China: Vorgehen gegen Christen verschärft
Neun Menschen wurden kürzlich festgenommen, nachdem die Polizei ihre Wohnungen und das Kirchenbüro in Chengdu in Zentralchina durchsucht hatte, teilte die «Early Rain Covenant Church» mit. Fünf von ihnen wurden wieder freigelassen.
Weiter berichtet «BBC», dass in Wenzhou mit dem Abriss des Gebäudes der Yayang-Kirche begonnen wurde, wie ein Video von «China Aid» nahelegt. Der britische TV-Sender zitiert christliche Gruppen: «Diese jüngste Verhaftungswelle, nach weiteren im vergangenen Jahr, zeige die Entschlossenheit der Kommunistischen Partei, Kirchen zu unterdrücken, die nicht mit ihrer Ideologie übereinstimmen.»
«Sturm braut sich zusammen»
Die Kommunistische Partei übt seit Langem Druck auf Christen aus, sich ausschliesslich staatlich anerkannten Kirchen unter von der Regierung genehmigten Pastoren anzuschliessen.
Christliche Gruppen sagen jedoch, dass der Druck spürbar zugenommen habe, wobei Festnahmen häufiger und schneller erfolgen, berichtet «BBC». Laut einheimischen Christen seien diese Personen zunächst gewarnt, dann mit Geldstrafen belegt und erst danach festgenommen worden, wenn sie sich weiterhin weigerten, den Anordnungen Folge zu leisten.
Erst vor wenigen Wochen hatte Li Yingqiang, der derzeitige Leiter der «Early Rain Covenant Church», gesagt, er habe «das Gefühl, dass sich ein Sturm zusammenbraut» und hatte auf die «unmittelbare Aussicht auf … ein weiteres gross angelegtes Vorgehen» verwiesen.
Bewachter Kirchenabriss
In Wenzhou brachten die örtlichen Behörden Bulldozer, Kräne und schweres Gerät zum Einsatz, um mit dem Abriss eines Teils des Gebäudes der Yayang-Kirche zu beginnen, berichtet «BBC» weiter. Laut «China Aid» berichten mehrere Quellen, dass Hunderte bewaffnete Polizisten und Spezialeinheiten eingesetzt worden seien, um das Gebäude zu bewachen.
Wenzhou, manchmal als «Jerusalem Chinas» bezeichnet, gehört zu den chinesischen Städten mit der höchsten Anzahl an Christen. Nun seien Anwohner in der Nähe der Yayang-Kirche vertrieben worden, während Personen, die in dem Gebiet arbeiten, angewiesen worden seien, keine Fotos zu machen oder Videos aufzunehmen, so «China Aid».
Kirche ausschalten?
«Die massive Mobilisierung gegen die beiden grossen unabhängigen Kirchennetzwerke zeigt, dass die Zentralregierung entschlossen ist, christliche Kirchen vollständig auszuschalten, es sei denn, die Kirche wird vollständig in die Ideologie der Partei indoktriniert», sagt Bob Fu, der Gründer von «China Aid».
Im Dezember nahmen die Behörden in Wenzhou über fünf Tage hinweg etwa 100 Mitglieder der Yayang-Kirche fest. Mindestens 24 Mitglieder befinden sich laut «Human Rights Watch» weiterhin in Gewahrsam. Und im Oktober vergangenen Jahres wurden 30 Leiter der «Zion Church» – einer der grössten Untergrundkirchen Chinas – in sieben Städten festgenommen. Gründer Ezra Jin befindet sich laut «BBC» weiterhin in Haft.
Lag China auf dem Weltverfolgungsindex von «Open Doors» im Jahr 2020 noch auf dem 23. Rang, so liegt das zweitbevölkerungsreichte Land der Welt mittlerweile auf Position 17.
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Datum: 23.01.2026
Autor:
Daniel Gerber
Quelle:
Livenet / BBC