Markus Wäfler zweiter EDU-Nationalrat – Heiner Studer wieder gewählt

Die beiden evangelischen Parteien EVP und EDU werden im Nationalrat wieder eine Fünfer-Fraktion bilden können – und zwar ohne ausserparteilichen Zuzug: Aus dem Kanton Zürich kommt ein zweiter Vertreter der Eidgenössisch-Demokratischen Union nach Bern; er ersetzt den abgewählten Unabhängigen Roland Wiederkehr.

Die EVP-Vertreter Ruedi Aeschbacher (ZH) und Walter Donzé (BE) und Christian Waber von der Berner EDU schafften den Wiedereinzug problemlos. Dem Aargauer EVP-Politiker Heiner Studer, seit 1999 in Bern, gelang die Wiederwahl mit einer eindrücklichen Steigerung seiner persönlichen Stimmenzahl von 14'000 auf 25’000.

Sieger mit jugendlicher Truppe

Der Wettinger Vizeammann und frühere Blaukreuz-Geschäftsführer wusste allerdings bis am Sonntag Abend nicht, ob er es schaffen würde. Für ein Aargauer Vollmandat braucht es 6,25 Prozent der Stimmen. Die Unterstützung der Evangelischen Volkspartei durch den Landesring (1999: 2 Prozent) fiel diesmal weg. Dazu kam, dass die EDU des Kantons Aargau wegen Kandidatenmangel im Juli überraschend auf eine eigene Liste verzichtete.

Darauf ging die EVP eine Listenverbindung mit der CVP ein. Für den verurteilten Paraplegie-Arzt Guido Zäch rückte im Sommer die Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel Näf, die frühere OL-Schweizermeisterin, in den Nationalrat nach. Dies zahlte sich für die CVP aus; sie verlor weniger Wähler als befürchtet.

Die Aargauer EVP steigerte ihrerseits mit zahlreichen jungen Kandidatinnen und Kandidaten (nicht nur auf der Jugendliste) ihren Stimmenanteil markant von 3,8 auf 5,2 Prozent. Doch nur weil Heiner Studer zahlreiche Stimmen von Nicht-EVP-Wählern erhielt, kann er weiter im Bundeshaus wirken. Abgewählt wurde der CVP-Mann und frühere Bauernverbandspräsident Melchior Ehrler.

EDU Zürich: Rechtsaussen-Pakt erfolgreich

Mit Markus Wäfler hat die EDU ihr nationales Wahlziel erreicht: Der 55-jährige Agrotechniker und Verfassungsrat aus dem Zürcher Unterland gewann für die Kleinpartei, die im Kantonsrat bloss einen Vertreter hat, einen der 34 Zürcher Nationalratssitze.

Möglich wurde dies nach einem mit Inseraten wirkungsvoll gestalteten Wahlkampf durch die Listenverbindung mit serbelnden Rechtsaussenparteien, vor allem den Schweizer Demokraten. Mit ihrer eigenen Liste gewann die EDU nur 70 Prozent der für ein Vollmandat nötigen Stimmen. In allen Bezirken ausser der Stadt Zürich und den Agglomerationsbezirken Horgen und Dietikon (Limmattal) legte die evangelikal-freikirchlich politisierende Partei deutlich zu. Insgesamt scharte sie 2,1 Prozent der Wähler hinter sich (1,8 Prozent 1999).

Markus Wäfler äusserte sich sehr erfreut über den Erfolg der Kleinparteien im Verbund. Der Vater von sechs Kindern will sich für die Wertschätzung von Ehe und Familie im Gemeinwesen einsetzen. „Bei allem, was ich tue, frage ich mich: Was sagt Gott zu unserem Handeln. Gott will unser Land segnen und darum lohnt es sich, nach seinem Willen zu fragen."

EVP Zürich: Stimmenzuwachs im Schatten des grünen Triumphs

Weil die Grünen im bevölkerungsreichsten Schweizer Kanton ihren Wähleranteil verdoppelten (von 4,1 auf 8,5 Prozent!), ging die Rechnung der EVP nicht auf: Sie erhoffte sich von der Listenverbindung mit der Umweltpartei und der CVP einen zweiten Sitz, doch es kam anders: Zwar gewannen die drei Parteien miteinander zwei Sitze hinzu, doch es sind die Grünen, die statt einen neu drei Vertreter nach Bern schicken. Parteipräsident Ruedi Aeschbacher bleibt der einzige Zürcher EVP-Nationalrat.

