Mitarbeiter gewinnt Prozess

USA: Kein Zwang zur Sonntagsarbeit

Ein Angestellter in den USA gewann einen Prozess, in dem er sich erfolgreich gegen seine Kündigung wehrte. Der Grund: Er wollte als Christ nicht sonntags arbeiten, um den Gottesdienst besuchen zu können.
Amazon-Lieferdienst

Wie das «Dienstagsmail» berichtet, war der Angestellte von seinem Arbeitgeber, dem Amazon-Lieferdienstleister Tampa Bay Delivery Service in Florida (USA), entlassen worden, weil er sich geweigert hatte, am Sonntag zu arbeiten. Er sei gläubiger Christ und habe darum gebeten, am Sonntag nicht arbeiten zu müssen, um an Gottesdiensten teilzunehmen; der Tampa Bay Delivery Service teilte ihn dennoch für eine Sonntagsschicht ein. Als er nicht zur Arbeit erschien, wurde er entlassen.

Religiöse Diskriminierung

Die U.S. Equal Employment Opportunity Commission (EEOC) reichte daraufhin im Namen des Mitarbeiters Klage ein und hatte Erfolg damit. Sie berief sich auf das Bürgerrechtsgesetz von 1964, das «Diskriminierung aufgrund der Religion verbietet und von Arbeitgebern verlangt, den religiösen Überzeugungen eines Mitarbeiters in angemessener Weise Rechnung zu tragen, es sei denn, dies würde eine unzumutbare Härte darstellen».

Wie der «Miami Herald» berichtete, muss das Unternehmen dem Angestellten nun 50'000 US-Dollar als Entschädigung zahlen und Schulungen über religiöse Diskriminierung anbieten. Ausserdem muss die Firma einen Koordinator für religiöse Massnahmen benennen, «um zu verhindern, dass künftige Mitarbeiter gezwungen werden, sich zwischen Beschäftigung und religiöser Überzeugung zu entscheiden», wie Robert Weisberg, regionaler Anwalt des EEOC-Bezirks Miami, betonte.

Die Leiterin der EEOC-Aussenstelle in Tampa, Evangeline Hawthorne, ergänzte: «Wir ermutigen andere Arbeitgeber, dem Beispiel von Tampa Bay Delivery Service zu folgen und ihre Richtlinien und Praktiken für religiöse Vorkehrungen zu überprüfen, um sicherzustellen, dass Arbeitnehmern nicht aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen Chancen verwehrt werden.»

Entschädigung von 21 Mio. US-Dollar

Im Jahre 2019 waren der 60-jährigen haitianischen Einwanderin Marie Jean Pierre 21 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen worden, nachdem sie vom Conrad Hotel in Miami als Tellerwäscherin entlassen worden war. Sie hatte zehn Jahre in dem Hotel gearbeitet und die meiste Zeit hatte das Hotel ihre religiösen Überzeugungen respektiert und ihr erlaubt, sonntags frei zu haben. Das änderte sich jedoch im Oktober 2015, nachdem ein Küchenchef darauf bestand, sie für die Sonntagsarbeit einzuteilen.

Sie blieb bei ihrer Weigerung, sonntags zu arbeiten, um den Gottesdienst ihrer Bethel Baptist Church zu besuchen und versuchte immer wieder, mit Kollegen Schichten abzutauschen. «Ich liebe Gott. Nein, ich kann nicht am Sonntag arbeiten, weil ich Gott ehre», sagte Marie Jean Pierre in einem Interview mit dem Sender NBC 6 South Florida. Das Hotel hatte behauptet, Marie Jean Pierre sei wegen Fehlverhaltens, Fahrlässigkeit und «unentschuldigter Abwesenheit» entlassen worden und hatte erklärt, das Unternehmen habe ihre Gründe für die Nichtarbeit an Sonntagen nicht gekannt, wie das Dienstagsmail mitteilte.

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Datum: 14.05.2022
Autor: Reinhold Scharnowski
Quelle: Livenet / Dienstagsmail

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