Wertegemeinschaft stützten

Aargauer Regierung gibt Bettagsmandat heraus

Der Aargau gehört zu den Kantonen, wo die Regierung noch ein Bettagsmandat herausgibt. Der Text für 2017 verdient Beachtung über den Kanton hinaus.

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Die Aargauer Regierung ermuntern Kantone, Kommunen und Kirchgemeinden, sich als Wertegemeinschaften zu verstehen.
Ein Bettagsmandat zu verfassen, ist für eine Kantonsregierung eine Gratwanderung, da sie sich mit dem Text nicht zum Handlanger von Kirchen oder religiösen Gruppen machen darf und doch einen Text zu einem Tag herausgeben muss, der zwar vor allem in den Kirchen gefeiert wird, aber doch alle angeht. Die Aargauer Regierung hat das gut gelöst.

Dankbarkeit und Demut

Für den Regierungsrat ist der Bettag ein Anlass, Dankbarkeit und Demut zu zeigen. Dankbarkeit dafür, dass es den meisten Menschen in der Schweiz gut geht und dass sie in einer Welt leben, die der Hoffnung aller Menschen weitgehend entspricht. In einer Welt, in der Liebe, Friede, Freiheit, Unabhängigkeit, Gleichberechtigung, Sicherheit, Wohlfahrt und Wohlstand herrscht. Doch gerade dieser Zustand fordere auch heraus, nicht nur an einem Tag zu danken, zu beten und Busse zu tun, sondern dazu beizutragen, dass es auch andern in der Welt besser geht, indem wir uns «in grenzüberschreitende, internationale Programme und Initiativen einbringen».

Die Sorge der Aargauer Regierung

Aber auch im eigenen Land gelte es, zur Natur und den Ressourcen Sorge zu tragen, Solidarität mit Schwachen und Benachteiligten zu zeigen und Toleranz zu zeigen gegenüber Menschen, die anders sind, anders denken oder fühlen. Die Regierung äussert in diesem Zusammenhang auch ihre Sorgen. Sie schreibt wörtlich:

«Leider ist seit einigen Jahren eine unheilvolle Entwicklung zu beobachten, dass einst selbstverständliche Grundwerte aus egoistischen, populistischen und andern Gründen in Frage gestellt, lächerlich gemacht, marginalisiert oder gar negiert werden. Diese Tendenz ist gefährlich, weil sie – gerade in Zeiten der Verunsicherung und Orientierungslosigkeit – zu Rissen in Gesellschaft und Gemeinschaften führen kann.»

Wertegemeinschaften bilden

Die Regierung ermuntert daher Kantone, Kommunen und Kirchgemeinden, sich als Wertegemeinschaften zu verstehen, die Werte wie Solidarität, Nächstenliebe, Anteilnahme und Rücksichtnahme, aber auch Freiheit, Unabhängigkeit und Eigenverantwortung stärken. Der Bettag eigne sich bestens dazu, sich darauf zu besinnen.

Die Folge eines Bürgerkriegs

Der Bettag entstand als gemeinsamer gesamtschweizerischer Feiertag im Zusammenhang mit der Gründung des schweizerischen Bundesstaates 1848. Ihm war der blutige Sonderbundskrieg vorangegangen. Der Eidgenössische Dank-, Buss- und Bettag sollte ein Tag werden, der in der politisch und konfessionell stark fragmentierten Schweiz von den Angehörigen aller Parteiungen und Konfessionen gefeiert werden konnte. Er ist damit nicht allein konfessionell, sondern auch staatspolitisch begründet. Er sollte den Respekt vor dem politisch und konfessionell Andersdenkenden fördern. Zu diesem Zweck wurde von den staatlichen Behörden jeweils ein «Bettagsmandat» herausgegeben, in dem die Behörden den Bettag anordneten und aktuell begründeten. Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Bettagsmandate nach und nach durch Texte der Kirchen ersetzt, aber es gibt auch heute noch offizielle behördliche Texte zum Bettag, wie das aktuelle Beispiel zeigt.

Zum Thema:
«Ein Gebet voraus»: Christen beten für Landesregierung und danken ihr
Beten am Bettag verboten? Eklat: Keine Bewilligung für Gebetsmarsch
Glaube und Politik: Christliche Werte allein genügen nicht
Zum 1. August: Die Schweiz: Ein christliches Land? 

Datum: 30.08.2017
Autor: Fritz Imhof
Quelle: Livenet

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