Joaquin Phoenix

«Jesus war ein Mann aus Fleisch und Blut»

Durch seine Rolle als Jesus in dem Film «Maria Magdalena» wurde er besonders vom Konzept der Vergebung fasziniert, sagt der amerikanische Schauspieler Joaquin Phoenix in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ). Als gläubig bezeichnet sich der jüdisch-stämmige Schauspieler indes nicht.

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Filmausschnitt aus «Maria Magdalena»
Phoenix, der durch Filme wie «Gladiator», «Her» und «I'm Still Here» bekannt ist, war dreimal für den Oscar nominiert. Für seine Rolle als Johnny Cash tauchte er tief in die Psyche des drogenabhängigen Country-Stars ein. Jetzt spielt der 43-Jährige im Film «Maria Magdalena», der am Donnerstag in die Kinos kommt, Jesus Christus.

«Eine überlebensgrosse Ikone»

Auf die Frage, wie man Jesus spielt, ohne als Klischee zu enden, antwortet Phoenix: «Diese Frage hat mir schlaflose Nächte bereitet, sie hat mir Angst gemacht.» Jesus sei für ihn eine «überlebensgrosse Ikone», und entsprechend hoch seien die Erwartungen. Schliesslich habe er sich den Fakten gewidmet und für sich festgestellt: «Du spielst Jesus von Nazareth, einen Mann aus Fleisch und Blut. Mein Weg in diese Rolle war diese menschliche Verbindung.»

Grosse Bedenken habe der Schauspieler etwa bei dem Vollbringen von Wundern gehabt. Phoenix: «Dann habe ich mir das ganz praktisch vorgestellt. Die Menschen, die zu Jesus kamen und auf Heilung oder Erlösung hofften, waren Ausgestossene.» Sie seien von den Nachbarn gemieden worden, «und da war dann plötzlich dieser Mann, der dich willkommen heisst und sogar berührt. Er sieht dich an und erkennt deine Existenz an. Ich glaube, das hat eine enorme heilende Kraft.»

«Frauen brauchen nicht den Segen der Männer»

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Filmausschnitt aus «Maria Magdalena»
Über den Film sagt er weiter: «In unserem Film zeigen wir, welchen Einfluss Maria Magdalena auf das frühe Christentum hatte und wie wichtig sie unter den Jüngern war. Keiner der anderen Jünger war bei seiner Kreuzigung dabei, auch nicht bei seiner Auferstehung. Das zeigt, wie mutig sie war.» Er finde es indes «ganz schön krank», dass die einzigen beiden Beispiele für Frauen, die sich in der Bibel finden, «die Jungfrau oder die Hure» seien. «Deswegen fand ich dieses Filmprojekt aufregend. Weil junge Frauen hier auf so positive Weise im biblischen Kontext gezeigt werden. Das finde ich wichtig.»

In Bezug auf die aktuelle Debatte um Gleichberechtigung sagt Phoenix: «Frauen brauchen nicht den Segen der Männer, um sich wirklich zu emanzipieren. Und das ist auch die Botschaft unseres Films.» So sage Maria Magdalena etwa in einer Szene zu Petrus: Ich bin nicht hier, um deine Zustimmung zu erbitten für etwas, das ich für wahr halte. Phoenix fügt hinzu: «Ein starkes Statement!»

Interessiert am Konzept der Vergebung

Auf seine eigene Religiosität angesprochen, sagt der Schauspieler: «Meine Eltern glauben an Gott. Ich bin zwar Jude, weil meine Mutter Jüdin ist. Aber sie glaubt an Jesus Christus, weil sie da eine Verbindung spürt. Aber richtig religiös waren wir nicht. Als Kind bin ich höchstens ein paar Mal in die Kirche gegangen. Meine Eltern hatten immer dieses alternativ-spirituelle Verständnis der Welt. Und sie haben uns Kinder ermutigt, zu glauben, was immer wir wollten. Es gab kein Dogma.»

Er glaube an keine bestimmte Religion, aber ihn interessiert besonders das Konzept der Vergebung. «Dieser Film hat meine Vorstellung davon verändert. Ich dachte immer, sie sei für den am wichtigsten, dem vergeben wird. Aber jetzt denke ich, es ist genau umgekehrt. Derjenige, der vergibt, wird erleichtert. Denn es ist so schwierig, zu verzeihen, zu vergeben. Es verändert einen. Vergebung hat eine enorme Kraft. Dieser Gedanke bewegt mich.»

 

Zum Originalartikel auf PRO

Zum Thema:
Bibel im Kino: Die Jüngerin
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Datum: 18.03.2018
Autor: Jörn Schumacher
Quelle: Christliches Medienmagazin pro | www.pro-medienmagazin.de

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