Dialogpreis Schweizer Juden

Bundesrat Berset über die «wahre Schweizer Zauberformel»

Ein Preis für drei Religionen: Erstmals ist der «Dialogpreis Schweizer Juden» vergeben worden – An einen Imam, einem Rabbiner, einem Diakon und einem jüdischen Vorbeter. Der Preis soll den Zusammenhalt stärken, wie die Preisverleiher gemeinsam mitteilen.

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Bundesrat Alain Berset, Herbert Winter, SIG-Präsident, Jean-Marc Brunschwig, PLJS-Co-Präsident (v.l.n.r.)
«Wir leben in paradoxen Zeiten», sagte Bundespräsident Alain Berset in seiner Festrede vor rund 300 Gästen. Einerseits hätten die Menschen die Möglichkeit, sich umfassend zu informieren und über Grenzen hinweg auszutauschen. Andererseits würden insbesondere über Soziale Medien Gerüchte und Unwahrheiten gestreut, sodass sich Intoleranz, Fremdenhass und Antisemitismus weiter ausbreiten würden. «Wir dürfen nicht aufhören, die Aufklärung weiterzuführen» sagte Berset.

Berset: «Wenn es den Anderen gut geht, geht es uns auch gut»

Die Schweiz sei «zum Glück eines der kompliziertesten Länder der Welt» und ein Land der Minoritäten. Es fehlten alle gängigen Attribute einer Nation, wie eine gemeinsame Sprache, Religion etc. Jede Aggression gegenüber einer Minderheit sei auch ein Angriff auf die Nation, so der Bundesrat. Es gehe darum, einander mit Respekt zu begegnen und nicht nur mit Toleranz, die etwas Paternalistisches an sich habe. «Wenn es den Anderen gut geht, geht es uns auch gut. Das ist die wahre Schweizer Zauberformel», so Alain Berset.

Der Dialogpreis ist der erste solcher Art. «Der Dialog ist nötig und unverzichtbar, damit Menschen mit unterschiedlichsten Lebensentwürfen zusammenfinden», erklärte Herbert Winter, Präsdent des Schweizerischen israelitischen Gemeindebundes (SIG), dessen Bedeutung. Der SIG und die »Plattform der Liberalen Juden der Schweiz» (PLJS) haben diesen Preis lanciert und vergeben.

Dialog zwischen Juden, Muslimen und Christen gefördert

Verliehen wurde der Preis dem Imam Muris Begovic und dem Rabbiner Noam Hertig aus der Deutschschweiz, sowie dem protestantischen Diakon Maurice Gardiol und dem jüdischen Vorbeter Eric Ackermann aus der Westschweiz.

Was haben die vier Männer aus unterschiedlichen Religionen gemeinsam? Alle fördern laut Mitteilung seit Jahren den Dialog und Austausch zwischen Juden, Muslimen und Christen.

Die beiden Deutschschweizer leiteten die erste jüdisch-muslimische Dialogveranstaltung der SIG, der PLJS und der muslimischen Dachverbände «Koordination Islamischer Organisationen Schweiz» (Kios) und Föderation islamischer Dachorganisationen Schweiz (Fids).

Zweimal 10'000 Franken

Die Westschweizer werden laut den Preisverleihern wegen ihrer Arbeit in der interreligiösen Plattform Genf prämiert. Der Dialogpreis ist mit zweimal 10'000 Franken dotiert und wird laut Mitteilung für ein gemeinsames Dialogprojekt eingesetzt werden.

Die vier Preisträger seien der beste Ausdruck für die Überzeugung, dass «eine wahrhaftige, vertiefte Auseinandersetzung mit dem Schöpfer in die Erkenntnis des gottgewollten Friedens und in den religions- und kulturübergreifenden Respekt voreinander» führe, teilte die Fids mit und bedankte sich bei den Verleiher des Preises.

An der Preisverleihung im Bierhübeli Bern waren nebst Religionsvertretern auch Politiker wie FDP-Nationalrat Beat Walti, Co-Präsident der Parlamentarischen Gruppe gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit.

«Dieser Dialogpreis ist nicht ein Preis unter vielen», so Walti in seiner Laudatio für die Preisträger. «Für mich ist es der richtige und wichtige Preis in einer Zeit, in der Fremdenfeindlichkeit schwelt und Antisemitismus wieder auflodert».

Gemeinsames Fastenbrechen

Abgerundet wurde der Abend «ganz im Sinne des Dialogs», nämlich mit einem gemeinsamen Fastenbrechen von Muslimen, Juden und Christen während dem Ramadan.

Zum Thema:
Dialog Islam-Christentum: Muslimischer Theologe fordert mehr kritischen Dialog
Interdisziplinärer Workshop: Uni Freiburg: Religionen im Dialog
Muslime und Christen im Gespräch: Menschen des Friedens statt des Misstrauens werden

Datum: 30.05.2018
Autor: Francesca Trento
Quelle: kath.ch

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