Nord-Süd Tag

Appell an das soziale Gewissen der Evangelikalen

Am Nord-Süd Tag der Kampagne „StopArmut 2015“ hat der in Sri Lanka lebende Generalsekretär der International Fellowship of Evangelical Students (IFES), Vinoth Ramachandra, die evangelischen Christen der Schweiz aufgerufen, den Kampf gegen die Armut entschiedener zu unterstützen.


Bild: Afrikanischer Chor

Zur Tagung hatte der Schweizer Zweig der weltweiten Aktion „StopArmut“ eingeladen, welcher der Evangelischen Allianz nahe steht. Dabei wurden auch vier Projekte eines Wettbewerbs für beispielhafte und zukunftsweisende Projekte zur Behebung der Armut ausgezeichnet.

Missionsbefehl nicht verkürzen

Der Missionsbefehl, so Ramachandra, rufe nicht allein zur Bekehrung auf, sondern auch zur Veränderung der gesellschaftlichen Zustände. Nicht nur die Rettung des Einzelnen sei der Auftrag von Jesus Christus, sondern auch Frieden und Gerechtigkeit. Der Auftrag, alle Menschen zu Jüngern zu machen, sei ein Mandat zur Veränderung der Gesellschaft weltweit. Gerade die „Bibeltreuen“ lesen – so die Kritik von Ramachandra – die Bibel selektiv und leiten ihre Theologie von biblischen Aussagen ab, die sie aus dem Zusammenhang reissen.

Der Einzelne könne, so Ramachandra, mehr zur Veränderung leisten, als man für möglich halte. Er verwies dabei auf die farbige Amerikanerin Rosa Parks hin, deren ziviler Ungehorsam zum Busboykott der Schwarzen in der Stadt Montgomery und schliesslich zur Aufhebung der Rassentrennung geführt habe. Um Menschenrechte müsse man nicht bitten, sondern solle sie bei den Herrschenden einfordern.

Radikale biblische Forderungen

Ramachandra verwies dabei auf das dritte Buch Mose, das den Anstoss für die Entschuldigungsaktion Jubilee 2000 gegeben habe. Das Beispiel zeige, dass die Bibel radikale Forderungen enthalte, deren sich gerade die Christen oft nicht mehr bewusst seien. Oft seien es Nichtchristen, die zuerst auf urbiblische Forderungen hinwiesen. Erst danach entdeckten es auch Christen wieder.

Das Soziale lasse sich nicht vom Spirituellen trennen, so sein Vorwurf an die Evangelikalen. „Die Gesellschaft ist auch in uns, nicht nur um uns herum.“ Er rief die Evangelikalen auf, ihr Menschenbild zu überdenken.

Christen sollen kritische Bürger sein

Kareen Ramachandra, die Ehefrau von Vinoth, ermutige die Schweizer Christen in einem zweiten Referat, die Aussenpolitik ihres Landes, die gegenwärtigen Handelspraktiken und das Kreditwesen gegenüber der dritten Welt kritisch zu betrachten. Insbesondere die Schweizer Banken und die Pharmaindustrie spielten weltweit gesehen eine problematische Rolle.

Das Mittagessen fand in der einmaligen Form eines „Weltmahls“ statt. Vier Teilnehmende genossen dabei ein üppiges, reiches Essen, ein weiterer Teil ein normales und ein dritter Teil erhielt lediglich eine karge Mahlzeit. Im anschliessenden Abendmahl wurden jedoch gerade die „Armen“ reichlich versorgt.

Wettbewerbsgewinner ausgezeichnet

Der von StopArmut 2015 lancierte Projektwettbewerb für beispielhafte Projekte wurde vom Projekt Onesimo gewonnen. Eine Familie aus einer Basler Freikirche baute in den Slums von Manila eine Arbeit unter Kindern und Jugendlichen auf und ermöglicht ihnen damit eine bessere Zukunft.

Mit der StopArmut2015-Kampagne rufen die evangelikal geprägten Hilfswerke der weltweiten Evangelischen Allianz die Regierungen auf, die Milleniumsziele, insbesondere die Halbierung der weltweiten Armut, zu verwirklichen. Diese wurden von den Regierungen der UNO-Mitgliedsländer im Jahr 2000 in acht Punkten formuliert.


In der Schweiz wurde die Aktion vom Hilfswerk Tear Fund lanciert, unterstützt von weiteren Organisationen. Die Aktion will nach den Absichten der Projektverantwortlichen auch das gesellschaftlich-soziale Bewusstsein der Evangelikalen schärfen. Eine Reihe von Workshops trug an der Tagung dazu bei. Sinnigerweise wurde das Musikprogramm durch eine Gruppe afrikanischer Christen gestaltet.

Datum: 19.10.2005
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet.ch

Publireportage

Täglich inspirierend
Auf Livenet.ch können der Mann und die Frau von nebenan ebenso in einer News-Meldung vorkommen wie der Hollywoodstar. Dieser einzigartige Livenet-Mix ist es, der die Macher wie auch die Leser begeistert.

Anzeige

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Fazit nach WM-Einsätzen
Im Laufe der Fussball-WM wurden auf russischem Boden mehr als eine halbe Millionen Menschen erreicht. Zu dieser Bilanz kommt die «Mission Eurasia»....
JAM Schweiz-Leiter in Angola
Nelli Sattler, Geschäftsführerin vom JAM Schweiz, war zusammen mit weiteren Leitern ihres Teams sieben Tage in der Provinz Benguela in Angola...
Stami St. Gallen
Seit zehn Jahren befindet sich die Stami St. Gallen in einem Quartier. Dieses ist ein Schwerpunkt in der Arbeit der Gemeinde. Gleichzeitig ist aber...
100 neue Gemeinden
Die Kirche von England hat grosse Pläne: Innerhalb der nächsten Jahre sollen landesweit 100 neue Gemeinden gegründet werden, nicht nur traditionelle...

Werbung

RATGEBER

Einander ertragen Wie man Miteinander auskommt
Wenn man selbst angespannt und gestresst ist, sind meistens auch noch die anderen seltsam. Weil man...

Adressen

CGS ECS ICS

Werbung

Livenet Service