Frauenimpulstag

Gebet – Monolog oder Dialog?

Franziska Wüthrich erzählte aus ihrem Gebetsleben.
Franziska Wüthrich aus Sigriswil übt sich darin, mit Gott im Dialog zu bleiben. Sie will nicht nur reden, sondern auch hören. Als sie und ihr Mann fast gleichzeitig ihre Arbeitsstellen verloren, wollte sie von Gott selbst den weiteren Weg erfahren.

«Kürzlich machte ich eine interessante Erfahrung», erzählt Franziska Wüthrich. Anders als sonst liest sie an einem Morgen aus dem Losungsbuch laut vor, ihr Mann hört mit. Kurz danach hören sie den gleichen Vers nochmals im Radio. «Jetzt habe ich meine Antwort bekommen», meint da ihr Mann. Gott hatte durch Franziska und den Radiosprecher zu ihm gesprochen. «Manchmal ist man einfach zur rechten Zeit am rechten Ort», bestätigt Franziska. Nicht immer erkenne man, was daraus wird. Das sei auch nicht wichtig, findet die Jesus-Nachfolgerin.

Gehorchen

Vor einigen Jahren verlor ihr Mann seine Arbeitsstelle und auch ihr wurde angekündigt, dass ihre Anstellung als Lehrerin für textiles Werken nicht weitergeführt werden könne. Sie lag im Liegestuhl im Garten und sprach mit Gott über ihre Situation. Arbeitslosengeld bekamen sie noch nicht, die Zukunft erschien sehr ungewiss. «Steh auf und geh hinters Haus», vernahm sie die Stimme ihres himmlischen Vaters. «Wozu?», begehrte sie zuerst auf. «Ich habe künstliche Kniegelenke, es ist so ein Aufwand, hier wegzugehen…» Schliesslich rappelte sie sich doch auf und betrachtete die grüne Umgebung auf der anderen Seite. «Jetzt ist euer Platz noch hier», vernahm sie und verstand, sie solle sich keine Sorgen machen. Später stellte sich heraus, dass damals auf eine ihrer Bewerbungen bereits positiv reagiert worden war.

Die Schafe kennen ihn

Das Beispiel vom Hirten aus Johannes 10 habe ihr Gebetsleben verändert, sagt die 59-Jährige: «Meine Schafe hören meine Stimme, sie kennen mich und sie folgen mir.» Sie wolle Jesu Stimme erkennen können, ihn hören. «Ich möchte meine Anliegen nicht nur bei meinem Vater im Himmel deponieren, sondern ihn fragen, wie er damit umgehen möchte», erklärt sie. Sie wolle Gottes Herz kennenlernen, nicht lediglich seinen Anweisungen folgen. «Der Mensch lebt nicht vom Brot allein - es geht um mehr als um Versorgung, es geht um Beziehung.» Als sie mit dem Wunsch im Herzen, Gottes Stimme besser kennenzulernen, eine christliche Buchhandlung betrat, fiel ihr ein Buch auf. «Es hiess: «Die Stimme Gottes hören» und war genau das, was ich gesucht habe», erinnert sie sich schmunzelnd.

So peinlich…

Inzwischen ist das Paar frühpensioniert und unternimmt immer wieder Reisen mit einem umgebauten Feuerwehrauto, um Menschen mit Gottes Liebe zu beschenken. Auf solch einer Tour in den Norden hatte sie den Eindruck, sie solle einen Blumenstrauss pflücken und der nächsten Frau schenken, die sie treffe. «Wiesenblumen? Wozu, die kann sich ja jeder selber holen!» Der Impuls blieb, und schliesslich rupfte sie ein paar Blumen ab und stellte ein Sträusschen zusammen. Nur eine Frau war zu sehen, sie hockte auf dem Boden, war tätowiert und voller Piercings. Franziska streckte ihr die Blümchen entgegen und sagte: «Gott liebt dich und deshalb gebe ich dir diesen Strauss.» Überrascht stellte sie fest, dass das Gesicht der Frau zu leuchten begann. «Ich hörte Gott sagen: Bleib du an meinem Herzen. Es muss es dich nicht kümmern, was ich mit dieser Frau vorhabe.» Sie habe sich nun geschämt, keinen grösseren Strauss gesammelt und die Aufforderung nicht sofort umgesetzt zu haben. Doch sie habe gelernt, die leisen Impulse ernst zu nehmen, die sie empfängt.

Schriftlicher Kontakt

«Was man aufschreibt, kann man sich besser merken», erklärt die kreative Frau. Sie hat sich daher ein Heft angeschafft, in dem sie die Dialoge mit Gott jeweils festhält. «Man kann auch zeichnen – so werden beide Hirnhälften aktiviert.» Sie erzähle Gott, was sie beschäftige, und schreibe dann den ersten Eindruck auf, der darauffolge. Und dann den ganzen Dialog, der sich entwickle. So könne sie später alles nachlesen und erkenne oft noch besser, was Gott ihr sagen wolle. Er gebe keine Arbeitsaufträge, er wolle in Beziehung leben mit uns. Sie höre oft: «Ich liebe dich, du bist mir wichtig - nicht das, was du machst.» Seit Kindheit seien wir gewohnt, Anweisungen zu befolgen. Dass Gott es liebe, einfach in Kontakt mit uns zu sein, ohne ständig Aufträge zu erteilen, müssten wir erst lernen. «Wenn wir uns selbst nicht für liebenswert halten, glauben wir auch nicht, dass er es tut.» Aber Gott nehme unser Fragen und Suchen ernst, wir seien ihm wichtig, betont sie. Er sagt zu uns: «Sei meine Tochter, ohne die Blockade, dass du mir dienen musst. Sonst hörst du die feinen Töne nicht.»

Heilen statt entfernen

«Wir wollen oft, dass Gott etwas Schmerzhaftes wegnimmt», resümiert sie aus ihren Erfahrungen als Traumabegleiterin. «Das tut er selten - aber er kann heilen.» Sie schätzt das hörende Gebet. Dieses sehr persönliche Zusammensein mit Gott sei dem Teufel zuwider. Denn hier erfahre man: «Ich bin immer bei dir und damit bist du immer bei mir.» Durch Leistung könne man Ziele erreichen, doch Gott erschaffe Neues. Sie macht Mut, den Dialog mit Gott zu üben, auch wenn einem Fehler unterlaufen. «Er freut sich, wenn du zu ihm kommst!»

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Datum: 03.04.2024
Autor: Mirjam Fisch-Köhler
Quelle: Livenet

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