Attacke in der Abenddämmerung

Galt der Angriff auch Israel?

Als Weckruf für die neue Regierung in Kairo hat der israelische Verteidigungsminister Barak die Terroristen-Attacke auf einen ägyptischen Kontrollposten im Sinai bezeichnet. Offenbar wollten die Terroristen zuerst viele ägyptische Soldaten töten. Präsident Mursi kündigte eine entschlossene Reaktion an.

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Israelisch-ägyptische Grenze in Sinai
Als die zwanzigköpfige Mannschaft des Wachpostens an der Grenze zu Israel am Sonntag bei Sonnenuntergang ans Fastenbrechen ging, schlugen die Terroristen zu. Die mit Maschinengewehren bewaffneten, maskierten Angreifer töteten 16 Polizisten und Grenzwächter und bemächtigten sich mindestens zweier Fahrzeuge, mit denen sie nach Israel einzudringen suchten. Offenbar flog ein Fahrzeug am Übergang Kerem Shalom in die Luft; ein gepanzerter Personentransporter wurde von den Israelis aus der Luft zerstört. Sie erschossen acht Terroristen.

Bisher grösster Angriff

In Israel bezeichnet man den Anschlag als grössten Dschihadisten-Angriff im Sinai, der sich sowohl gegen israelische wie ägyptische Ziele richtete. Verteidigungsminister Ehud Barak lobte die Armee. Sie habe vermutlich einen grösseren Terrorakt innerhalb Israels verhindert. Von Ägypten verlangte Barak einmal mehr, im Sinai für Sicherheit zu sorgen und Anschläge zu verhindern.

Hilfe aus dem Gazastreifen

Der neue ägyptische Präsident Mursi reagierte am Montagmorgen mit der Ankündigung, die Armee werde «die vollständige Kontrolle über den Sinai übernehmen». Israel hatte die 1967 eroberte Halbinsel infolge des Friedensvertrags mit Ägypten bis 1982 geräumt. Aus ägyptischen Sicherheitskreisen verlautete, einige Angreifer stammten aus dem Sinai; andere seien durch einen Tunnel aus dem Gazastreifen zur Gruppe gestossen. Die im Gazastreifen herrschende Hamas verurteilte die Ermordung der ägyptischen Grenzpolizisten.

Sinai als Terroristen-Hort?

Ehud Barak ordnete die Täter einem internationalen Terrornetzwerk zu. Israel hatte letzte Woche seine Bürger dringend vor dem Aufenthalt auf der Halbinsel gewarnt. Laut der Jerusalemer Zeitung Haaretz treiben sich im Sinai Dschihadisten der Kaida aus Jemen, Irak, Syrien und anderen islamischen Ländern herum. Diese Gruppen würden von einheimischen Beduinen unterstützt und stünden in Verbindung mit Militanten im Gazastreifen, welche Waffen in den Sinai schmuggelten.

Gemäss der Zeitung sind die etwa 1‘000 ägyptischen Grenzwächter im Sinai nicht für den Kampf mit Terroristen trainiert. Die Vernachlässigung der Region durch die Regierung in Kairo, schon unter Mubarak, habe den Sinai zu einem von global vernetzten Terroristen und bewaffneten Beduinen kontrollierten Niemandsland werden lassen. Die Haaretz-Analytiker vermuten, dass der Überfall Aegypter abschrecken soll, im Sinai zu dienen.

Datum: 06.08.2012
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet / Haaretz / Tachles

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