Umstrittenes Thema

Was sagt die Bibel zum Thema ‚Frauen in Leiterschaft'?

Peter (54) und Judy (56) Davids - Mitglied Leitungsteam Vineyard D.A.CH
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'Frauen in Leiterschaft' ist in vielen Gemeinden und Kirchen ein sehr umstrittenes Thema, besonders wenn es um Frauen in Leiterpositionen geht, die für alle sichtbar sind. Als Leute, die die Bibel ernst nehmen und nach ihren Massstäben leben wollen, interessiert es uns natürlich, was sie zu diesem Thema zu sagen hat. Wir werden entdecken, dass Gott durch die ganze Bibel hindurch immer wieder Frauen in den geistlichen Dienst rief und ihnen signifikante Leiterpositionen zuwies.

Als Gott diese Welt nach seinem Willen schuf, schuf er Mann und Frau als einander gleichgestellte Lebewesen. Sie waren einander ebenbürtig (1. Mose 1,26-27 und 1. Mose 2). Im 1. Mose 1 sind die Aufgaben nicht entweder dem Mann oder der Frau zugeteilt, sondern Gott übertrug sie ihnen als Paar. Im zweiten Kapitel wird deutlich, dass die Frau dem Manne entsprach. Sie war ihm weder unterlegen noch überlegen. Erst im dritten Kapitel entdecken wir, dass sich die Frau dem Mann unterordnen musste aufgrund der Sünde, die in ihre beiden Leben kam. Doch die Geschichte des Königreiches Gottes ist eine Geschichte der Wiederherstellung dessen, was Gott am Anfang erschaffen hatte.

Das Alte Testament

Obwohl die alttestamentliche Kultur und Tradition Frauen in Leiterschaft nicht gerade förderte, stossen wir schon ganz am Anfang der Geschichte Israels auf Frauen, die durch das direkte Eingreifen von Gott wichtige Leiterpositionen einnahmen und geistliche Ämter besetzten. Wenn wir die Geschichten von Moses als Führer lesen, konzentrieren wir uns meistens auf ihn, aber auch sein Bruder Aaron und seine Schwester Miriam hat Gott als Leiter und Leiterin ausgewählt. Aaron war Hohepriester und Miriam Prophetin (2. Mose 15,20). Beide Ämter erforderten göttliche Bevollmächtigung und Begabung.

Im Buch der Richter wird Debora, eine verheiratete Frau, als Gottes Leiterin seines Volkes beschrieben (Richter 4,4). Der Begriff, der verwendet wird, um ihre Position deutlich zu machen, ist der gleiche, der auch für die männlichen Richter verwendet wurde.

Wenn wir einige Jahrhunderte überspringen, stossen wir im zweiten Buch der Könige 22,14 auf die Prophetin Hulda. Es wäre falsch anzunehmen, dass einfach keine Männer vorhanden waren, die das Amt des Propheten hätten übernehmen können und deshalb eine Frau in dieser Position anzutreffen ist. Jeremiah war zu diesem Zeitpunkt schon seit fünf Jahren aktiv als Prophet. Die Menschen gingen zu Hulda, weil sie einen Ruf als Prophetin hatte, das bedeutet, dass sie schon seit einiger Zeit als Prophetin tätig gewesen sein musste. Doch sie war nicht die einzige Prophetin, Jesaja war mit einer Frau verheiratet, die auch als solche bekannt war (Jesaja 8,3).

Wir vertreten nicht den Standpunkt, dass die Anzahl der Frauen im Alten Testament, die Prophetinnen oder Richterinnen waren, sehr gross ist. Dies hat jedoch seine Gründe. Erstens empfingen in dieser Zeit nicht alle den Heiligen Geist. Nur sehr wenige wurden als Propheten/innen oder Leiter/innen auserwählt. Zweitens war die Geschichte dieser Zeit eine Geschichte der Könige. Wir erfahren nur sehr wenig über die Leute, die nicht zum Königshof gehörten. Unserer Meinung nach hat Gott überhaupt nichts gegen Frauen in Leiterschaft. Im Gegenteil, im Alten Testament setzte er sie ein, um in seinem Namen sein Volk zu führen und ihm zu dienen. Gott machte sie zu Leiterinnen und Prophetinnen, noch bevor der Heilige Geist durch Jesus auf alle ausgegossen wurde.

