Lebensgemeinschaft Quelle Aeschau

Ein praktischer Ausdruck christlicher Gemeinschaft

Die Quelle ist eine christliche Lebensgemeinschaft im Emmental. Sie besteht aus unterschiedlichen Menschen, die gemeinsam im Glauben wachsen und sich gegenseitig unterstützen. Livenet interviewte Susann und Philippe Müller.

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Familie Müller
1995 wurde die Lebensgemeinschaft Quelle ins Leben gerufen. Die Gründer, Hans und Romy Hiltbrunner, hatten schon Jahre zuvor Menschen aufgenommen und betreut. Doch jetzt, nach dem Ausbau ihres Bauernhauses, ging das Ehepaar einen grossen Schritt vorwärts. Seit 2012 ist die Quelle Teil der Arbeit El Rafa. Im November 2016 zogen Susann und Philippe Müller mit ihren Kindern in der Quelle ein, um in die Aufgabe der Hauseltern hineinzuwachsen.

Livenet: Was für Leute leben bei Ihnen?
Susann und Philippe Müller:
Aktuell sind wir 27 Personen, welche unsere vierzehn Wohnungen belegen. Wir haben ganz verschiedene Leute in unserer Lebensgemeinschaft. Es gibt ältere und auch junge Leute. Ehepaare, Familien mit kleinen Kindern aber auch Alleinstehende.

Aus welchen Gründen zieht jemand in der Quelle ein?
Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Einige suchen das gemeinschaftliche Leben und finden bei uns eine Wohnung, die ihnen auch etwas Privatsphäre ermöglicht. Andere ziehen in der Quelle ein, weil sie auf Unterstützung, Ermutigung, usw. angewiesen sind. Es kommen auch immer wieder Leute zu uns, die ein Anliegen haben, Schwächere zu unterstützen. Einige unserer Bewohner leben schon seit Jahrzehnten in der Quelle und bringen sich in die Gemeinschaft ein. Sie wurde zu ihrem Zuhause.

Auf welche Personen richtet sich die Lebensgemeinschaft aus?
Primär richten wir uns auf Leute aus, die auf Hilfe angewiesen sind. Das sind Personen mit psychischen Problemen und solche, die sich gerade in schwierigen Lebenssituationen befinden. Wir wollen eine Gemeinschaft sein, in der Menschen angenommen sein können, so wie sie sind. Das bedingt, dass Leute da sind, die auch zuhören und helfen können. Deshalb sind wir darauf angewiesen, dass auch Menschen bei uns wohnen, die psychisch stabil sind, einen lebendigen Glauben an Jesus haben und gerne anderen helfen.

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Quelle Aeschau
Versteht sich die Quelle als christliche Gemeinde?
Wir verstehen uns als Ergänzung zu den gängigen Freikirchen. Wir ermutigen unsere Leute, sich einer Gemeinde anzuschliessen. Es gibt aber Bereiche, welche eine traditionelle Freikirche nicht abdecken kann. Ein verbindliches Zusammenleben, wo einer den anderen trägt und unterstützt, bedingt eine engere Form, als sie in den üblichen christlichen Gemeinden zu finden ist.

Welchen Gewinn bringt Ihre Lebensgemeinschaft?
Da gibt es vieles, was wir aufzählen könnten. Die Lebensgemeinschaft ist z.B. ein intensives Lernfeld. Durch das enge Zusammenleben entstehen Konflikte, denen man in einer christlichen Gemeinde aus dem Weg gehen kann. Genau an diesen Konflikten können wir aber wachsen. Es ist eine Chance zu lernen, einander immer wieder anzunehmen. Bei uns gibt es auch immer die Möglichkeit von Gemeinschaft. Wenn jemand mit einer anderen Person beten möchte oder Hilfe braucht, muss er nicht auf einen speziellen Anlass warten. Somit ist das Miteinander persönlicher und authentischer. Dies alles dient letztendlich dazu, Jesus ähnlicher zu werden.

Habt Ihr auch eine Wirkung nach aussen?
Ja, die haben wir. Für uns ist es auch schön zu sehen, dass wir als Quelle Menschen erreichen können, die um eine Freikirche normalerweise einen grossen Bogen machen.

Gibt es für Sie persönliche Highlights?
Für uns war dieses Jahr der Osterbrunch ein Highlight. Als Lebensgemeinschaft organisierten wir den Anlass und luden Leute ein. Die gemeinsame Motivation bestand darin, Licht und Salz für unsere Umgebung zu sein. Wie wir uns mit den unterschiedlichen Fähigkeiten ergänzten, war eindrücklich. Es wurde uns klar, dass wir gemeinsam mehr erreichen als alleine.

Was ist Ihre persönliche Perspektive in der Quelle?
Aktuell planen wir den Aufbau eines Arbeitsbereichs. Dies soll einerseits eine Einnahmequelle sein, andererseits aber auch die Möglichkeit schaffen, schwächere Menschen in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Wir wünschen uns zu erleben, wie Menschen nach einer Zeit bei uns auch wieder ein Leben ausserhalb der Gemeinschaft führen können. Es ist nie unser Ziel, jemanden loszuwerden. Doch oft ist ein Wechsel für unsere Leute wertvoll – und gibt auch wieder für eine andere Person die Möglichkeit, zu uns zu stossen.

Weiter ist uns auch wichtig, dass aussenstehende Personen an unserer Lebensgemeinschaft Anteil haben können. Durch unser freitägliches Kaffee, spezifische Anlässe und auch unser alltägliches Leben wollen wir weitergeben, was wir von Jesus empfangen und gelernt haben.

Zum Thema:
30 Jahre El Rafa: Ein Ort für einen Neuanfang
Für Menschen in Krisen: Sie investieren ihr Leben, damit andere frei werden
Neuer Geist im Chuderhüsi: El Rafa hat Betrieb aufgenommen

Datum: 28.12.2017
Autor: Markus Richner-Mai
Quelle: Livenet

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