Mission

Die Welt stürmt vorwärts und Wycliffe übersetzt

Kirk Franklin, internationaler Leiter der Wycliffe Bibelübersetzer, sieht 2200 neue Übersetzungen der Bibel oder des Neuen Testaments als nötig an. Dazu brauche es noch 18'000 Missionare, von denen einige Hundert aus der Schweiz kommen könnten.
Kirk Franklin, internationaler Leiter von Wycliffe
Bibelübersetzungsberater von Wycliffe mit einem einheimischen Bibelübersetzer.

Die Schweizer zeigten viel Ausdauer, planten effizient, arbeiteten hart und hätten Erfahrung im Umgang mit verschiedenen Kulturen. Darum seien sie als Mitarbeiter bei Wycliffe besonders geschätzt, sagt der neue Direktor der internationalen Organisation der Bibelübersetzer.

Der Australier Kirk Franklin, der erst vor einem Monat sein Amt als CEO bei Wycliffe International angetreten hat, besuchte Anfang Februar den Schweizer Wycliffe-Zweig in Biel. Trotz ihrer geringen Zahl haben die Mitarbeiter aus der Schweiz wegen ihrer Zuverlässigkeit und Missionserfahrung ein besonderes Gewicht, erklärt Franklin. Er wünsche sich aber noch viel mehr Bewerber aus der Schweiz, vor allem auch aus dem französischsprachigen Raum.

Schweizer Startvorteile

Franklin spricht auch von Startvorteilen für Missionare aus der Schweiz, etwa im französischsprachigen Afrika oder in Regionen, wo die Mitarbeiter aus politisch neutralen Ländern kommen sollten. Die Schweizer hätten allerdings in Bezug auf die Änderungen und Umwälzungen, die Gott derzeit in der Welt bewirke, manchmal eine Rückzugsmentalität. Der Missionsleiter empfiehlt darum den Schweizer Gemeinden und Christen, einen offensiveren Umgang mit den Veränderungen zu pflegen, etwa bezüglich der zahlreichen Einwanderer: Christen sollen lernen, diese zu lieben, und so Licht Gottes sein, statt sich zurückzuziehen und sich aus Angst einzuigeln, meint Franklin.

Wachsende Bewegungen im Süden

Die grossen Veränderungen im Zeitalter der Globalisierung betreffen internationale Missionswerke wie Wycliffe besonders. Das Thema, wie man aus 48 Ländern miteinander zusammenarbeiten, einen Auftrag gemeinsam erfüllen könne, habe sich in den letzten vier Jahren in zunehmendem Masse gestellt. Die rasch wachsenden missionarischen Bewegungen des Südens hätten bei den Christen im Westen den Eindruck hinterlassen, dass es nicht mehr nötig sei, Missionare zu schicken. Die Meinung, es gebe zuhause in den eigenen Gemeinden genug zu tun, man müsse die aufstrebenden Kirchen der Dritten Welt nicht mehr unterstützen, sei aber falsch, sagt Franklin. Das Prinzip der Mission gehe «von allen Nationen zu allen Nationen».

Einander unterstützen

Die südlichen Missionsbewegungen und die stagnierenden Kirchen und Missionswerke der westlichen Länder müssten heute miteinander darüber reden, wie sie einander unterstützen könnten. Dabei gehe es auch darum, dass die westlichen Länder das noch immer grosse Bedürfnis des Südens nach Missionaren verstehen könnten. Auf der anderen Seite müssten die Menschen im Süden das Tempo und die Schnelllebigkeit der industrialisierten Welt begreifen lernen.

Wie kommt Franklin auf die 2‘200 noch zu erstellenden Übersetzungen? Sprachforschungen zeigen, dass Indonesien und Melanesien noch 800 Übersetzungen brauchen, der südostasiatische Raum 600 Übersetzungen, Zentralafrika und Nigeria ebenfalls 600 Übersetzungen. 200 Bibelübersetzungen fehlen noch im eurasischen Raum.

Beziehungen brauchen Zeit

Um sich als internationales Missionswerk vom Image einer Amerika-dominierten
Organisation zu lösen, verlegt Wycliffe seine Zentrale in diesem Jahr von Dallas (USA) nach Singapur. Die Hälfte der Wycliffe-Missionare kommt bereits aus den Ländern des Südens. Oft arbeiten Wycliffe-Missionare in internationalen Teams eng zusammen. Auch die Zusammenarbeit mit Christen aus den lokalen Kirchen in den Projektländern ist intensiv. Interkulturelle Zusammenarbeit ist also ein Muss und zugleich eine riesige Herausforderung. So brauche es oft «viele, viele Jahre», bis die Beziehungen einigermassen funktionierten, sagt Franklin und plädiert darum für mehr Missionare im langzeitlichen Dienst.

Keine Zersplitterung

Gefährdet ist die Missionsarbeit auch immer wieder durch politische Krisen. «Da wir aber seit Jahren gerade in solchen Krisengebieten arbeiten, wissen wir, dass Rückschläge einfach dazugehören», sagt der CEO. Schwierig sei es besonders dann, wenn ausländische Missionare das Land wegen kriegerischer Konflikte verlassen müssten, wie gegenwärtig im Tschad. Die einheimischen Mitarbeiter blieben dann zurück.

In vielen Ländern, wo der Islam gegen christliche und heidnische Gebiete vorstosse, sei das Konfliktpotenzial besonders hoch, doch auch Armut, Korruption und ethnische Zersplitterungen seien für Kirche und Missionsarbeit grosse Herausforderungen. Die Übersetzungen in viele Sprachen (Wycliffe war in seiner 70-jährigen Geschichte an über 700 Bibelübersetzungsprojekten beteiligt) führen nach Ansicht von Franklin nicht zu einer stärkeren ethnischen Zersplitterung und zu tribalistischem Denken. Man setze im Gegenteil viel auf die Einheit und das gegenseitige Verständnis unter Christen aus verschiedenen Ländern, Volksgruppen und Kulturen, sagt der Missionsleiter.

Links zum Thema:
Wycliffe Bibelübersetzer Schweiz
Wycliffe Bibelübersetzer (englisch)

Autor: Thomas Hanimann, Bearbeitung Livenet

Datum: 11.03.2008
Quelle: ideaSpektrum Schweiz

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