Das Neue Testament

Als Jesus das Kommen des Königreiches Gottes im Neuen Testament ankündigte, treffen wir auf Frauen, die schon im Dienst des Königreiches standen. Es war keine Frau unter den zwölf Aposteln, aber diese wurden auch symbolisch als die Stammväter des neuen Israels auserwählt (Matthäus 19,28 und Lukas 22,30). Wir wissen nicht, ob eine Frau unter den siebzig war, die Jesus aussandte, aber alle Evangelien bestätigen, dass die Frauen in der Gruppe, die mit Jesus zog, mit von der Partie waren. Lukas 8,1-3 und auch die andern Evangelien erwähnen, dass einige von ihnen bei der Hinrichtung von Jesus dabei waren und später Zeugen seiner Auferstehung wurden. Dass Jesus als jüdischer Lehrer diese Frauen als Jüngerinnen akzeptierte, war einzigartig und revolutionär. Die meisten Lehrer des Judentums versuchten, jeglichen Kontakt mit Frauen zu vermeiden. Doch das Königreich Gottes stellte vieles auf den Kopf und brachte Neues. Die neue Stellung der Frau war eine dieser Neuerungen. Ihr wurde wieder der Platz zugeteilt, der ihr eigentlich zustand, nämlich eine ebenbürtige Partnerin des Mannes zu sein.

So ist es nicht erstaunlich, dass wir schon zu Beginn der Kirchengeschichte immer wieder Frauen in Leiterpositionen finden, in der jüdischen wie aber auch in der nicht-jüdischen Welt. Apostelgeschichte 1,14 erwähnt solche Frauen zusammen mit den Brüdern von Jesus. Sie gehörten zum Leiterteam, das die Gemeinde nach Pfingsten leitete.

Petrus hatte selbst erfahren, dass Gott seinen Heiligen Geist ausgoss, egal ob Mann oder Frau, Sklave oder freier Mensch. Deshalb zitierte er auch in Apostelgeschichte 2,17-18 die Worte des Propheten Joels. So ist es auch nicht erstaunlich, wenn wir später von den vier Töchtern des Philippus lesen, die alle Prophetinnen waren.

Trotz diesen Beispielen aus der jüdischen Welt ist ganz klar, dass wir in der nicht-jüdischen Welt viel häufiger auf Frauen in Leiterschaft stossen. Die wahrscheinlich bekannteste unter ihnen ist Priscilla. Sie spielte zusammen mit ihrem Mann eine wichtige Rolle in den Gemeinden in Korinth, Ephesus und Rom (Römer 16,3-5). Wenn von den beiden die Rede ist, nennt Paulus sie immer zuerst, was sehr ungewöhnlich ist für diese Zeit. Damit wollte er wahrscheinlich deutlich machen, dass sie diejenige war, die ein geistliches Amt inne hatte, nicht ihr Mann. In Philipper 4,3 spricht Paulus von Syntyche und Euodia, beide waren Teil seines Teams in Philippi. Er macht keinen Unterschied zwischen Frau oder Mann, dies wird besonders deutlich wenn er sagt: "Schliesslich haben sie gemeinsam mit Klemens und meinen andern Mitarbeitern für die Sache des Evangeliums gekämpft."

Weiter ist von Maria, Tryphaena, Tryphosa und Persis die Rede, alle werden als engagierte Mitarbeiterinnen beschrieben. Dies zeigt, dass sie stark am Wachstum der Gemeinde beteiligt gewesen sein mussten.
In Römer 16,7 erwähnt Paulus Junias und beschreibt sie - dieser Name taucht in zeitgenössischer griechischer Literatur 250 Mal auf und wird immer für Frauen verwendet, nie für Männer - als "anwesend unter den Aposteln". Sie gehörte natürlich nicht zu den Zwölf, war aber Teil der grösseren Apostelgruppe, zu der auch Paulus als Apostel für die Nicht-Juden gehörte.

Durch diese Beispiele wird klar, dass wenn von Propheten, Aposteln oder sonstigen Mitarbeitern die Rede ist, Frauen immer auch gemeint sind, obwohl uns nur wenige Namen bekannt sind.
Diese Tatsache wirft aber einige Fragen auf. Erstens, welche Auswirkungen hatte das auf die Struktur der ersten Gemeinden? Zweitens, wie interpretieren wir die Worte von Paulus, als er den Frauen verbot, solche Leiterpositionen einzunehmen?

Struktur der ersten Gemeinden

Unsere Fragen zum Thema 'Frauen in Leiterschaft' haben immer etwas mit Macht und Autorität zu tun. Im Neuen Testament stellen wir fest, dass sich die Leute wenig Sorgen um Positionen machten, solange die Leiter und Leiterinnen klar definiert waren. Jakobus war ganz klar der Leiter der Gemeinde in Jerusalem, doch wenn von ihm die Rede ist, wird meistens auch eine Gruppe von Ältesten genannt (Apostelgschichte 21,18). Wir finden in der Bibel nirgends, dass die damaligen Gemeinden nur einen Leiter hatten, ausser man will das Beispiel von Timotheus und Titus als solches interpretieren, die in Paulus' Auftrag während einiger Zeit zu einer Gemeinde geschickt wurden, um dort Probleme zu lösen. Wenn von Leiterschaft die Rede ist, sind immer die Ältesten erwähnt, die für eine bestimmte Stadt zuständig waren. Die Gemeinden in den Städten wurden von diesen Männern und Frauen geleitet, wie wir den Namen, die Paulus nennt, entnehmen können. Bis zum 6. Jahrhundert gab es keine lokalen Gemeindeleiter, folglich waren auch 'Macht' und 'Autorität' keine heiklen Themen. Im Neuen Testament wird viel mehr Wert auf die Begabungen der einzelnen Menschen gelegt.

