Christen und Homosexualität

Pastor Kaltenbach: «Grosser Unterschied zwischen Annehmen und Zustimmen»

Caleb Kaltenbach wuchs bei seiner lesbischen Mutter und ihrer Partnerin auf. Doch dann kam er zum Glauben an Jesus Christus. Heute ist er Pastor und spricht sich offen gegen homosexuelle Beziehungen aus. Und doch sieht er einen grossen «Unterschied zwischen Annahme und Zustimmung», insbesondere in der Debatte um die LGBTI-Community.

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Caleb Kaltenbach
«Ich glaube, wir sind dazu berufen, jeden Mensch als Einzelperson anzunehmen. Das bedeutet aber nicht, dass wir all ihren Lebensentscheidungen zustimmen», erklärte Caleb Kaltenbach seine Position vor Kurzem in einem Interview mit einem Professor vom Dallas Theological Seminary. «Jeden Sonntag sollte jeder die Möglichkeit haben, durch die Türen meiner Gemeinde zu kommen und den Gottesdienst zu besuchen. Ich weiss aber bereits, dass ich jeden Sonntag die Hand von Leuten schüttle, die in der vergangenen Woche gewisse Entscheidungen getroffen haben, denen ich nicht zustimmen würde. Aber das bedeutet nicht, dass ich sie deshalb nicht als Mensch akzeptiere.»

Wie auf dem Missionsfeld

Doch hiermit, so Kaltenbach, haben viele Christen ein Problem. Und so sind sie auch nicht bereit, sich mit der LGBT-Kultur zu befassen. Doch dies sei unbedingt nötig, wenn man auch diese Menschen für Jesus erreichen will. Der Pastor aus Kalifornien vergleicht das mit der Mission in fremden Ländern. «Wenn ein Missionar in einen anderen Kontinent geht und das Evangelium dort einer bestimmten Kultur predigt, müssen sie den grossen Zusammenhang sehen. Sie müssen die Kultur kennenlernen, sich mit ihr befassen – nicht um dadurch das Evangelium zu verwässern, sondern um die Kultur als Gefäss zu nutzen, um das Evangelium weiterzugeben.» Genauso müssten Christen auch heute auf andere, ihnen vielleicht fremde Menschen zugehen. «Viele Christen sind, aus welchem Grund auch immer, nicht bereit, dies zu tun, wenn es sich um bestimmte Menschen handelt, darunter auch die LGBT-Gemeinschaft.»

Lieben, ohne Überzeugung aufzugeben

Als Kaltenbach im LGBT-Umfeld aufwuchs, erlebte er viel Feindschaft und Nichtakzeptanz von Seiten verschiedener Christen. Deshalb sieht er es auch heute als seine Lebensmission an, Christen und Gemeinden darin zu unterstützen, liebevoll auf beispielsweise homosexuelle Menschen zuzugehen und sie nicht von vornherein zu verurteilen. Aus diesem Grund schrieb er auch das Buch «Messy Grace: How a Pastor With Gay Parents Learned to Love Others Without Sacrificing Conviction» (Chaotische Gnade: Wie ein Pastor mit homosexuellen Eltern lernte, andere zu lieben, ohne seine Überzeugungen aufzugeben), das 2015 erschien.

Den Nächsten lieben – auch wenn er schwul ist?

«Nur wenige Themen der Christenheit sind so polarisierend wie die Annahme der LGBT-Community in der Gemeinde», heisst es in einer Beschreibung zum Buch. «'Messy Grace' zeigt uns, dass Jesu Befehl, den Nächsten zu leben, keine Ausnahmeklausel für schwule 'Nächste' hat oder für jeden 'Nächsten', mit dem es uns schwerfällt, eine Beziehung aufzubauen. Jesus liebte diese Menschen und hielt dennoch an seinem Glaubenssystem fest. Das können wir auch.»

Zum Thema:
Vom Agnostiker zum Pastor: «Gott liebt chaotische Menschen»
Michael Glatze: Früher LGBT-Aktivist, heute glücklich verheiratet und Pastor
«Gay West» in Bern: Christen im Gespräch mit Homosexuellen

Datum: 22.09.2017
Autor: Rebekka Schmidt
Quelle: Livenet / Christian Post

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