema:
«Sexting» weit verbreitet: Ohne Sexfotos droht Ausschluss
Cybermobbing, Games, und Co.?: Was Eltern wissen sollten
Besseres Sexleben: Gottesdienstbesucher haben besseres Liebesleben

Datum: 12.07.2014
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Schweizerische Stiftung für die Familie

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