Meisterfeier am Pfingstsonntag

YB dribbelt das Feiertagsgesetz aus

König Fussball hat die Stadt Bern fest im Griff. Das Ruhetagsgesetz hat er schon mal ausgehebelt. YB darf seine Meisterfeier am Pfingstsonntag durchführen. Warum nicht am Pfingstmontag? Weil es YB so will. EVP-Grossrat Marc Jost ärgert sich über diesen Entscheid.

Zoom
Marc Jost
Mediensprecher Staudenmann: «So können die Spieler den Montag zur Regeneration nutzen.» Wäre die Feier am Montag, dürfte es im Training am Dienstag an Konzentration mangeln.

Zuerst Nein, dann plötzlich Ja

Gemäss dem kantonalen Feiertagsgesetz sind an hohen Feiertagen Anlässe verboten, welche «die Ruhe erheblich beeinträchtigen». Darunter fallen Sportveranstaltungen und grosse, nicht religiöse Veranstaltungen. Folgerichtig lehnte Regierungsrat Hans-Jürg Käser die YB-Anfrage zuerst ab. Der Entscheid sei endgültig, liess Käser verlauten, eine Ausnahmebewilligung «nach juristischer Prüfung nicht möglich». Doch «konstruktive Gespräche» haben alles gerichtet. Über Nacht drehte der Wind und die Meisterfeier findet nun doch am Pfingstsonntag statt.

Ermessensspielraum mehr als ausgenutzt

Zoom
Der BSC Young Boys ist Schweizer Meister 2018.
Wie wird der Meinungsumschwung begründet? Als einzige Ausnahme ist im Gesetz die Durchführung von «traditionsreichen» Anlässen vorgesehen. Und so heisst es jetzt: «Die Stadt Bern als zuständige Vollzugsbehörde des Feiertagsruhegesetzes hat die Meisterfeier des BSC YB als traditionsreichen Anlass eingestuft.» Und weiter: «Dies mit Blick darauf, dass die Schweizer Fussballliga seit über einem Jahrhundert besteht und eine Meisterfeier traditionell jeweils am Ende der Meisterschaft in der jeweiligen Stadt gefeiert wird.» Als ob YB-Meisterfeiern in Bern Tradition hätten.

Marc Jost: «Erstaunt und verärgert»

Einer der es wagt, den Kniefall vor dem in Bern zurzeit heiligen Fussball zu kritisieren, ist der Thuner EVP-Grossrat und SEA-Generalsekretär Marc Jost. Er sei «sehr erstaunt und verärgert» über das Verhalten der Behörden. Natürlich freue auch er sich sehr über den Erfolg des BSC YB. Was er bemängelt ist der Umgang mit dem Gesetz. Darunter leide die Glaubwürdigkeit der Politik und der staatlichen Institutionen. Jost hält die Begründung des Entscheids für fragwürdig. «Pfingsten hat seit 2'000 Jahren Tradition – die YB-Meisterfeier leider nicht», sagt er. Auch Josts Parteikollege, Grossrat Ruedi Löffel, runzelt die Stirn. Seit bald 50 Jahren fiebere er mit YB und freue sich herzlich über den Titel, erklärte Löffel dem Bund. Als Politiker sei er aber erstaunt, dass ein bestehendes Gesetz so grosszügig interpretiert werde. Das könne Begehrlichkeiten und falsche Hoffnungen in Bezug auf andere Gesetze wecken.

Als wäre ein neues Zeitalter angebrochen

Der Stadt Bern als zuständiger Vollzugsbehörde komme bei der Auslegung des Gesetzes ein Ermessensspielraum zu, lässt diese mitteilen. Und die Polizei- und Militärdirektion als Aufsichtsbehörde hält die rechtliche Einschätzung der Stadt Bern für vertretbar. Der Blick kommentiert das Berner Gemauschel so: «Nun aber drücken der Kanton und die Stadt Bern ein Auge zu. YB darf am 20. Mai feiern – und am nächsten Tag den Rausch ausschlafen.» Seit YB Schweizer Fussballmeister ist, denkt man in Bern nur noch schwarz-gelb. Als wäre ein neues Zeitalter angebrochen, wurden die Zeiger der Wankdorf-Matchuhr auf dem Quartierplatz neu gestellt, auf 88:27. Das ist der Zeitpunkt, in dem Jean-Pierre Nsame das Meistertor gegen Luzern erzielt hat.

Zum Thema:
Nacht des Glaubens: Die Kirche steht im Abseits
Aldi und Lidl machen mit: Verzicht auf Sonntagsverkauf an Heiligabend?

Sonntagsschutz gefordert: Sonntagsallianz will bei Bundesrat vorsprechen

Datum: 04.05.2018
Autor: Rolf Höneisen
Quelle: idea Schweiz

Kommentare

Solch eine Entscheidung ist ja nun nicht wirklich überraschend. Bern ist noch viel stärker als Zürich praktisch vollständig marxistisch regiert. Jede Entscheidung, die christliche Werte, Traditionen usw. einschränken oder ausser Kraft setzen kann, wird damit auch weiterhin problemlos durchkommen. Wir leben derzeit noch von den eingelagerten Früchten der Bäume, die wir längst gefällt haben. (frei nach Armin Sierszyn)
Nun ja, als Berner bin ich auch ein YB-Fan und freue mich, dass es ihnen nach langer Zeit gereicht hat, den Meistertitel zu holen. In dieser Saison haben sie konstanter gespielt, was sich auch bezahlt machte. Anderseits bin ich mit Marc Jost völlig einverstanden, dass die Feier an Pfingsten und nicht am Pfingstmontag stattfindet. Die Begründung, am Dienstag müsse wieder ein Training stattfinden, finde ich völlig haltlos. Das Training an diesem Tag zu verschieben, oder auszulassen, wäre ohne weiteres möglich gewesen. Schade, dass die Berner Regierung "eingeknickt" ist, und nachgegeben hat. Hier wäre eine feste Haltung angebracht gewesen, ohne das Gesicht zu verlieren.

Kommentar schreiben

Bitte melden Sie sich an oder registrieren Sie sich neu, um diesen Artikel zu kommentieren.
Anmelden
Mit Facebook anmelden

Anzeige

Diese Artikel könnten Sie interessieren

Grosse Säuger im Mittelmeer
Vor zweitausend Jahren war das Mittelmeer ein Zufluchtsort für zwei Walarten, die inzwischen praktisch aus dem Nordatlantik verschwunden sind. Bisher...
Marriage & Family Award 2018
Bevor im Februar 2019 in Los Angeles die nächste Oscar-Verleihung über die Bühne geht, vergibt das Forum Ehe+Familie (FEF) schon am 3. November einen...
Kritik an Migros-Aktion
Wenn einer der beiden Schweizer Grossverteiler eine Aktion zur Verkaufsförderung startet, geht er manchmal an die Grenzen des Zuträglichen. Gerade...
Islamischer Sender geschlossen
Der erste islamische Fernsehsender auf Spanisch wurde geschlossen. «Córdoba Internacional Television» war 2012 vom Scheich Abd Al-Aziz Fawzan Al-...

Werbung

RATGEBER

Plötzlich Single Vier Dinge, die durch eine Scheidung helfen können
Eine Scheidung ist nervenaufreibend und verletzend. Seelsorgerin Kathey Batey hat in den...

Adressen

CGS ECS ICS

Werbung

Livenet Service