Die Grundlage der Gemeinden waren die Hauskreise. Es war sehr selten, - wenn überhaupt - dass sich die ganze Gemeinde in einer Stadt traf. Die Hauskreise trafen sich jedoch wöchentlich zu einem gemeinsamen Essen, heute ist das für uns ein Symbol für das Abendmahl. Sehr wahrscheinlich waren die Ältesten gleichzeitig die Hauskreisleiter und Hauskreisleiterinnen. Oft waren diese die Besitzer eines grossen Hauses oder Führungspersönlichkeiten innerhalb der Gruppe. Phoebe, Lydia, Euodia und andere Frauen gehörten zum Leiterteam. Einige waren unverheiratet, andere hatten Ehemänner, die ihren christlichen Glauben akzeptierten.

Paulus' Worte

Wenn Gott die Würde der Frau wieder herstellte, indem er sein Königreich sichtbar machte, was sollen wir dann von den schwierigen Passagen in 1. Korinther 11,14 und 1. Timotheus 2 halten? Erstens sollten wir nicht vergessen, dass beide Stellen in Briefen auftauchen und diese einen Dialog zwischen Paulus und einer bestimmten Gemeinde mit ihren eigenen Problemen repräsentieren. Wenn wir diese Stellen aus dem Zusammenhang reissen, ist die Gefahr gross, dass man ihren Inhalt falsch versteht und ein verzerrtes Bild erhält. Zweitens sind es schwierige Passagen, mit denen sogar Gelehrte Mühe haben. Deshalb sind sie keine gute Basis, um darauf eine Doktrin aufzubauen. In beiden Stellen geht es darum, Machtmissbrauch zu verhindern, nicht den Frauen die Leiterschaft zu verbieten. Im 1. Korinther 11,1-16 ermutigt Paulus die Frauen, öffentlich zu beten und zu prophezeien, ermahnt sie aber auch, sich anständig zu kleiden und wenn sie verheiratet sind, ihre Ehe nicht zu verleugnen.

1. Korinther 14 spricht über "ungeordnete Reden", in den Versen 34 und 35 geht es also um allgemeines Geschwätz und ablenkende Gespräche, nicht etwa um Beiträge zum allgemeinen Geschehen im Rahmen des Gottesdienstes. Wenn wir 1. Timotheus 2,8-15 lesen, werden Frauen angesprochen, die von einer Gruppe von Ältesten manipuliert worden sind und deshalb nach einer Leiterposition strebten, um so ihren eigenen Lehren Ausdruck zu verleihen.

Diese Stelle meint nicht Frauen, die in Einheit mit der übrigen Leiterschaft leben und wahre Lehren verbreiten. Niemand soll die Gemeinde Irre führen, das gilt sowohl für Frauen wie auch Männer. Der Heilige Geist lebt in den Frauen wie auch in den Männern, deshalb haben Frauen genau dieselben Gaben. Sie werden von Gott gebraucht als Prophetinnen, Lehrerinnen und Leiterinnen, um der Gemeinde zu dienen.

Schlussfolgerung

Wir haben nun sehr viel in wenigen Worten gesagt. Hinter vielen Aussagen stehen viele Seiten oder sogar Bücher genauer Exegese. Aber vielleicht hilft uns dieser kurze Überblick über die Lehren der Bibel zum Thema 'Frauen in Leiterschaft', damit wir es als Ganzes besser verstehen können. Durch den Sündenfall wurde die Einheit von Mann und Frau zerstört. Durch die ganze Geschichte der Erlösung hindurch und besonders durch die Offenbarung des Königreiches Gottes können wir sehen, dass Er diese Einheit wieder am Herstellen ist, damit wir in seiner geplanten Ordnung leben können und die Worte in Galater 3,28 wahr werden: "Jetzt ist es nicht mehr wichtig, ob ihr Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, Männer oder Frauen seid: in Christus seid ihr alle eins."

Es ist ein Privileg der Gemeinde, diese neue Ordnung in Praxis umzusetzen, um der Welt damit Gottes Absichten klar zu machen. Deshalb fragen wir zuerst nach der Begabung der einzelnen Frauen und Männer, um ihnen diese Aufgaben zu übertragen, für die Gott sie bereits berufen hat.

Autoren: Peter und Judy Davids

Datum: 16.06.2003
Quelle: equipped

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