Gegen Genitalverstümmelung

17-jährige Kenianerin entwickelt App und gewinnt Technologie-Preis

Über 200 Millionen Frauen und Mädchen sind weltweit von Genitalverstümmelung betroffen. Dies nahm die 17-jährige Synthia zum Anlass und entwickelte eine App, um betroffenen Mädchen zu helfen.
Die 17-jährige Synthia entwickelte die App, um Mädchen zu helfen, die von Genitalverstümmelung betroffen sind.
Synthia und ihre vier Freundinnen, die Erfinderinnen der App gegen Genitalverstümmelung.

Genitalverstümmelung an junge Mädchen (auf Englisch Female Genital Mutilation, kurz FGM) ist leider in vielen Ländern immer noch eine weitverbreitete Praxis. Weltweit leben über 200 Millionen Mädchen und Frauen, die sich mit 13 Jahren dem Beschneidungsritual unterziehen mussten, bei dem die äusseren weiblichen Geniatalien ganz oder teilweise abgeschnitten werden. Vor allem in afrikanischen Ländern ist diese Praxis gang und gäbe. Ein Viertel der Frauen Kenias sind verstümmelt, obwohl dieses Ritual offiziell verboten ist.

Synthia kommt aus einem Dorf am Viktoriasee. Sie selbst entkam diesem schrecklichen Schicksal, erlebte es aber bei einer Freundin. «Sie war ein sehr freundliches und lebhaftes Mädchen, alle mochte sie», erinnert sich die 17-Jährige. « Aber nachdem sie beschnitten worden war, kam sie nie mehr zur Schule. Dabei war sie eines der intelligentesten Mädchen, das ich kannte. Sie hatte eine grosse Zukunft vor sich.»

App mit Notfallknopf

Das Schicksal ihrer Freundin und der vielen anderen Mädchen ihres Landes berührte sie. Und so machte sich die Technologie-versessene Synthia mit vier Freundinnen an die Entwicklung einer App, welche Mädchen vor einer möglichen Beschneidung retten soll. Durch einen Notfallknopf können betroffene Mädchen sofort per Handy die Polizei alarmieren, damit diese sie vor dem illegalen Ritual schützen kann. Aber auch für Mädchen, die bereits verstümmelt wurden, bietet die App Hilfestellungen, beispielsweise Wegbeschreibungen zur nächsten Notfallstation. Denn neben den emotionalen und psychologischen Folgen von FGM birgt der Eingriff auch grosse gesundheitliche Risiken wie Blutungen, Infektionen, Probleme beim Wasserlösen und Komplikationen bei Geburten.

Nachdem sich die fünf Mädchen beim 2017 Technovation Challenge beworben hatten, der von Google, Verizon und der UNO gesponsert wird und Mädchen ermutigt, Technologien zu nutzen, um Probleme zu lösen, landeten sie auf dem 2. Platz. Mit den 10'000 US-Dollar Gewinngeld werden sie jetzt die App weiterentwickeln und letztlich in den Google-Play-Store bringen.

Gebete der Paten unterstützten sie

Für Synthia, die älteste von elf Kindern, deren Eltern mit gerade mal 2 Franken pro Tag überleben, ist das ein riesiger Erfolg. Sie selbst hatte durch die christliche Hilfsorganisation Compassion International die Chance, die Schule zu besuchen. «Ich bin so dankbar, dass ich ein Compassionkind bin. Durch die Liebe meiner Lehrer im Kinderzentrum und durch die Gebete meiner Paten hatte ich die Gelegenheit, etwas zu erreichen.» Nach ihrem Schulabschluss möchte das Mädchen Computeringenieurin werden – und ein Vorbild für andere Mädchen. Sie sollen lernen, dass man seine Talente einsetzen kann, um Probleme zu lösen.

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Datum: 31.10.2017
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / Compassion Schweiz

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