Immerhin steigerte die EVP mit dem Oberländer Bio-Bauer Gerhard Fischer, der im Bezirk Affoltern bekannten Lisette Müller-Jaag, dem unverwüstlichen Pfarrer Ernst Sieber auf der Seniorenliste und weiteren engagierten Kandidaten ihren Stimmenanteil von 3,5 (1999) auf 4,1 Prozent.

Kleine Parteien zwischen den Polen nicht zerrieben

Nicht nur auf dem Land legte die EVP zu: In Winterthur, wo sie neu in der Stadtregierung sitzt, erreichte sie bemerkenswerte 5,8 Prozent (in der Stadt Zürich 3,0 Prozent). Davon, dass die kleinen Parteien der Mitte durch die verstärkte politische Polarisierung zerrieben werden, kann jedenfalls an der Limmat keine Rede sein. Auch die CVP, die in Zürich links der Mitte politisiert, legte leicht zu (von 5,2 auf 5,4 Prozent).

Notabene: Hätten sich Zürcher EVP und EDU für die Wahl miteinander verbandelt – sie hätten auch zwei Sitze erzielt. So aber fielen die überschüssigen EVP-Stimmen (wie die der CVP, die deutlich näher an ein zweites Mandat herankam) den Grünen zu.

Bern: EVP steigert sich, EDU stagniert

Die E-Parteien des Kantons Bern stellen weiterhin zwei Nationalräte: den Frutiger Walter Donzé und den Emmentaler Christian Waber. Während die EDU seit 1995 stagniert (sie kam jetzt knapp an die damaligen 4,2 Prozent heran), steigerte die EVP ihren Wähleranteil von 4,0 Prozent 1999 auf 5,2 Prozent.

Vor zwölf Jahren hatten nur 3,1 Prozent der Wähler die EVP eingelegt. Die EVP hat in den 90-er Jahren mit zahlreichen Gründungen von Ortsparteien ihre Präsenz im Kanton verstärkt; dies zahlte sich nun aus. Die beiden Parteien haben ihren gesamten Stimmenanteil im Kanton von 6,1 Prozent bei den Wahlen 1987 auf 9,3 Prozent gesteigert.

EVP und EDU in mehr Kantonen präsent

Der Wähleranteil der EVP stieg ausser im Thurgau und in Basel in allen Kantonen, wo die Partei antrat (erstmals in Freiburg und Solothurn). Im nationalen Durchschnitt kommt sie neu auf 2,5 Prozent (1999: 1,8 Prozent). Die EDU trat in neun Kantonen an (1999: sechs Kantone) und holte 1,5 Prozent (1,25 Prozent).

Der Erfolg der EVP ist nicht zuletzt dem Parteisekretär, Joel Blunier, zu verdanken, der zum erstenmal einen nationalen Wahlkampf organisierte. Laut einer Pressemitteilung der Partei haben sich „in Zeiten der Polarisierung viele Wählende für eine Partei entschieden, welche blockunabhängig und lösungsorientiert politisiert“.

Mit dem Resultat des 19. Oktober wird es fünf evangelische Mannen in der Grossen Kammer geben, die von der Parteienstärke her insgesamt leicht nach links gerutscht ist. Das Gewicht des Grüppchens ist nicht zu unterschätzen. Wie Heiner Studer gegenüber Livenet sagte, wird die Evangelische Fraktion in der neuen Amtsperiode wieder bei manchen Vorlagen das Zünglein an der Waage spielen können.

Markus Wäfler in der Livenet-Wahlumfrage:
http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/400/10352/

SVP-Triumph - Mitte-Parteien bös gerupft - politische Fronten verhärten sich
http://www.livenet.ch/www/index.php/D/article/188/10712/

Forum und Umfrage zu den Wahlen:
http://www.livenet.ch/forum/thread.php?threadid=4610

Datum: 20.10.2003
Autor: Peter Schmid
Quelle: Livenet.ch

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