Israel will sich für verfolgte Christen einsetzen
Vor evangelikalen Leitern in Florida sagte Netanjahu am 31. Dezember 2025, sein Land arbeite mit den USA und anderen Ländern zusammen, um verfolgte Christen zu schützen: «Wir schliessen uns den Bemühungen an, im Grunde genommen eine Vereinigung von Ländern zu schaffen, die christliche Gemeinschaften auf der ganzen Welt unterstützen, bedrängte Gemeinschaften, die unsere Hilfe verdienen. So wie Sie uns helfen, wollen wir Ihnen helfen. Und wir sind dazu in der Lage: In Afrika mit Informationen, im Nahen Osten mit vielen Mitteln, die ich nicht einzeln aufzählen werde. Das ist unsere Agenda, das ist ein wichtiger Teil unserer Agenda, und das wird im kommenden Jahr mit noch grösserer Kraft und Stärke fortgesetzt werden.» Netanjahu weiter: «Wir sind uns der Tatsache bewusst, dass Christen im gesamten Nahen Osten, in Syrien, im Libanon, in Nigeria, in der Türkei und darüber hinaus verfolgt werden.»
Reaktion auf Angriffe auf Nigeria
Offenbar bezogen sich Netanjahus Äusserungen auch auf die Luftangriffe der USA am Weihnachtstag gegen islamistische Gruppen in Nigeria. Obwohl Nigeria eine bedeutende christliche Bevölkerung hat, werden dort jedes Jahr mehr Christen wegen ihres Glaubens getötet als in allen anderen Ländern zusammen. Trump hatte seit längerer Zeit die Angriffe gegen Christen in Nigeria als «Genozid» bezeichnet. Seit Wochen hatte er davor gewarnt, dass die islamistischen Terroristen «dafür bezahlen müssten, wenn das Abschlachten von Christen nicht aufhört».
Spannungen unter US-Evangelikalen
Netanjahus Bekenntnis zur Hilfe gegen Christenverfolgung kann sicherlich ein Versuch sein, die schwächelnde Unterstützung für Israel von Christen in den USA zu stärken. Israel wurde – vor allem von evangelikalen Christen – bisher immer unterstützt, weil sie glauben, dass Land und Volk noch eine Bedeutung im Plan Gottes haben. In letzter Zeit sind die Stimmen in den USA aber stärker geworden, die die Frage aufwerfen, wieso die USA «den Interessen eines fremden Volkes dient», angeblich auf Kosten ihrer eigenen Interessen, wie etwa der Moderator und Kommentator Tucker Carlson behauptete (der dafür von der Organisation StopAntisemitism zum «Antisemiten des Jahres» erklärt wurde). Dazu kommt der weltweit generell kritischere Blick auf Israel.
Gemeinsamer Gegner
In Anbetracht der Tatsache, dass Israel und viele verfolgten Christen einen gemeinsamen Gegner haben, macht Netanjahus Feststellung dennoch Sinn: der islamistische Terrorismus hat nicht nur die Vernichtung Israels, sondern in vielen Ländern auch die Vertreibung von Christen auf seine Fahnen geschrieben.
Und um so wichtiger ist auch ein gutes Verhältnis von Christen und Juden in Israel selbst. In den letzten Monaten gab es hier zunehmende Besorgnis: Die israelischen Behörden wurden kritisiert wegen übermässiger Beschränkungen für Christen, die heilige Stätten besuchen, insbesondere während der Osterfeiertage, und wegen ihres Versäumnisses, gewalttätige Angriffe israelischer Siedler auf christliche Gemeinden im Westjordanland zu verhindern.
Zum Thema:
Dossier: Israel
Wende in Israel: «Das kannten wir so noch nie!»
Doron Schneider aus Tel Aviv: «Frieden schafft kein Netanjahu, Trump oder Biden»
Datum: 07.01.2026
Autor:
Reinhold Scharnowski
Quelle:
Livenet / Christian Today