Leiter aus Leidenschaft

«Ein christliches Hotel ist im Prinzip mehr als eine Kirche»

Der Tourismus im Tessin, die Gastronomie allgemein: ein knochenhartes Business. Warum tut man sich das an? Debora und Mario Mosimann leiten zusammen seit zehn Jahren das Centro Paladina. Ihre Antworten versprühen eine solche Leidenschaft, dass diese Frage gerade wieder im Raum verhallt. Ein Interview mit dem Leiterehepaar.

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Debora und Mario Mosimann auf der Terasse des Hotel Paladina
Ein Hotel zu führen, ist ein hartes Stück Arbeit. Warum
tun Sie sich das an?
Debora Mosimann:
Das ist keine Frage des «Sich-Antuns» – das ist Berufung! Hätten wir uns nicht damals vor vielen Jahren sonnenklar von Gott in diese Aufgabe geführt gewusst, wären wir schon längst nicht mehr hier (lacht).
Mario Mosimann: Effektiv la dolce vita. Das Arbeiten erleben wir fast schon als Hobby und Zeitvertreib.
Debora Mosimann: Dieses Wort würde ich sicher nicht wählen!
Mario Mosimann: Nicht alle Aufgaben, versteht sich. Aber wenn man seine Sache gut macht, kommen auch die Gäste! Mit einer schönen Lage allein ist es nicht getan. Wir machen hier die Erfahrung: Wenn man stetig mit Überzeugung, Passion und vollem Elan dranbleibt, ist Erfolg nur eine Frage der Zeit. Auch in harten Zeiten weiter zu investieren und nicht aufzugeben, ist der beste Rat für Unternehmer unserer Branche. Das Tessin hat viel zu bieten und etwas Gutes kann man gut verkaufen. Wir würden selber auch zu uns in die Ferien kommen. Anderen eine Freude zu machen mit etwas, woran man selber Freude hat, ist einfach. So merken wir bis heute, dass wir hier am richtigen Platz sind.
Debora Mosimann: Die Arbeit ist rundum sehr befriedigend. Der Kontakt mit unterschiedlichsten Menschen, das Einbringen seiner eigenen Stärken, die Zusammenarbeit in Ehe und Team…

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In Ihrem Hotelleitbild heisst es: «Come as you are – leave as a friend.» (Komm, wie du bist – geh' wieder als Freund.) Was heisst das konkret?
Mario Mosimann: Wir glauben, dass eine lockere, natürliche und freie Atmosphäre für ein Hotel entscheidend ist – vor allem für ein christliches Hotel. Wo Menschen die Freiheit spüren, sich selbst sein zu dürfen und man von ihnen nicht irgendein Verhaltenskodex erwartet, blühen sie auf. Auch viele nicht-kirchliche Gaste fühlen sich bei uns ganz zu Hause – über solche Feedbacks freuen wir uns besonders. Bei uns ist der Mensch im Mittelpunkt. Es geht uns nicht primär um Umsatz, sondern um die Beziehung zum Gast...
Debora Mosimann: ...und um dessen Beziehung wiederum zu Gott. Hier herrscht keine Religiosität, wir sind ungezwungen, frei, es wird viel gelacht.
Mario Mosimann: Über 60 Prozent unserer Gäste kommen wieder – wir machen hier also etwas richtig. Unter den Gästen sind auch schon Freundschaften auf Lebzeiten entstanden. Darum haben wir keine Einzeltische im Speisesaal. Wir erleben hier Saison für Saison, wie Gäste eine Freundschaft mit Gott starten oder vertiefen. In den Schulferien möchten wir vor allem Familien, und im speziellen jungen Menschen, erlebnisreiche und unvergessliche Tage ermöglichen. So erleben wir, wie Gäste bis in die vierte Generation bei uns ein- und ausgehen. Das zu ermöglichen und zu beobachten, ist ein grosses Geschenk! 

Spiritualität und Hotellerie, wie geht das zusammen?
Mario Mosimann: Alles ist spirituell. Was gibt es Schöneres, als jemandem mit einem Lächeln eine fein duftende Tasse Cappuccino auf unserer Terrasse zu servieren? Das ist doch Nächstenliebe pur – und wird erst noch bezahlt! Wenn man sich anhand der Bibel mal überlegt, was Kirche eigentlich ist, kommt man zwangsläufig zum Schluss: Ein christliches Hotel ist sogar noch mehr als das!
Debora Mosimann: Ich stimme dem zu. Die Frage an sich stört mich. Weshalb unterteilen wir überhaupt in geistlich und weniger geistlich? Alles, was ich von Herzen und für Gott tue, ist geistlich. Ob ich nun Toiletten putze oder mich mit einem Multimillionär unterhalte – auf die innere Haltung kommt es an.
Mario Mosimann: In seinem Ursprung bedeutet das Wort Pfarrer übrigens auch Wirt. Zur rechten Zeit am rechten Ort dem Nächsten zu dienen und ihm ganzheitliche Ferien zu ermöglichen, ist sehr geistlich. Täglich beten wir für unsere Gäste, Lieferanten und Nachbarn – wir können uns eine Arbeit ohne Gebet gar nicht vorstellen. Der Slogan «Ich bin doch nicht blöd» von Media Markt in Beziehung auf die Tatsache, dass Gott hilft, ist matchentscheidend für das Gelingen unseres Unternehmens. Wenn wir schon «Vitamin B» haben, ist das Beten für eine gute Belegung mit den richtigen Gästen das tägliche Brot eines erfolgreichen Hotelbetriebes!

Das Hotel gehört der sozialpädagogischen Stiftung «Gott hilft» an. Sie als Hoteliers nehmen an den jährlichen Tagungen der Betriebsleiter teil, die aus Sozialbereich, Altersarbeit, Aus- und Weiterbildung, Seelsorge und Therapie sind. Was ist dort Ihr Beitrag und was können Sie von ihren Kolleginnen und Kollegen lernen?
Mario Mosimann: Das soziale, menschliche Gedankengut hat einen gesunden Einfluss auf unseren von der knallharten Marktwirtschaft geprägten Alltag. Natürlich fühlt sich ein Hotelier am besten verstanden unter seinesgleichen. Doch ist Leiterschaft, egal, in welcher Branche, im Kern gleich. In diesem Bereich leisten alle Betriebsleiter ihren Beitrag zum Horizontal-Mentoring. Als verkaufsorientierte Leistungsträger haben wir zum Beispiel einen gesunden Einfluss, wenn es um die Frage geht, wie man im Sozialbereich gewinnbringend arbeiten kann.
Debora Mosimann: Lernen kann man immer. Von allen. In Bezug auf Ehe, Familie und Freizeit. Ausschlaggebend dafür ist der Austausch von Erfahrungen.

Zur Webseite:
Hotel Paladina
Verband christlicher Hotels

Zum Thema:
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Datum: 19.07.2016
Autor: Philipp Keller
Quelle: Stiftung Gott hilft

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